Das Storchennest in Windhoek - Namibia Safari und Lodges - Gondwana Collection

Namibia. Wie oft muss man in diesem einzigartigen Land gewesen sein, um es zu kennen? Wie lange dauert es, eins mit seiner Kultur zu werden, seine Seele zu verstehen, seine Naturwunder zu begreifen?

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Manche sagen, das dauert ein Leben lang. Wir sagen, zwanzig mal reicht. Denn seit mehr als 20 Jahren bauen wir an den namibischen Plätzen unfassbarer Naturwunder und Kulturgeschichten fantastische Erlebnislodges. Manchmal aus historischen Farmen, immer in der Tradition unseres Landes und mit verwöhnendem Komfort. Mehr als 20 Lodges und ein Hotel sind es bis heute, und trotzdem verstehen wir uns nicht als Hotelkette. Denn jede Unterkunft hat ihren eigenen Charakter. Jede liegt in unmittelbarer Nähe einer spektakulären Sehenswürdigkeit. Jede ist ein Erlebnis für sich, mit Abenteuern zum Greifen nah und Herzklopfen inklusive. Und wenn Sie von Ihren Safaris in die überwältigende Natur und Tierwelt zurückkehren, beginnt umsorgt von namibischer Gastfreundschaft der zweite Teil eines großartigen Tages.

Das ist das Gondwana-Gefühl. Namibia aus ganzem Herzen.

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Das Storchennest in Windhoek

Avatar of inke inke - 17. November 2017 - Entdecken Sie Namibia


Es ist das Jahr 1907. In Deutsch-Südwestafrika leben Siedlerfamilien auf entlegenen Farmen und in weit voneinander entfernten Ortschaften. Die Verkehrsmittel sind langsam und unbequem, von Straßen kann kaum die Rede sein. Für Kranke kommt ärztliche Hilfe häufig zu spät, auch werdende Mütter geraten oft in große Not. Viele junge Frauen sterben im Kindbettfieber, die Kindersterblichkeit ist hoch. 


Vor diesem Hintergrund rufen der Deutsche Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See - der bereits 1888,schon bald nach dem Erwerb der deutschen Schutzgebiete, zustande gekommen war - und der neugegründete Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft gemeinsam dazu auf, in Windhoek ein dringend benötigtes Entbindungsheim zu bauen. Durch eine Spendenaktion sollen die Mittel für eine möglichst großzügige Ausführung des Vorhabens aufgebracht werden.

Die Bestimmung des Hauses wird in einer Urkunde festgelegt: „Es soll dazu dienen, den draußen im Land auf Farmen und Stationen, einsam und verstreut, fern von ärztlicher Hilfe wohnenden weißen Frauen eine Zufluchtstätte zu schaffen. Das Heim ist in uneigennütziger Absicht als Werk helfender Nächstenliebe bestimmt worden“. Der Spendenaufruf stößt in Deutschland auf Interesse. Die Kolonialgesellschaft beteiligt sich ebenfalls und veranstaltet eine Lotterie. Insgesamt kommen knapp 317 000 Mark zusammen. Vom Gouvernement wird für 4814,50 Mark ein 32148 m² großes Grundstück auf der damals noch unbebauten Anhöhe westlich des Stadtkerns erworben. 

Baumeister Gottlieb Redecker entwirft unentgeltlich den Plan für das Gebäude und führt ihn gemeinsam mit Architekt Wilhelm Sander aus. Bereits am 20. Oktober 1907 wird mit dem Spruch „Der Not der Frauen wehre, den Stamm in Südwest mehre, mach Arbeit uns und Ehre!" der Grundstein gelegt, und am 25. Januar 1908 wird das Richtfest gefeiert. Über dem Rohbau weht die Fahne des Herzogtums Braunschweig, um der Braunschweiger Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft für die größte Einzelspende zur Finanzierung des Bauvorhabens zu danken. Den Löwenanteil der Mittel brachten „in edlem Wettstreit“ jedoch die DKG-Abteilungen der Herzogin Elisabeth zu Mecklenburg auf, die Gattin des Regenten von Braunschweig. Deshalb erhält das Haus ihr zu Ehren den Namen Elisabeth Haus.

Im April sind die Bauarbeiten abgeschlossen, die kleine Entbindungsklinik kann eingeweiht werden. Über die Windhuker Nachrichten wird die Ӧffentlichkeit zur Besichtigung eingeladen. Das erste Kind, das dort wenige Tage später das Licht der Welt erblickt, ist das Missionarstöchterlein Elisabeth Meyer. Erstmals wird die Rot-Kreuz-Flagge gehißt, die fortan jedes freudige Ereignis verkündet. In den Anfangsjahren, als das Elisabeth Haus noch weithin sichtbar allein auf weiter Flur stand, war sie das Zeichen für den Vater, der sich irgendwo an der Kaiserstraße (Independence Avenue) ungeduldig wartend ein Bier genehmigte. 

Usprünglich bestand das Elisabeth Haus aus weniger als einem Dutzend Räumen. Ein großer Empfangsraum, der auch als Esszimmer diente, bildete den Kern des Hauses. Im Nordflügel befanden sich ein Schwesternzimmer und die Küche, und der Kreißsaal war in einem Erkerzimmer untergebracht. Im etwas kühleren Südflügel gab es vier Mehrbettzimmer und das einzige Badezimmer. Auf zwei Seiten war das Gebäude von einer durchgehenden breiten Veranda umgeben. Zur angenehmen Temperierung aller Räume trug zudem die geschickte Versetzung der beiden Hausflügel gegeneinander bei und die Ventilierung des Dachstuhls durch Schleppgauben und einen kleinen Dachreiter. Auf jede „unnötige Pracht und Verschwendung“ wurde verzichtet, am Ende wurden geplante Zierelemente größtenteils gestrichen und durch bescheidene Rauputzflächen ersetzt.

Alle Kosten trugen der Deutsche Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See und der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft. Dennoch wurden die Gebühren so gering wie möglich gehalten. Sie basierten auf zwei verschiedenen Klassen, und für Windhoekerinnen waren sie höher als für Frauen aus dem Rest des Landes. 1908 bezahlten auswärtige Frauen je nach Unterbringungsklasse 3 bis 5 Mark, Windhoekerinnen bezahlten sechs bis acht Mark. Zwei Jahre später mussten die Preise erstmals angehoben werden und stiegen auf fast das Doppelte. Ab 1912 beteiligte sich das Deutsche Kaiserreich am Unterhalt. Kleinere Farmkinder durften ihre Mutter begleiten und wurden ebenfalls im Elisabeth Haus untergebracht und versorgt.  

Da Windhoek für viele werdende Mütter jedoch einfach zu weit entfernt war, plante die Deutsche Kolonialgesellschaft „ein ganzes Netz von Wöchnerinnenheimen über das Schutzgebiet zu spannen“. 1914 wurde ein Heim in Grootfontein eröffnet, aber die für Gobabis und Grootfontein vorgesehenen Bauvorhaben konnten nicht mehr verwirklicht werden, weil der Erste Weltkrieg ausbrach. Dessen ungeachtet fügte Architekt Wilhelm Sander nach Ausbruch des Krieges einen Erweiterungsbau an das Elisabeth Haus an, der durch einen überdachten Gang mit dem bestehenden Gebäude verbunden wurde und in etwa ebenso groß war. Mittlerweile hatte der Storch, der auf dem Türmchen als Wetterfahne fungierte, dem Haus den Spitznamen Storchennest eingebracht. 

1970 beanstandete das Gesundheitsamt den veralteten Kreiß- und Operationssaal. Daraufhin wurde der Bau eines neuen Traktes beschlossen, der allen modernen hygienischen und medizinisch-technischen Anforderungen entsprechen sollte. Das Vorhaben konnte teilweise mit dem Erlös des großen Grundstücks finanziert werden, das bereits 1968 verkauft worden war.  Das DRK Präsidium in Bonn gewährte ein Darlehen, die DRK Schwesternschaft half, und die Allgemeine Zeitung startete eine Spendenaktion, die im ganzen Land große Resonanz fand. Der Umbau konnte beginnen. Der alte Kreißsaal war jedoch nicht mehr zu retten. Seine Wände, so dick sie waren, bröckelten einfach weg. 

Kaum waren die Bauarbeiten beendet, folgten Personalsorgen, und als sie gelöst waren, ging die Zahl der Geburten im Elisabeth Haus auffallend zurück, weil mittlerweile das Staatshospital eröffnet worden war. Das Elisabeth Haus war finanziell unrentabel und immer wieder stand die Schließung im Raum. Am 1. April 1981 war das Ende schließlich nicht mehr aufzuhalten. Tristan Cowley war das letzte der 12 669 Kinder, die in 73 Jahren im „Storchennest“ zur Welt gekommen sind. 

Das historische Gebäude steht seit 1986 unter Denkmalschutz und gehört heute zur Namibia University of Science and Technology NUST. 

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