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Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft sichert sich die private Namibiana Kollektion

Avatar of inke inke - 23. November 2016 - Kultur

Über 600 Titel der Namibiana Sammlung sind mehr als 100 Jahre alt, 40 Prozent sind in englischer Sprache. Foto: Dirk Heinrich

Mit 10 oder 11 Jahren kaufte sich Franz Irlich für einen Schilling und einen Sixpence von seinem Taschengeld sein erstes Buch Hans Grimm – Das Südwesterbuch. Es war das erste seiner Namibiana Kollektion. Ein Buch von William Paterson aus dem Jahr 1790 war das teuerste, das Irlich je erstanden hat. Sechs Monate lang zahlte der ehemalige Lehrer ab, bevor das begehrte Stück ihm gehörte. Nun musste sich der im Jahre 1950 in Windhoek geborene Sammler schweren Herzens von seiner aus über 10.000 Titeln bestehenden privaten Sammlung trennen, da er umzog und es an Platz fehlte. 

Interessenten gab es genug: eine Universität in Amerika, einen Buchhändler in Johannesburg in Südafrika sowie einen Antiquitätenhändler. Irlich wollte seine Sammlung als Ganzes verkaufen und hatte den Wunsch, dass sie in Namibia bleibt. Also machte sich die Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft (NWG) zur Aufgabe, die Sammlung für 2,5 Millionen Namibia Dollar zu erwerben. Sie startete eine großangelegte Spendenaktion. Mit Erfolg. Am 18. November 2016 wurde die Namibiana Kollektion im Rahmen einer kleinen Feier in Anwesenheit vieler Spender der Namibia Wissenschaftlichen Gesellschaft übergeben. 

„Einige Personen werden sich fragen, warum die amerikanische Botschaft dem Aufruf der Namibia Wissenschaftlichen Gesellschaft gefolgt ist und 55.000 US-Dollar – 785.000 Namibia Dollar – spendete. Ich war vor Namibia Botschafter in zwei anderen afrikanischen Ländern, wo man bedauerte, dass die ehemaligen Kolonialmächte sämtliche Literatur und Unterlagen mitgenommen hatten. Ich finde es wichtig, dass ein Land Dokumente und Bücher seiner Geschichte und seiner Kultur besitzt. Deshalb hat die amerikanische Botschaft dazu beigetragen, dass die Namibiana Kollektion hier im Lande bleiben kann“, sagte der amerikanische Botschafter in Namibia, Thomas F. Daughton.

Die US Botschaft hat mit ihrer Spende maßgeblich zum Erwerb der Kollektion durch die NWG beigetragen. Hinzu kommen B2Gold und die FNB Stiftung, die jeweils 500.000 Namibia Dollar spendeten. Weitere große Beträge stellten die Pupkewitz Foundation und der Pupkewitz Decendants Trust mit zusammen N$ 250.000 zur Verfügung, ein anonymer Spender mit N$ 150.000 sowie weitere knapp 70 Organisationen, Unternehmen und Privatpersonen.

„Wir pflegen mit unserem Karneval eine Tradition und versuchen zur bunten Vielfalt in unserem Lande beizutragen. Deshalb unterstützt der Karnevalsverein Swakopmund die Initiative der Wissenschaftlichen Gesellschaft, um einen wichtigen Teil unserer Geschichte hier im Lande zu halten, damit sie allen Namibiern zugänglich ist“, sagte Joachim von Wietersheim, als er dem Präsidenten der NWG, Theo Schoeman, einen Scheck in Höhe von 11.111,11 Namibia Dollar überreichte.

Und was sagte der leidenschaftlicher Sammler und Schöpfer der Namibiana Kollektion, Franz Irlich, an diesem denkwürdigen Tag der offiziellen Übergabe? „Ich freue mich, dass die Sammlung in Namibia bleibt, dass es Namibier mit ermöglichten, dass die Kollektion von der Namibia Wissenschaftlichen Gesellschaft erworben werden konnte und dass Namibier vor Ort nachschlagen können und nicht ins Ausland gehen müssen. Ich habe die Werke aus aller Welt nach Namibia getragen und deshalb sollten sie auch nicht wieder ins Ausland gehen.“

600 der mehr als 10.000 Titel sind über 100 Jahre alt. Viele der Monografien sind weder im Nationalen Archiv, noch in der Bibliothek der Universität von Namibia, der Sam Cohen Bibliothek oder in anderen Sammlungen in Namibia erhältlich. Auch in Archiven in Südafrika und Europa sucht man einige der wissenschaftlichen Einzeldarstellungen vergeblich. Die meisten Titel sind in deutscher Sprache, 40 Prozent in Englisch und mehr als 450 Titel in Afrikaans. „Wir haben vielleicht 20 Prozent der Bücher oder Publikationen bereits in unserer bestehenden Bibliothek. Dies werden wir nun überprüfen und möglicherweise einzelne Stücke anschließend verkaufen“, sagte die Geschäftsführerin der NWG, Waltraud Fritzsche.

Dirk Heinrich

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