Omajova - Delikatesse der Wildnis - Neuigkeiten - Gondwana Collection

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Omajova - Delikatesse der Wildnis

Avatar of inke inke - 03. März 2017 - Entdecken Sie Namibia

Regen bringt Segen: ein Termitenhügel mit Omajovas.

Hohe Termitenhügel, die rot-braun aus dem gelben Gras der Savanne ragen, sind in vielen Gebieten Namibias ein typischer Anblick. Doch damit nicht genug: Am Fuß der markanten Insektenbauten sprießen in der Regenzeit gigantische Pilze. Sie sind wie eine großzügige Spende der Natur zu einem Freudenfest, wenn nach Wochen der Trockenheit und Hitze der Sommerregen aus den Gewitterwolken strömt und überall junges, frisches Grün sprießt.

Der Herero-Name Omajova (Ovambo: Ejova) ist für die Termiten-Pilze allgemein gebräuchlich. Der ländlichen Bevölkerung sind sie als wohlschmeckende Abwechslung auf dem Speisezettel und als zusätzliche Einnahmequelle hochwillkommen. Diese Schwergewichtler bringen locker ein Kilo auf die Waage und stellen eine ernsthafte Konkurrenz dar zu allem, was an Speisepilzen im Supermarkt erhältlich ist. Sie haben ein einzigartiges, unverwechselbares Aroma und schmecken am besten, wenn man sie in Butter brät und nur leicht salzt.

Die enormen Pilze werden von Termiten gezüchtet. Zu einer bestimmten Zeit, meistens nach den ersten Regenfällen, verlassen geschlechtsreife, geflügelte Termiten das Nest, um neue Kolonien zu gründen. Ist ein geeigneter Platz gefunden, bilden sich Paare, die Flügel fallen ab, die Paarung findet statt und Eier werden gelegt. Neben dem Königspaar gibt es im Termitenstaat auch Soldaten und viele fleißige Arbeiter. Die ‚fliegenden Ameisen‘, die in Schwärmen die Bauten verlassen, gelten bei der ländlichen Bevölkerung als Delikatesse.

Termitenbauten bestehen vorwiegend aus Lehm und Speichel. Ausgeklügelte Ventilationsschächte über den unterirdischen Nestern sorgen für konstante Temperaturen. Termiten sind wahre Meister des ökologischen Wohnungsbaus. Zwischen den Pilze züchtenden Termitenkolonien (Macrotermes) und der Pilzart Termitomyces besteht eine Symbiose. Die Pilze wachsen in einem ‚Garten‘ aus zerkautem Gras und Holz, das die Futter suchenden Arbeiter-Termiten beschaffen. Die Pilzsporen keimen und beginnen zu wachsen und verwandeln dann Zellulose in einfache Glukose (und Stickstoff), die für die Insekten leichter verdaulich ist. Gras und Holz werden im Pilzgarten ständig nachgeliefert. Wie bei jeder Symbiose haben beide Seiten ihren Nutzen: die Pilze sind sicher aufgehoben und die Termiten bekommen vorverdaute Nahrung.

Jedes Jahr, wenn kräftige Regenfälle einsetzen — Ende Januar, im Februar oder März — bringt der Pilzgarten mehrere kräftige Stämme hervor, die am Fuß des Termitenhügels durch den harten Lehm dringen und im Freien große Fruchtkörper entwickeln: den Termitenhügel-Pilz Omajova.

Termiten erfüllen durch das Zerkleinern von pflanzlichem Material eine wichtige Funktion im Őkosystem. Außerdem dienen ihre verlassenen Bauten anderen Lebewesen als Unterkunft: Schlangen, Mangusten, Stachelschweine, Erdferkel und Warzenschweine haben eine Vorliebe für Termitenhügel. Andere Tiere nutzen die meterhohen Lehmkuppen als Aussichtsturm.

Der Omajova-Pilz ist wie die Kalahari-Trüffel und die Mopane-Raupe eine kulinarische Spezialität Namibias. In der Regenzeit, wenn öfters dunkle Wolken am Himmel stehen, bieten Omajova-Verkäufer ihre Ware am Straßenrand an oder halten sie hoch, schwenken sie wie eine Flagge, um Autofahrer auf sich aufmerksam zu machen. Häufig sind sie in der Umgebung von Wilhelmstal auf dem Weg nach Karibib anzutreffen oder an der Straße nach Tsumeb. Am besten kauft man einen noch geschlossenen jungen Pilz, frei von Sand und Insekten, wenngleich der fächerartige, milchig-weiße Hut der größeren Pilze von verlockender Schönheit ist.

Ob mit Sahne zubereitet oder gebraten mit Spargel und Kirschtomaten, ob als Omelette, paniert oder mit zarten Scheibchen Lachs umwickelt – der Omajova ist ein köstlicher Leckerbissen, den man der afrikanischen Savanne verdankt und als Festessen in der üppigen Sommerzeit genießt.

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