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Wassermassen überraschen Farmer im Schlaf

Avatar of inke inke - 25. Februar 2016 - Entdecken Sie Namibia

Nach dem Unwetter am 24. und 25. Februar 1960 war die Farm Reussenland von Wasser eingeschlossen. Quelle: Claus Schulz

„Mit dem Flugzeug von Ovamboland kommend und hoch über der Wolkendecke fliegend, sah ich südwestlich einen riesigen Wolkenturm, der sich gewaltig hoch über die Wolkendecke erstreckte. Der Pilot, erfahren in südwester Wetterverhältnissen, schloß auf einen ungewöhnlichen Wettervorgang, der sich auch tatsächlich ereignete.“ Das Unwetter, das Hans Stengel und sein Pilot als Wolkengebilde sahen, ging als Uhlenhorster Überschwemmung in die Geschichte ein. Es ereignete sich vom 24. auf den 25. Februar 1960. 

Der 22-jährige Claus Schulz sitzt am Abend des 24. Februar 1960 mit seinen Eltern im Garten der Farm Reussenland im Uhlenhorster Farmgebiet, etwa 160 km südwestlich von Windhoek. Es ist heiß, das Land ist ausgedörrt, bisher kein einziger Tropfen Regen. Seine Eltern ziehen sich für die Nacht ins Farmhaus zurück. Claus Schulz schläft in einem kleinen Rondavel, sein Schäferhund leistet ihm Gesellschaft. Mitten in der Nacht wird Claus Schulz wach; völlig schlaftrunken versucht er zu erkennen, welche Geräusche ihn geweckt haben. Platsch, platsch, platsch – sein Schäferhund macht seltsame Geräusche. Claus Schulz erhebt sich – und steht bis zu den Knöcheln im Wasser... Erst jetzt hört er, dass es draußen schüttet. Der langersehnte Regen ist da!

Dieser Regen richtet unglaublichen Schaden an. Auf der Farm Reussenland bleibt das Farmhaus mit seinem hohen Fundament verschont, aber alle Nebengebäude mit Werkstatt, Store, Fellkammmer – alles steht unter Wasser. Claus Schulz ist einer der letzten Zeitzeugen der Uhlenhorster Überschwemmung. 

Ein weiterer ist Raimar von Hase. Er war damals auf der Farm Jena noch ein Kind, doch es gibt denkwürdige Ereignisse, die man niemals vergisst. Sein Vater, Hans Jürgen von Hase, schrieb seine Eindrücke nieder: 

„Der Süden war wieder ‚mal trocken. Wir Farmer waren in großer Sorge und hatten am 24. Februar eine Dürrebesprechung mit der Landbaubehörde. Als ich am Abend nach Jena kam, hatte es auf dem Nordteil der Farm einen kräftigen Guss gegeben. Vorsorglich ordnete ich am Posten Kalkbusch an, die dortige Herde umzustellen. In der Nacht begann es stark zu regnen. Ich schlief fest und merkte nicht, dass der Regen sich zu einem Wolkenbruch entwickelte. Um sechs Uhr am Morgen rief mich mein Nachbar an und fragte, wie hoch mein Schafverlust in der Nacht gewesen sei; bei ihm seien mehr als 1000 Tiere ertrunken. Ich schaute aus dem Fenster: Unser Haus stand in einer riesigen Wasserlache – hier hatten wir 218 mm Regen gehabt. Sofort fuhr ich mit Raimar und einigen Arbeitern zum Posten Milkau. Dort hatte es 420 mm geregnet. Der Schafwächter kam uns schon entgegen und rief aufgeregt: Mister, meine Schafe ertrinken alle!“ Die Herde von 800 Schafen stand dicht zusammen in einer Ecke und das Wasser stieg. Wir zerrten die noch lebenden Tiere heraus und konnten etwa 300 retten. Als wir nach Monaten die Knochen eingruben, zählten wir 522 Schädel. Im Ganzen verlor ich bei diesem Unwetter 700 Schafe und zwanzig Rinder.“

Der durchschnittliche Niederschlag betrug damals im Uhlenhorster Farmgebiet 250 mm pro Jahr. Das Unwetter von 1960 hielt sich nicht an die Statistik: Auf der Farm "Ja Dennoch" zum Beispiel begann der Regen um 23 Uhr und erreichte am 25. Februar um 11 Uhr in nur 12 Stunden unglaubliche 489 mm. 

Hans Stengel, der zusammen mit dem Piloten den riesigen Wolkenpilz gesehen hatte und damals beim SWA Department of Water Affairs beschäftigt war, schrieb über die Verteilung des Wolkenbruchs: „Der gesamte Regenfall ergab eine Wassermenge von etwas mehr oder weniger als 230 Mill. m³  Wasser; die Menge entspricht 90% vom Inhalt des gefüllten Hardap Dammes bei Marienthal. Ueber das gesamte [vom Unwetter betroffene] Gebiet von 95.000 ha ausgebreitet, ergibt sie eine gleichmäßige Wasserhöhe von 200 mm.“

Das Uhlenhorster Farmgebiet verwandelte sich bei dem Unwetter für einige Wochen in eine Seenplatte. Noch heute, mehr als 50 Jahre später, wird darüber spekuliert, ob diese Überschwemmung durch menschliches Eingreifen in die Natur ausgelöst wurde. Denn aus Verzweiflung über die Dürre war Ende der 50er Jahre im Uhlenhorster Farmgebiet ein Regenklub gegründet worden, um ‚Regen zu machen‘. Nicht jeder trat ihm bei. Manche waren der Meinung, dass Regenmachen Sache einer höheren Macht sei. 

Der Regenklub versuchte mit Regenraketen und Flugzeugen, die Wolken mit Silberjodid „impften“, Niederschlag zu erzeugen. Die kostspieligen Regenflüge waren nach Aussage unseres Zeitzeugen Claus Schulz nicht besonders erfolgreich. Seine Farm Reussenland habe dadurch nur einmal 10 mm erhalten. Und er ist sich sicher: Am 24. Februar 1960 war kein Flugzeug aufgestiegen. Allerdings hielt sich jahrelang die Vermutung, dass einer der Farmer eine Regenrakete abgeschossen haben könnte. 

Die Sintflut war eine Naturkatastrophe, die Hilde von Hase von der Farm Jena mit den folgenden Worten schilderte: “Uns schien die Welt unterzugehen. Der kahle Boden nahm wenig Wasser auf, alle Pfannen und Vleis stauten kilometerweit das Wasser auf. Schafe ertranken in den Wassermassen und Kühe versackten im Modder und kamen um.“

Die Allgemeine Zeitung bezifferte die Viehverluste der Farmer Anfang März ersten Schätzungen zufolge mit 3000 Schafen und 300 Rindern. Hinzu kamen enorme Schäden an der Infrastruktur. Die SWA Administration bewilligte den Uhlenhorster Farmern angesichts der Naturkatastrophe ein finanzielles Hilfspaket.

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