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‚Land unter‘ in Aus

Avatar of inke inke - 04. März 2016 - Entdecken Sie Namibia

Aus nach der Flut im Jahr 1948. (Foto: Nationalarchiv)

An einem Mittwoch, den 3. März 1948, brachte ein heftiger Wolkenbruch dem Dorf Aus nach sechs Jahren Dürre endlich den langersehnten Regen, aber auch großes Leid. Seine Bewohner wurden aus ihrem gemütlichen Alltagstrott gerissen, als eine hohe Flutwelle das gewöhnlich trockene Rivier im Herzen des Dorfes heruntergeschossen kam, Menschen mitriss, Anwesen verwüstete und die Infrastruktur beschädigte. Der Windhoek Advertiser berichtete über die Katastrophe.

Das Zentrum des Wolkenbruchs lag 60 km nördlich zwischen Aus-nek und der Farm Kubub von August Lubowski. Dort regnete es 40mm in nur 40 Minuten. Das durch Aus verlaufende Rivier verwandelte sich in einen reißenden Strom von acht bis zehn Fuß Wassertiefe (ca 2 – 3 m). Die brausenden Wassermassen rissen die Grundstücksmauer der Rote Kreuz Station etwa eine Meile vor Aus mit, die der Besitzer Herr Izko von Weissenborn kurz zuvor für 150 Pfund errichtet hatte. Direkt vor der Rote Kreuz Station verlief nun ein neues Rivier. 

Besonders schwer betroffen war das Lager der schwarzen Eisenbahn-Arbeiter, das direkt im Flussbett lag. Niemand hatte damit gerechnet, dass dieses Rivier jemals abkommen könnte. Die Arbeiter verloren ihren gesamten Besitz. 

Der verheerende Wolkenbruch am 3. März 1948 brachte einige Helden hervor. Der Bahnhofsvorsteher, Herr Human, hörte die Hilferufe einer Frau, die mit ihrem Kind bis zu den Schultern im Wasser stand. Er rettete zunächst das Kind und wollte dann der Mutter zu Hilfe kommen. Die Frau war so verängstigt und umklammerte ihren Retter so fest, dass dieser beinahe selbst ertrank. Weitere Helfer mussten in die Fluten steigen, um den beiden an Land zu helfen. 

Der Geschäftsführer (Manager) des Aus Trading Store, Mathew Druker, vollbrachte ebenfalls eine gute Tat, die laut Windhoek Advertiser nicht unerwähnt bleiben sollte. Er versorgte die schwarzen Opfer der Überschwemmung, die ihr gesamtes Hab und Gut verloren hatten, mit Gratisrationen. Einer der Arbeiter konnte nicht einmal seine Ersparnisse von 25 Pfund retten. 

Eine weitere Tragödie ereignete sich, als der Farmer Reinhold May von Landsberg im Lüderitz-Distrikt das Rivier durchfahren wollte. Er war auf dem Rückweg von Lüderitz zu seiner Farm. In dem Küstenort hatte er drei Wochen lang auf die Reparatur seines Lastwagens gewartet. Als er am Rivier ankam, floss es ziemlich schnell und war zwei bis drei Fuß tief (etwa 60 bis 90 cm). May wollte es trotzdem versuchen. Der Lastwagen blieb in der Mitte des Riviers liegen und ließ sich nicht wieder starten. In diesem Moment kam eine Flutwelle von sechs Fuß (1,80 m) Höhe angerauscht. May rettete sich mithilfe Umstehender im letzten Moment aus dem Rivier. Sein Lastwagen wurde etwa 100 Yards (90 Meter) weit mitgerissen. Sie gruben ihn am nächsten Tag aus drei Fuß (fast 1m) tiefem Modder aus. Die Ladung des Lastwagens war nicht mehr aufzufinden.  

Der Wolkenbruch richtete große Schäden an der Infrastruktur an. Bahngleise wurden weggespült und damit die Bahnverbindung zwischen Aus und Lüderitz unterbrochen. Als Verkehrsbehörde die Verbindung nach einer Woche wieder freigab, warteten die Bewohner von Lüderitz schon sehnsüchtig auf die Lieferungen, die sie mit dem Nötigsten versorgten. 

Die tosenden Wassermassen hinterließen in Aus tiefe Spül-Schlote. Die Gärten wurden durch die mit dem Wolkenbruch einhergehenden großen Hagelkörner verwüstet. Viele Haustiere gingen verloren.

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