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Der Leberwurstbaum - ein Stück vom Zauber Afrikas

Avatar of inke inke - 09. September 2016 - Entdecken Sie Namibia

Die großen grau-braunen Früchte, die wie enorme Leberwürste aussehen, haben dem Baum seinen Namen gegeben. (Foto: Ron Swilling)

Wer einmal einen Leberwurstbaum gesehen hat, wird den Anblick nicht wieder vergessen. Dieser robuste mittelgroße Baum mit gerundeter Krone bringt an abwärts hängenden Zweigen prächtige weinrote Blüten hervor, die an Orchideen erinnern. Im samtigen Inneren der eindrucksvollen Blüten befinden sich lange Stamen, die vermutlich von Flederhunden bestäubt werden. Trifft man den Baum nicht in seiner Blütenpracht an, so sind die enormen graubraunen Früchte, die armdick von seinen Ästen hängen und ihm seinen Namen eingebracht haben, nicht weniger verblüffend. 

Seine außergewöhnlichen Blüten und Früchte verleihen dem Leberwurstbaum eine besondere Faszination. An den bis zu 90 cm langen Blütenzweigen wachsen bis zu 50 Knospen. Sie öffnen sich nachts und fallen am nächsten Tag zu Boden. Jeder Blütenzweig bringt nur eine Frucht hervor. Die riesigen „Leberwürste“ werden bis zu einen Meter lang, haben einen Durchmesser von 18 Zentimetern und können 10 Kilogramm schwer werden. Das fasrige Fruchtfleisch enthält unzählige Samen. 

Der Leberwurstbaum, Kigelia africana, ist ein Vertreter der Familie der Bignoniaceae, zu der auch die Jacaranda gehört, die ursprünglich aus Mittel- und Südamerika stammt. Er wird bis zu 20 Meter hoch. Der glatte, graubraune Stamm sieht bei älteren Bäumen häufig gefleckt aus, weil die Rinde abblättert. Die zusammengesetzten Blätter sind leuchtend grün und ledrig. 

Wenn sich im Frühjahr die Blüten öffnen, lockt der Baum hunderte von Insekten und Vögeln an. Selbst kleine Affen tauchen den ganzen Kopf in die trompetenförmige große Blüte, um an den Nektar zu kommen. Abgefallene Blüten sind ein Festmahl für Antilopen. Elefanten und Nashörner, Paviane, Stachelschweine und Buschschweine fressen die Früchte. Elefanten und Kudus können bisweilen beim Abfressen der Blätter beobachtet werden. 

Menschen nutzen den Leberwurstbaum seit jeher in vielerlei Weise. In Malawi wird die geröstete Frucht zur Gärung von Bier verwendet, in Botswana werden Einbäume aus dem leichten aber robusten Holz geschnitten. Aus den Wurzeln lässt sich ein gelber Farbstoff gewinnen, und wenn Nahrungsmittel knapp sind, werden Samenkerne gekocht.  

Die noch unreife Frucht ist giftig für den Menschen. Der Verzehr verursacht Durchfall sowie Blasen im Mund und auf der Haut. Dennoch ist sie als Breiumschlag gegen Rheuma geeignet. Da die „Leberwurst“ antibakterielle Wirkung hat, wird sie getrocknet und pulverisiert in zahlreichen traditionellen Heilmitteln verwendet. Das Pulver wird gegen Geschwüre, Entzündungen und Syphilis eingesetzt und als Salbe bei Hautproblemen, einschließlich Sonnenbrand. Überbrühte gemahlene Rinde wird Kindern bei Magenbeschwerden verabreicht. Extrakte der Frucht sind für die Körperpflege beliebt, und wenn man sich eine „Leberwurst“ als Talismann ins Haus hängt, ist man gegen Unwetter gefeit. 

Der schottische Entdeckungsreisende und Arzt, Dr. David Livingstone, hat einen Leberwurstbaum berühmt gemacht. Am heutigen Vierländereck, wo Sambia, Zimbabwe, Botswana und Namibia zusammentreffen, lagerte er 1855 unter einem großen Leberwurstbaum, bevor er tags darauf erstmals die Victoriafälle erreichte. Er beschrieb den Baum in seinem Tagebuch. Im östlichen Caprivi (Sambesi-Region) heißt der Baum Muzungula. Vermutlich ist die Ortschaft Kasangula nach ihm benannt.

Der Leberwurstbaum ist in ganz Afrika verbreitet. Er gedeiht in geringen Höhenlagen an Flussufern oder in der offenen Savanne. Im afrikanischen Süden kommt er in KwaZulu Natal an der Ostküste von Südafrika vor, ebenso wie in Zimbabwe, Nord-Botswana und im Caprivi-Streifen in Namibia. Den Tieren liefert er Nahrung, dem Menschen Heilung, er ist eine Augenfreude und spendet wundervollen Schatten. Doch aufgepasst: Man möchte nicht von herabfallenden „Leberwürsten“ getroffen werden, derweil man unter seinem Laubdach ruht!

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