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Die Besetzung Windhoeks im Ersten Weltkrieg

Avatar of inke inke - 15. Mai 2015 - Entdecken Sie Namibia

Der Windhoeker Bürgermeister übergibt die Hauptstadt an General Botha. (Quelle: South African War Museum)

Im Ersten Weltkrieg steht die Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika einer Invasion von 60.000 Südafrikanern gegenüber. Sie dringen über den Oranje und auf dem Seeweg von Lüderitzbucht und Walvis Bay in die deutsche Kolonie ein und drängen die zahlenmäßig 10-fach unterlegene Schutztruppe immer weiter nach Norden zurück. 

Am 12. Mai 1915 – also vor 100 Jahren - erreicht der südafrikanische General Botha mit einer gepanzerten Abteilung die Hauptstadt der deutschen Kolonie. Er wird bereits erwartet: Die Kolonialverwaltung und die Schutztruppe haben Windhoek geräumt und alle Befugnisse auf Bürgermeister Peter Müller übertragen, der die Stadt offiziell an General Botha übergibt.

Damit ist der Hauptzweck des südafrikanischen Feldzugs in Deutsch-Südwestafrika erreicht: Die Windhoeker Funkstation mit ihrer 100 Meter hohen Antenne befindet sich in südafrikanischer Hand. Sie gilt als der zweitstärkste Sender der Welt. Nur ist sie Mitte Mai 1915 nicht mehr funktionsfähig, denn ihre Techniker haben die wichtigsten Teile der Generatoren und Sendeanlagen entfernt. 

Dafür erbeutet die UDF unter General Botha in Windhoek zahlreiche Waggons und Lokomotiven, die den Transport von Nachschub, der an der Küste lagert, erheblich erleichtern würden. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass auch in diesem Fall wichtige Betriebsteile entfernt wurden. 

Oberst Mentz wird zum Militär-Gouverneur von Windhoek ernannt. Er ist auch für die übrigen eroberten Ortschaften zuständig und hat zahlreiche Probleme zu bewältigen. Darunter die Versorgung der Zivilbevölkerung mit Lebensmitteln, denn die Schutztruppe hat bei ihrem Rückzug nach Norden alle Vorräte mitgenommen. Mitte Mai gibt es kaum noch Maismehl in Windhoek, und die vorhandenen Reste werden zu schwindelerregenden Preisen verkauft. Abgesehen von der Lebensmittelknappheit bereitet dem neuen Gouverneur die Haltung der eingeborenen Bevölkerung Sorge. Viele stehen offenbar unter dem Eindruck, dass sie nun, da das deutsche Joch abgeschüttelt ist, nie wieder zu arbeiten bräuchten, da die UDF für ihren Unterhalt sorgen wird...

Die deutsche Kolonialverwaltung befindet sich nach der südafrikanischen Besetzung der Hauptstadt in einer verzweifelten Lage. Einen Tag später spricht sich Gouverneur Seitz in einem Schreiben an General Botha für die Einstellung der Kampfhandlungen aus. Die ersten Friedensgespräche Ende Mai an der Giftkuppe scheitern. Doch die Niederlage der deutschen Schutztruppe ist absehbar. Der Kapitulationsvertrag wird 6 Wochen später, am 9. Juli 1915, in Korab unterzeichnet.

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