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Selten gesehen: die effektiven und bedrohten Jäger

Avatar of inke inke - 26. Juni 2017 - Umwelt

In wenigen Minuten reißen die Wilden Hunde den Springbock auseinander und fressen ihn auf, bis auf den Kopf des Tieres.

Es regnet rund um die Naye-Naye Pfanne im ehemaligen Buschmannland, dem heutigen Naye-Naye kommunalen Hegegebiet in der Otjozondjupa-Region im Nordosten Namibias, Ende Januar dieses Jahres (2017). Die Pfanne ist über die Ufer hinaus mit Wasser gefüllt. Die Grasflächen westlich der Pfanne sind grün, und die dahinter liegende Buschsavanne ist ein gutes Versteck für Jäger und Gejagte. Einige Springböcke weiden an besagtem Spätnachmittag auf der offenen Grasfläche. Etwa einen Kilometer weiter südlich steht eine Herde Streifengnus mit ihren Kälbern und äugt neugierig zu uns herüber. Ich hole meine Kamera mit Teleobjektiv aus dem Auto und fotografiere die Gnus. Plötzlich ruft Holger aufgeregt, ich solle schnell mit der Kamera kommen. Ich traue meinen Augen nicht: Knapp 100 Meter neben uns verfolgen drei Wilde Hunde einen jungen Springbock!

In all den Jahren habe ich im Buschmannland noch nie einen Wilden Hund entdeckt. Immer wieder hört man von verschiedenen Personen, dass sie die bunt gefleckten hundeartigen Raubtiere gesehen haben. Aber weder Holger noch ich hatten vor dieser Reise jemals das Glück, diese faszinierenden Tiere freilebend in Namibia zu erleben. Den ersten Wilden Hund in freier Wildbahn hatten wir vor knapp drei Tagen auf der Flutfläche am Kwando entdeckt und für kurze Zeit beobachten können. Wir fuhren gerade bei Kongola über den Kwando in Richtung Bwabwata Nationalpark, als ich zufällig das einzelne Tier in einiger Entfernung entdeckte. Selbst mit einem 400 mm Teleobjektiv konnte man das Raubtier nicht nah genug heranholen und fotografieren, aber immerhin hatten wir unseren ersten Wilden Hund in freier Wildbahn in Namibia gesehen – kein ausgesetztes Tier.

Ich drücke immer wieder auf den Auslöser, als der erste Wilde Hund, auch Hyänenhund genannt, vorbeirennt. Der zweite folgt und schließlich stürmt auch das dritte Tier an uns vorbei. Holger springt auf die Ladefläche seines Fahrzeuges und entdeckt die Tiere wenige Meter weiter in den Büschen, wo sie schwanzwedelnd stehen. Ich springe in Hartmuts Geländewagen und wir zwei fahren so schnell es die Grasfläche erlaubt zu den Wilden Hunden. Als wir knapp zwanzig Meter von den Tieren entfernt anhalten, lassen sie sich durch unsere Anwesenheit nicht stören. Von dem jungen Springbock sind fast nur noch Knochen, Fell und der Kopf übrig. Binnen Minuten haben die drei Jäger das Tier getötet, auseinandergerissen und aufgefressen.

Die Szene, die sich vor unseren Objektiven abspielt, ist fast unwirklich. Wir können unser Glück kaum fassen. Uns stören nicht einmal die unzähligen Moskitos, die plötzlich über uns herfallen. Nach knapp einer Viertelstunde ist alles vorbei. Einer der Wilden Hunde kommt auf uns zugelaufen, die Nase am Boden und sucht im grünen nassen Gras nach letzten Resten des Springbocks.

Wilde Hunde sind im südlichen Afrika eine von drei Säugetierarten, die auf der Roten Liste stehen und vom Aussterben bedroht sind. In Namibia sind sie inzwischen eine geschützte Wildart, aber dies war vor wenigen Jahrzehnten noch nicht der Fall. Da waren sie noch als Problemtiere proklamiert und wurden gnadenlos verfolgt und getötet. Um 1900 wurden die gefleckten, in Rudeln lebenden Jäger sogar am Rössingberg bei Swakopmund beobachtet. Sehr schnell wurden sie jedoch auf den kommerziellen Farmen des Landes ausgerottet – ein Schicksal, das Löwe und Tüpfelhyäne mit ihnen teilen. Heute sind sie nur noch im Nordosten des Landes in Nationalparks und den angrenzenden Kommunalgebieten zu finden.

Wilde Hunde werden leider von vielen Menschen als brutale Mörder angesehen. Weil sie ihre Beutetiere hetzen, fangen und auseinanderreißen, sind sie erfolgreichere Jäger als beispielsweise der Löwe. Sie töten ihre Beute auch viel schneller als z. B. Löwe oder Leopard. Forscher haben herausgefunden, dass Wilde Hunde ihr Beutetier binnen vier Minuten töten, derweil Löwen durchschnittlich zehn Minuten brauchen, um ein Tier mit einem Biss an die Kehle zu ersticken.

Dem Ministerium für Umwelt und Tourismus zufolge kommen die sehr mobilen Raubtiere im Mangetti Nationalpark und auf der staatlichen kommerziellen Mangetti-Rinderversuchsfarm vor sowie gelegentlich auf den angrenzenden kommunalen und kommerziellen Farmen, im Khaudom- und Bwabwata-Nationalpark und in den angrenzenden Kommunalgebieten. Dem Umweltministerium ist dem Pressesprecher Romeo Muyunda zufolge nicht bekannt, wie viele Wilde Hunde es in Namibia gibt. Ab und zu würden einige der Raubtiere in der Otjozondjupa-Region bei Okakarara und auch in der Omaheke-Region gesichtet. Es gebe keine Statistik, wie viele der Wilden Hunde von Farmern getötet werden. Die Naturschutzbehörde vermutet jedoch, dass mehr Wilde Hunde auf den Fernstraßen wie dem Caprivi Highway (B8) von Fahrzeugen erfasst und getötet werden als von Farmern.

Wilde Hunde sind nicht auf irgendeiner Quote für Trophäenjagd aufgeführt, da die Tiere „lebend viel zu wertvoll für den Tourismus sind“. Dem Ministerium zufolge werden einige Forschungsprojekte auf diese Tierart durchgeführt.

Dirk Heinrich

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