Shebeen - Bar auf Afrikanisch - Neuigkeiten - Gondwana Collection

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Shebeen - Bar auf Afrikanisch

Avatar of inke inke - 09. Juni 2017 - Entdecken Sie Namibia

Shebeen im Etosha Safari Camp. Foto: Gondwana Collection

Gondwanas Etosha Safari Camp ist ein Hauch von Luxus mit einem gehörigen Schuss afrikanischer Lebensfreude. Da steckt das Wort "Safari" in seinem Namen, denn das Andersson Gate, Tor zum Etosha Nationalpark, liegt praktisch um die Ecke. Wenn Sie von Ihrem Ausflug in den Park zurückkehren, ist der Tag noch lange nicht vorbei. Da wartet der Pool auf Sie und an der Bar im Township-Stil die Fortsetzung der Erfrischung - von innen. Restaurant und Bar sind im Stil einer Shebeen gestaltet.

Die Wurzeln der Shebeen liegen im 18. Jahrhundert in Irland und Schottland. Vermutlich vom irisch-gälischen Wort seibin ('kleiner Becher' oder auch 'schlechtes Bier') abstammend, bezeichnete Shebeen eine kleine Bar, in der Alkohol ohne Lizenz verkauft und getrunken wurde. Oft war es selbst gebrautes Bier oder destillierter Whiskey. Im 20. Jahrhundert entstanden die ersten Shebeens in Südafrika und gelangten von dort aus nach Namibia.

Alkohol gab es im südlichen Afrika schon früher. Im 19. Jahrhundert galt er als eines der wichtigsten Handelsgüter. Die Kolonialmächte sahen im Verkauf von Alkohol an Afrikaner jedoch ein ernstes Problem, wie auf der Brüsseler Konferenz 1890 deutlich wurde. Allerdings ließ sich der Handel kaum unterbinden. Außerdem konnten die afrikanischen Völker selbst alkoholische Getränke herstellen. Im Norden Namibias waren Bier aus traditionellem Getreide und Alkohol aus Zuckerrrohr weit verbreitet - während der deutschen Kolonialzeit (1884 - 1915) und der Herrschaft der Südafrikaner (ab 1915 Besetzung, ab 1920 Verwaltung mit Mandat vom Völkerbund). Große Mengen kamen aus Angola, wo mit Duldung der portugiesischen Kolonialmacht selbst gebraut und destilliert wurde.

In Südafrika zog das traditionelle Bier mit der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts in die Städte. 1908 begann man damit, das Brauen und den Ausschank von Bier schärfer zu kontrollieren. Stadtverwaltungen konnten Brauereien und 'Bierhallen' betreiben und Heimbrauereien verbieten. Doch dieses Modell war umstritten. Die Bierhallen führten viele Männer in Versuchung, das Haushaltsgeld zu vertrinken; das Verbot des Selbstbrauens nahm Afrikanern - oft Frauen - einen Neben- oder gar Haupterwerb. In Bierhallen-Boykotts und Protestmärschen von Frauen und Kindern zeigte sich der erste organisierte Widerstand gegen die Rassentrennung.

Einige Städte entschieden sich gegen das Bierhallen-Monopol, andere scheiterten an der Durchsetzung. 1926 wurde 'Schwarzen' der Zutritt zu 'weißen' Bars untersagt. Die Zahl der Shebeens nahm zu. Neben günstigem Alkohol gab es einfache Speisen. Hinzu kam Musik, auch von Live-Bands, und Tanz. Bar und Gastraum wurden mit vielerlei wiederverwerteten Gegenständen ausgestattet, oft in witziger, neuer Funktion oder als humorvolle Dekoration. Viele Shebeens schillerten in vielen Farben, weil oft Restposten an Farben verwendet wurden.

So wurde das Wohnhaus zum kulturellen Treffpunkt, die Shebeen zur eigenständigen afrikanischen Variante der europäischen Bar. In ihr zeigten sich Identität und Stolz, ja sogar Trotz der 'Schwarzen' gegenüber den 'Weißen': Manche Shebeen wurde von der Polizei durchsucht und geschlossen, weil sie als Treffpunkt von Apartheidgegnern galt.

Das Mandat Südafrikas zur Verwaltung der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika ebnete der Shebeen den Weg nach Namibia. Erst drang sie in die Townships der Städte im Süden und Zentrum des Landes vor. Im bevölkerungsreichen Norden dagegen gab es bereits die Cuca Shops, benannt nach der größten Bierbrauerei Angolas. Neben dem beliebten 'Cuca' verkauften sie selbst gebrautes Bier sowie viele Artikel des täglichen Bedarfs. Betreiber waren ebenfalls oft Frauen, deren Männer in den Bergwerken oder Städten arbeiteten. Mit der Zeit jedoch verdrängte die Shebeen den Cuca Shop. Auch hier diente die Bar als politische Plattform - noch heute an Agitations- und Wahlkampfplakaten ablesbar, die an den Wänden kleben.

1969 wurde auf Empfehlung der Odendaal Kommission (zuständig für die Einführung der Homeland-Politik in Namibia) das Alkoholverbot für 'Schwarze' gelockert; registrierte Personen konnten nun eine Schanklizenz erwerben. So entstanden im Norden und in den Townships der Städte im Zentrum und Süden Namibias legale Bars; zugleich stieg auch die Zahl der illegalen Shebeens. 1998, acht Jahre nach der Unabhängigkeit Namibias, trat ein neues Gesetz in Kraft, mit dem Registrierungen erleichtert, aber zugleich Auflagen eingeführt wurden - etwa zur Hygiene. Heute (2011) gibt es allein in Katutura/Windhoek 350 registrierte und ein Vielfaches an illegalen Shebeens. Und es gibt einen Verband der Shebeen-Betreiber (Namibia Shebeen Association), dessen Akronym ähnlich humorvoll klingt wie mancher Shebeen-Name: NASA.

Nach der Unabhängigkeit Namibias 1990 stiegen viele 'Schwarze' in die Ober- und Mittelschicht auf und zogen in die teureren 'weißen' Vororte. Einige Shebeens wandelten sich zu eleganten Bars nach 'weißem' Vorbild, andere zu Spelunken der Armen. Charakteristisch sind die starken Gitter zwischen Bar und Gastraum, die Diebstählen vorbeugen und das Personal vor Übergriffen betrunkener und gewalttätiger Gäste schützen. Dennoch sind viele Shebeens noch immer sozialer und kultureller Treffpunkt: Hier hört man die neuesten Songs namibischer Musiker und hier erfährt man Neuigkeiten aus der Nachbarschaft - oder aus der Heimat. In Katutura gibt es manche Shebeen, in der sich hauptsächlich Leute treffen, die aus demselben Ort im Norden des Landes stammen.

Restaurant und Bar im Etosha Safari Camp südlich von Okaukuejo sind mit viel Liebe zum Detail im Stile einer Shebeen gestaltet. Straßenmusiker sorgen für Live-Musik und Tanz. Gäste können dort afrikanische Kreativität und Lebensfreude erleben. Zugleich wird die Erinnerung an die Institution der Shebeen vor der Unabhängigkeit bewahrt, die es in dieser Form heute kaum noch gibt.

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