Namibias Wirtschaft auf den Punkt – April 2017 - Neuigkeiten - Gondwana Collection

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Namibias Wirtschaft auf den Punkt – April 2017

Avatar of inke inke - 03. Mai 2017 - Wirtschaft

Sonnenuntergang bei der neuen Zambezi Mubala Lodge der Gondwana Collection.

Die Regenzeit in Namibia dauerte bis Ende April, das verbesserte den Pegelstand der wichtigsten Staudämme. Einige Gebiete nordwestlich von Omaruru erhielten allerdings wenig Regen. Der Bergbau war ein wichtiger Schwerpunkt in diesem Monat – die jährliche Bergbaukonferenz und damit verbundene Messe fand statt. Das Präsidialamt kündigte die Vorbereitung eines neuen Entwurfs für das New Equitable Economic Empowement Framewrok (NEEEF) an. 

Die internationale Rating-Agentur Fitch hat Namibias nationale Bewertung von AA+ auf AAA angehoben. Der Wirtschaftsausichten wurden als „negativ“ herabgestuft. Diese Bewertung zeigt, dass Namibia von Südafrikas kürzlicher Zurückstufung nicht zu stark betroffen ist. Südafrika ist Namibias größter Handelspartner. Die Notenbank (Bank of Namibia) hat im April die Leitzinsrate unverändert bei 7 Prozent belassen.

Neuer Staatshaushalt verabschiedet 

Namibias Nationalversammlung hat diesen Monat den neuen Staatshaushalt von N$62,5 Milliarden (etwa N$4,5 Mrd Euro) für das neue Haushaltsjahr von April 2017 bis März 2018 verabschiedet. Der Nationalrat, das Haus der Revision, wird sich nun damit befassen. Danach wird Präsident Hage Geingob das neue Haushaltsgesetz unterzeichnen. Während der Vorlegung der einzelnen Etats beklagten Kabinettsminister die starken Kürzungen, die im Rahmen der Sparmaßnahmen eingeführt wurden. Etats für Bildung, Entwicklungsprojekte, öffentliche Betriebe und Infrastruktur wurden gekürzt. Damit will die Regierung für 2017-18 das Haushaltsdefizit von 6,3 auf 3,6 Prozent verringern.

Zur Lage der Nation

Präsident Geingob hat in seiner dritten jährlichen Regierungserklärung seit Amtsantritt im März 2015 betont, dass die Regierung weiterhin gezielt Projekte umsetze, Dienstleistungen verbessere und die Armut verringern wolle. Die Landfrage betreffend sagte das Staatsoberhaupt in seiner Rede am 12. April im Parlament, „alle in Namibia geborenen Personen, egal, welche Rasse oder Farbe, haben das Recht, Grund und Boden legal zu besitzen. Es ist gegen das Gesetz sich, ohne Genehmigung irgendwo niederzulassen. Landbesetzung wird nicht toleriert“, sagte Geingob. 

Bergbau ist das Rückgrat der Wirtschaft

Namibias Bergbau hat 2016 etwa N$17,7 Milliarden (etwa 1,3 Mrd Euros) oder 11,1 Prozent zur Wirtschaftsleistung beigetragen. Diamantenförderung betrug N$10,7 Mrd (etwa 770 Mio Euros), Erze N$4,7 Mrd (etwa 330 Mio Euros) und Uran N$1,47 Mrd (100 Mio Euros).

Bergbau- und Energieminister Obeth Kandjoze hat während eines Treffens mit der Diamantindustrie seine Unzufriedenheit über den Export von 80 Prozent der in Namibia geförderten und auch hier im Land verkauften Rohdiamanten ausgedrückt. „Das muss sich ändern“, forderte der Minister. Die Regierung sieht es lieber, dass diese von der Firma Namibia Diamond Trading Company (NDTC) verkauften Rohdiamanten in Namibia geschliffen und erst dann exportiert werden. „Der Bergbau ist jedoch über NEEEF besorgt, ebenso über zusätzliche Bedingungen bei der Vergabe von Schürfscheinen und Abbaugenehmigungen“, teilte die Bergbaukammer mit. Auch sollte das „neue Investitionsgesetz überarbeitet werden, bevor es in Kraft tritt“, äußerte sich ein Mitglied der Bergbaukammer.

Arbeitsplätze gerettet 

Verhandlungen zwischen Regierung, der Gewerkschaften und dem Skorpion-Zinc-Konzern brachten eine Einigung in letzter Minute: 253 Bergbaukumpel behielten ihre Arbeit, ursprünglich hatten 278 Kumpel die betriebsbedingte Kündigung erhalten. Nach der Einigung wurden ,nur‘ 43 Arbeiter entlassen. Die indische Firma Vedanta, Eigentümer von Skorpion Zinc, hat sogar zusätzlich Zink aus Marokko und der Türkei importiert, um die Produktion der Raffinerie anzukurbeln. Etwa 85,427 Tonnen Zinkbarren wurden 2016 für den Export produziert. Bis 2019 wird ein neues Abbaugebiet vorbereitet. 

Inzwischen hat der internationale Ölgigant Shell angekündigt, vor Namibias Küste erneut nach Öl zu suchen. Probebohrungen sind geplant. Shell hatte vor einigen Jahrzehnten das Kudu-Gasfeld vor Namibias Küste entdeckt, sich aber dann zurückgezogen. 

Mehr erneuerbare Energien

In Namibia wird mehr in erneuerbare Energien investiert. Bei Tsumeb, dem Tor zum Etoscha-Nationalpark, ist ein 6,4 Megawatt (MW) Solarkraftwerk geplant. Eine Tochterfirma des namibischen Ohlthaver & List Konzerns, O&L Solar Energy, erhielt nun den Zuschlag für den Bau. Am Stadtrand von Otjiwarongo liefert ein 5 MW Solarkraftwerk bereits Strom, eine weitere 5 MW Solaranlage entsteht bei Okahandja. Namibias erstes Windkraftwerk wird zurzeit bei Lüderitzbucht gebaut. Interessanterweise sind die Türme für die Windturbinen aus Holz.

NEEEF: der neueste Stand

Namibias Regierung hat voriges Jahr sehr breit gefächerte Anhörungen und Beratungen über NEEEF (New Equitable Economic Empowerment Framework) geführt. Die dabei geäußerten Meinungen und Eingaben sollen in einen revidierten Entwurf einfließen. Das teilte das Präsidialamt  Ende April mit. Im Mai soll ein neuer Gesetzentwurf zusätzlich mit Empfehlungen der Premierministerin vorgelegt werden. Anschließend befasst sich das Kabinett mit NEEEF. „Der zuständige Kabinettsausschuss für Gesetze könnte eventuell noch weitere Beratungen mit Interessensträgern durchführen“, so die Presserklärung des Präsidialamtes. Der Attorney General (Kronanwalt) in der Regierung wird den Entwurf begutachten, bevor er dem Parlament vorgelegt wird. Bergbau- und Energieminister Obeth Kandjoze ergänzte auf der Bergbaukonferenz, dass bis dahin noch etwa 4 bis 6 Monate vergehen werden.

Gesetz soll Mieten regulieren

Im April fand eine erste öffentliche Beratungsrunde zwischen Regierung und  Privatsektor zu dem geplanten Mietkontrollgesetz statt. Der dabei verteilte Gesetzwurf sieht vor, dass Mieten von Wohnimmobilien nur mit 10 Prozent Gewinn – nach Abzug von Ausgaben – berechnet werden können. Verringern sich Hypothekenzinsen, müssen die Mieten dementsprechend angeglichen werden. Sogenannte Miet-Tribunale sollen in allen Regionen Namibias eingerichtet werden. Alle Mietverträge müssen (nach Inkrafttreten des Gesetzes) schriftlich abgeschlossen werden, Kopien müssen an die Tribunale geschickt werden. Wie das zuständige Ministerium (Handel und Industrialisierung) auf Anfrage mitteilte, ist Mietkontrolle für gewerbliche Immobilien nicht mehr vorgesehen, wie es ursprünglich die Absicht war. 

Die Wohnungsnachfrage in Namibia ist groß. Nun werden zwei Privatfirmen im Norden des Landes mehr als 1.000 Häuser bauen. In Ondangwa sind 500 Einfachhäuser für Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen geplant. Des Weiteren sollen 600 Häuser in Rundu gebaut werden, wo Wohnraum besonders knapp ist. 

Altpräsident George Bush in Namibia

Auf seiner 5. Afrikareise steuerte der ehemalige US-Präsident George W. Bush zum ersten Mal Namibia an. Gemeinsam mit Ehefrau Laura besuchte er zwei Tage lang Windhoek und Umgebung. Bush informierte sich vor Ort über das während seiner Amtszeit 2004 initiierte Hilfsprogramm für Aidspatienten in Entwicklungsländern, besonders in Afrika. Es handelt sich um den sogenannten PEPFAR (President`s Emergency Plan for Aids Relief). 

Bush erkundigte sich auch über die Erfolge der N$3 Milliarden (etwa 200 Mio Euros) Unterstützung seitens der US-Regierung. Durch das Millennium Challenge Account (MCA) konnte Namibia während Bushs Amtszeit Projekte in den Bereichen Bildung, Tourismus und Landwirtschaft durchführen. 

Entwicklungen im Tourismus 

Das staatliche Tourismusunternehmen Namibia Wildlife Resorts (NWR) hat seinen Hobas-Campingplatz am Fischfluss Canyon renoviert und etwas vergrößert. Seit dem 1. April bietet Hobas 5 Zimmer für die Übernachtung an, es gibt dort ein kleines Restaurant und die sanitären Anlagen wurden verbessert. Die Gesamtkosten betrugen N$6,5 Millionen. 

Die Touristikfirma Gondwana kündigte an, dass sie die ehemalige Kalizo Lodge am Sambesifluss aufgekauft hat. Zurzeit wird dort renoviert. Unter dem neuen Namen Zambezi Mubala Lodge wird der Betrieb ab dem 17. November wieder geöffnet sein. 

Das Weltwirtschaftsforum hat diesen Monat seinen neuesten Wettbewerbs-Index im Tourismus veröffentlicht. Namibia steht auf Rang 4 unter den zehn besten Tourismuszielen Afrikas, hinter Südafrika, Mauritius und Kenia. Weltweit nimmt Namibia Platz 82 ein, 136 Länder wurden unter die Lupe genommen. Vor einem Jahr hatte Namibia noch Rang 70. 

Brigitte Weidlich

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