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Tödliches Missverständnis bei der Schwarzen Klippe

Avatar of inke inke - 19. Februar 2016 - Entdecken Sie Namibia

An der ehemaligen Ochsenwagen-Route von Windhoek nach Seeis liegt eine Felsformation mit der Aufschrift: Schwarze Klippe 14.2.04. Wer diesen Felsen sieht, fragt sich unwillkürlich, was dort passiert sein könnte. Denn kaum jemand weiß, dass in der Umgebung dieser Felsformation zu Beginn des Hereroaufstands ein Gefecht stattfand, bei dem deutsche Soldaten versehentlich ihre eigenen Leute erschossen.  

Am 14. Februar 1904 marschiert die Ersten Kompanie unter Hauptmann Fischel um 6 Uhr in der Früh von Windhoek nach Gobabis ab. Sie hat den Auftrag, wenn nötig gegen aufständische Hereros vorzugehen. Hauptmann a.D. Hugo von François (der Bruder von Curt von François) reitet mit einer Patrouille voraus. Bereits im Laufe des Morgens trifft sein Trupp auf eine Gruppe Hereros, die bei dem kurzen Gefecht Verluste erleiden. Bei den deutschen Schutztrupplern wird einem Reiter der Finger abgeschossen und sein Gewehr beschädigt. 

Die Ersten Kompanie trifft um 12.30 Uhr bei der völlig verwüsteten Abrahams–Farm (der heutigen Farm Finkenstein) ein, wo während der heißen Mittagszeit gerastet wird. Hauptmann von François erstattet Fischel Bericht und reitet nach Windhoek zurück. Um 4 Uhr nachmittags wird der Vormarsch fortgesetzt, mit der Annahme, die Wasserstelle bei der Schwarzen Klippe nach eineinhalb Stunden zu erreichen. Ein Irrtum, denn nach dem  Tagesmarsch von 40 Kilomtern trifft die Kompanie erst nach Anbruch der Dunkelheit bei der Wasserstelle ein.  

Einige Unteroffiziere reiten voraus, um einen angemessenen Lagerplatz auszusuchen. Wegen der hereinbrechenden Dunkelheit haben sie keine Zeit mehr, das Gelände zu erkunden und nach Feinden abzusuchen. Der Vortrupp koordiniert das Aufschlagen des Lagers, was bei der großen Zahl Begleitfahrzeuge und wegen des Viehs keine leichte Aufgabe ist. Die Kompanie wird unter anderem von Ochsenwagen, Lebensmittelwagen, Reservewagen, Sanitätskolonnenwagen, Haferwagen und Munitionswagen begleitet, die zu einer rechteckigen Wagenburg auffahren. Die Zugochsen werden an ihren Zugketten angebunden und das Vieh in die Mitte der Wagenburg getrieben. Die Unteroffiziere treffen sich zur Parole und legen das Kennwort für das Betreten des Lagers bei Nacht fest. Danach werden an jeder Seite des Lagers Unteroffiziere als Wachposten aufgestellt. Die Soldaten der Ersten Kompanie erhalten den Befehl, keine Feuer anzuzünden. 

Noch während sie ihre Nachtlager vorbereiten, hören sie vom Unteroffiziersposten Nummer 4 einige aufeinanderfolgende Schüsse. Der Zug Hildebrandt erhält sofort den Befehl, mit aufgepflanztem Seitengewehr einen Vorstoß zu unternehmen. Nach kaum 50 Schritten wird der Zug von beiden Seiten beschossen. Da das umliegende Gelände unbekannt ist, erhält der Zug die Anweisung, sich zurückzuziehen und seinen alten Platz in der Wagenburg wieder einzunehmen. 

Posten 3, auf den ebenfalls geschossen wurde, kommt unter lautem Rufen in die Wagenburg zurückgelaufen: „Nicht schießen, hier Posten 3“. Die Verwirrung ist vollkommen, als sich die  vermeintlichen Feinde ebenfalls der Wagenburg nähern: „Nicht schießen, hier deutsche Soldaten!“ Sie werden nach dem Kennwort und ihren Namen gefragt. Als keine Antwort kommt, schießen die Schutztruppler auf die mutmaßlichen Angreifer.  

Allmählich verstummt auf den beiden Seiten des Lagers das Gewehrfeuer. Die Soldaten verbringen die Nacht mit dem Gewehr im Arm in der Schützenlinie. Beim ersten Morgenlicht wird das Gelände mit einigen Granaten unter Beschuss genommen, gefolgt von einem Vorstoß des Zugs Hildebrandt auf das Gefechtsfeld der Nacht. Sie entdecken drei tote und einen verwundeten deutschen Seesoldaten. Ein Krankentransport bringt den schwerverwundeten Hermann Haense zur Behandlung nach Windhoek. 

Die Gefallenen Ernst Mahnke, Johann Schneider und Wilhelm Luttermöller (oder auch F. Suttermüller, wie er in anderen Quellen genannt wird) werden mittags mit militärischen Ehren zur Ruhe gebettet. Ein Klippenhaufen und ein Holzkreuz kennzeichnen ihr gemeinsames Grab, das heute noch in der Nähe der Schwarzen Klippe deutlich zu erkennen ist. Auch eine Umzäunung mit Stacheldraht, die vermutlich erst später angebracht wurde, ist noch vorhanden. 

Auf der Ostseite des Soldatenfriedhofs in Seeis gibt es ebenfalls Gräber für die drei gefallenen Soldaten, deren sterbliche Überreste wahrscheinlich niemals umgebettet wurden. 

Untersuchungsergebnisse des Vorfalls an der Schwarzen Klippe sind vermutlich aus Verlegenheit niemals veröffentlicht worden. Es handelte sich offenbar um ein unglückliches Zusammentreffen deutscher Soldaten, die über die Aufträge des anderen nicht informiert waren.

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