Rauschende Gefahr bei blauem Himmel und trockener Landschaft - Neuigkeiten - Gondwana Collection

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Rauschende Gefahr bei blauem Himmel und trockener Landschaft

Avatar of inke inke - 10. Mai 2017 - Wetter, Umwelt

Im letzten Moment konnten die beiden Insassen dieses Geländefahrzeuges durch ein Fenster entkommen, wurden aber von den braunen Wassermassen fortgerissen und konnten sich mitten im Omaruru-Rivier auf einen Dornenbaum retten. Nach sechs Stunden ohne Wasser und in sengender Hitze rettete ein Hubschrauber der namibischen Polizei die beiden Touristen aus der Notlage. Das Fahrzeug war einige hundert Meter abwärts gespült worden. Mit Hilfe eines Polizisten konnten einige Gegenstände geborgen werden.

In diesem Jahr (2017) sind nach guten, teils überdurchschnittlichen Regenfällen in großen Teilen des Landes nach zweijähriger Dürre zahlreiche Riviere (Trockenflüsse) gelaufen. Dies ist für die Wasserversorgung des Landes sehr wichtig. Nicht nur Staudämme werden wieder gefüllt, sondern auch wichtige Grundwasserreserven aufgefüllt. Der Segen von oben ist jedoch einigen Personen zum Verhängnis geworden, vor allem in Gebieten, wo kein Tropfen Wasser vom Himmel fiel und die Landschaft noch unter der Dürre litt.

Ein junges Paar aus Österreich, welches zum ersten Mal zu Besuch in Namibia weilte, musste sechs Stunden in einem mit spitzen Dornen bestückten Anabaum mitten in den braunen Fluten des Omaruru-Riviers ausharren, bevor es mit Hilfe eines Polizeihubschraubers gerettet werden konnte. Ihr Fahrzeug mit all ihren Dokumenten und Ausrüstung wurde von den Wassermassen etliche Meter mitgerissen und auf die Seite geworfen. Das Paar hatte bei der Spitzkoppe in der Erongo-Region kampiert und wollte weiter zum Brandberg. Vor dem laufenden Omaruru-Rivier mussten sie anhalten, da kein Weiterkommen möglich war. Stundenlang beobachteten sie, wie der Wasserspiegel zurückging, beschlossen aber die Nacht abzuwarten und übernachteten am Südufer des Rivier. Am nächsten Morgen war der Pegel stark zurückgegangen. Mit einem deutschen Ehepaar, das am Morgen angekommen war, inspizierten sie die Strecke durch den Omaruru. Die Schotterstraße war noch vorhanden und die braunen Wassermassen liefen sehr flach in dem sehr breiten Rivierbett. Beide Touristenpaare fuhren ihre gemieteten Allradwagen bis auf wenige Meter vor das nördliche Ufer auf eine trockene Stelle, um eine Stelle am steilen sandigen Ufer zu finden, wo sie hinauffahren könnten. 

Derweil sie die letzten Meter erkundeten und Luft aus den Reifen ließen, schrie das deutsche Ehepaar, dass eine Flutwelle komme. Ihre auf der trockenen Stelle stehen Schuhe wurden plötzlich weggeschwemmt. Den Deutschen gelang es, in ihr Fahrzeug zu springen und sich rückwärtsfahrend am südlichen Ufer in Sicherheit zu bringen. Die beiden Österreicher schafften es gerade noch in ihren Mietwagen, konnten aber nicht mehr das rettende Ufer erreichen. Die stetig steigenden Wassermassen umspülten ihren Geländewagen in kürzester Zeit. Die beiden kletterten auf der Beifahrerseite aus dem Fenster in die tosenden Wassermassen und wollten die wenigen Meter sich gegenseitig festhaltend zum rettenden nördlichen Ufer gehen, wurden jedoch vom Wasser mitgerissen. Sie trieben auf eine Sandbank zu, die sich hinter zwei mitten im Rivier stehenden Bäumen gebildet hatte, konnten dort stehen und sich auf einen der Dornenbäume retten.

Die Deutschen, die es ans Ufer geschafft hatten, fuhren zur nächsten etliche Kilometer entfernten Farm, um Hilfe zu holen. Stundenlang saßen die beiden Österreicher ohne Wasser in der sengenden Hitze in dem dornigen Baum. Ab und zu sahen sie Personen am Ufer, die kamen und gingen. Einmal versuchten einige Mutige einen Mann an einem Seil zu den beiden zu schicken, aber das Wasser riss den Retter immer wieder mit sich, so dass dieser von seinen Kumpanen an Land gezogen werden musste. Nach sechs Stunden im Baum tauchte ein aus Windhoek herbeigerufener Hubschrauber der namibischen Polizei auf und konnte die beiden gestrandeten Touristen retten. Sie konnten sich auf die inzwischen erhöhte Sandbank hinter dem Baum soweit von dem Anabaum entfernen, dass der Hubschrauber sie knapp über dem Wasser schwebend in der Mitte des Omaruru aufnehmen konnte. Mit Hilfe eines Polizisten gelangten sie auf ihr halb im Wasser liegendes Fahrzeug, um einige wenige Wertsachen zu bergen.

Die Touristen hatten sehr viel Glück, denn in dieser Regensaison sind zahlreiche Fahrzeuge von Wassermassen erfasst und weggerissen worden. Glücklicherweise sind keine Touristen zu Tode gekommen, aber zahlreiche Einheimische sind in diesem Jahr in laufenden Rivieren ertrunken.

Auch wenn es in der Gegend nicht regnet, blauer Himmel und Hitze vorherrschen, muss man in Namibias Regensaison von Oktober bis Ende März/Anfang April immer auf der Hut sein. Es kann hunderte Kilometer weiter östlich im Inland stark geregnet haben, und plötzlich kommen die meist nach Westen führenden Riviere ab. Die braunen Wassermassen reißen alles mit sich, was sich ihnen in den Weg stellt. Laufende Riviere sollten nicht durchquert werden ohne sich vorher zu vergewissern, wie tief das Wasser ist, ob sich Hindernisse wie große Steine oder Löcher auf der vorhergesehenen Route befinden und ob der Untergrund fest genug ist. Es ist wichtig, sich in der Regenzeit nach dem Zustand des Weges zu erkundigen und lieber vor laufende Rivieren zu warten, bis diese abgelaufen sind oder Ortskundige diese sicher durchqueren. Die rauschende Gefahr bei blauem Himmel, strahlendem Sonnenschein und trockener Landschaft ist nicht zu unterschätzen.

Dirk Heinrich

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