Namibias Wirtschaft auf den Punkt – Juli 2017 - Neuigkeiten - Gondwana Collection

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Namibias Wirtschaft auf den Punkt – Juli 2017

Avatar of inke inke - 02. August 2017 - Wirtschaft

Namibias Wirtschaft weist nach dem Tief von 2016 erste Anzeichen der Erholung auf. Gute Regenfälle füllten die Staudämme in der Landesmitte: Windhoek kann bis 2020 mit Wasser versorgt werden. Das teilte der für Wasserfragen zuständige Kabinettsausschuss mit. Die landwirtschaftliche Produktion hat sich verbessert, Lebendvieh erzielt gute Preise.

Positive Aussichten

Präsident Hage Geingob teilte Ende Juli auf einer Presskonferenz mit, dass Namibias Wirtschaft nach einer Talfahrt im Aufwärtstrend sei. „Wir glauben, dass die Wirtschaft die Talsohle hinter sich gelassen hat und sich auf konjunkturellem Erholungskurs befindet“, sagte Geingob.

Namibias Wirtschaftswachstum soll laut Projektionen der hiesigen Zentralbank in diesem Jahr 1,2 Prozent betragen. Die Bank of Namibia (BoN) sieht mit 3,7 Prozent Wachstum für 2018 eine noch bessere Konjunktur voraus. Die Inflation sank im Juni auf 6,1 Prozent, im Mai waren es noch 6,3%. Benzin und Diesel wurden um je 50 Cent (etwa 5%) billiger. Ein Liter Benzin kostet in Windhoek jetzt N$10,82 (0,71 Euro). 

Namibias Diamantförderung der ersten sechs Monate 2017 ist besser ausgefallen als 2016: von Januar bis Juni 2017 wurden 863.000 Karat gefördert, 123.000 Karat (oder 16,6%) mehr als im gleichen Zeitraum 2016. Von den insgesamt 863.000 Karat wurden 697.000 ct im Atlantik vor der Küste gefördert, 166.000 ct an Land. 

Abschied von der Winterzeit

Die Winterzeit in Namibia könnte nach knapp zwanzig Jahren ab 2018 Vergangenheit sein. Eine dementsprechende Gesetzänderung scheiterte im März im Parlament. Danach reiste ein parlamentarischer Ausschuss durch alle 14 Regionen und befragte die Öffentlichkeit. Die überwältigende Mehrheit sprach sich während der Anhörungen für die Abschaffung der Winterzeit aus. Es wird eine einheitliche Sommerzeit gewünscht. Es wird erwartet, dass bei einer erneuten Vorlegung im September das Parlament die Gesetzänderung verabschieden wird.

Investitionen und Handel 

Die namibische Firmengruppe Ohlthaver & List erweitert ihr Wernhil Einkaufszentrum in der Windhoeker Innenstadt. Etwa N$500 Millionen (33 Millionen Euro) sollen in Phase IV investiert werden. Rund 1.100 Menschen arbeiten an dem Ausbau. Dank der erweiterten Ladenflächen sollen dann anschließend 700 Menschen Arbeit finden.

Die University of Namibia (UNAM) plant in Arandis bei Swakopmund die Gründung eines Ausbildungs- und Forschungszentrums für Bergbau und Metallurgie. Auf dem UNAM-Kampus in Henties Bay soll ein Zentrum für Seefahrt und Maritime Studien entstehen. Das Seefahrtszentrum soll später in der Hafenstadt Walvis Bay angesiedelt werden.

Das hiesige Mobilfunkunternehmen MTC plant bis 2019 Investitionen von N$4 Milliarden (261 Millionen Euro), um den 3G- und 4G-Netzwerkanschluß bis in die entlegensten Gebiete Namibias zu ermöglichen. Dies geschieht unter dem Slogan „081-every1“.

Lord Price besucht Namibia

Der britische Handelsminister Lord Price besuchte diesen Monat für einen Tag Namibia. Lord Price versicherte der namibischen Regierung, dass auch nach dem Brexit die Handelsbeziehungen zu Namibia größtenteils unverändert bleiben. Ab April 2019 werde London ein eigenes Handelsabkommen mit Namibia verhandeln, sagte Price. Das neue Abkommen werde keine schlechteren Bedingungen als das bisherige EU-Abkommen bringen, versicherte die britische Delegation. Namibia exportiert unter anderem Tafeltrauben, Fleisch und Bier nach Großbritannien.

Namibias Statistikbehörde hat diesen Monat eine mobile „App“ (Applikation) entwickelt. Alle Statistiken, beispielsweise über Bevölkerungszahlen, Bildung, die 14 Regionen und die Arbeitslosenrate, können benutzerfreundlich eingesehen und heruntergeladen werden. Die NSA-App ist auf den Portalen Google Play und App Store zu finden. 

Die Windhoeker Stadtverwaltung hat für die kommenden fünf Jahre einen Masterplan entwickelt. Bis 2022 sind mehr Bürgernähe, bessere Dienstleistungen und Nahverkehrsmöglichkeiten geplant. Demnächst soll eine „My City“ App eingeführt werden. Auch kostenfreie WLAN-Hotspots sollen eingerichtet werden.

Finanzielle Entwicklungen 

Das Obergericht hat auf Antrag der namibischen Zentralbank die staatliche SME-Bank schließen lassen und zwei Konkursverwalter eingestellt. Bis 15. September agieren die Konkursverwalter, dann wird das Gerichtsverfahren fortgeführt. Etwa N$200 Millionen (13 Millionen Euro) sind durch dubiose Anlagen im Ausland verschwunden, seit die Bank vor drei Jahren ihre Türen öffnete.

Angola

Der Präsident der angolanischen Zentralbank, Valter-Filipe da Silva, hat Namibia besucht. Da Silva versicherte Präsident Hage Geingob bei einer Audienz, dass die Bank ihre US$200 Millionen Schulden zurückzahlen wird. Die Rückzahlung soll bis Mitte 2018 in vier Tranchen erfolgen. Beide Banken hatten sich 2015 auf einen Währungstausch geeinigt. Angolanische Staatsbürger konnten im namibischen Grenzort Oshikango ihre Kwanza-Währung in Namibia Dollar umtauschen. Angolas Zentralbank kaufte die Kwanza mit US-Dollar zurück. Allerdings hatten die Angolaner viel mehr Kwanzas in Namibia Dollar umgetauscht als erwartet. Angolas Zentralbank konnte die Rückkäufe nicht mehr bewältigen. Außerdem setzen sinkende Rohölpreise und eine schwächelnde Weltwirtschaftslage Angolas Wirtschaft zu – es fehlt an Devisen. 

Lokale Sorgen

Namibias Finanzminister Calle Schlettwein kündigte indessen an, dass die Regierung ihre Zahlungsschulden für ausgeführte Aufträge zum großen Teil beglichen habe. Es seien aber noch weitere unbezahlte Rechnungen „zwischen zwei und zweieinhalb Milliarden Namibia Dollar“ (etwa 180 Millionen Euro) entdeckt wurden. Diese Schulden sollen bis Ende August beglichen werden. 

Tourismus und Umwelt

Die Lufthansa-Tochter Eurowings ist im Juli zum ersten Mal in Namibia gelandet. Eurowings fliegt nun zweimal die Woche vom Flughafen Köln-Bonn nach Windhoek.

Präsident Hage Geingob hat das neue Gebäude des Namibia Tourism Board (NTB) eingeweiht. Der NTB handhabt Namibias Vermarktung als Tourismusziel und registriert Tourismus- und Gaststättenbetriebe. Sie müssen eine Tourismusgebühr an den NTB entrichten. Präsident Geingob kritisierte die mangelnde Dienstleistung in Namibia. „Es beginnt am Flughafen, Touristen sollen spüren dass sie hier willkommen sind, wir brauchen Hospitalität (Gastfreundschaft) und nicht Hostilität (Feindseligkeit)“, warnte er durch ein Wortspiel [„We need hospitality, not hostility“].

Angeln wird teurer

Hobby-Angeln an der Küste ist teurer geworden. Angelscheine kosten jetzt N$1.500 (etwa 100 Euros pro Monat, statt wie bisher N$14 (1 Euro). Touristikunternehmen, die Angelfahrten an der Küste anbieten, fürchten um ihr Geschäft. Nachdem nach dieser Ankündigung einige Tage Verwirrung herrschte, erklärte das Fischereiministerium, dass Angelscheine auch tage- oder wochenweise zu N$50 (etwa 3 Euro) pro Tag erworben werden können.

Shiloh, die elfjährige Tochter der berühmten US-Schauspieler Angelina Jolie und Brad Pitt, besuchte mit ihrer Mutter Namibia. Shiloh weihte das nach ihr benannte Shiloh-Naturreservat auf dem privaten Naankuse-Schutzgebiet für wilde Tiere ein. Shiloh Jolie-Pitt wurde 2006 in Swakopmund geboren. 

Die Natur schonen

Die Lodgegruppe Gondwana Collection gibt ihren Gästen als erster Anbieter in Namibia die Möglichkeit, auf der Kalahari Anib Lodge im Süden des Landes die Umgebung mit elektrischen Fahrrädern zu erkunden. Die Batterien der „E-Bikes“ werden an der Steckdose geladen, Touristen brauchen nur leicht in die Pedalen zu treten. Dicke Reifen sorgen für pannenlose Fahrt auf festgelegten Routen. Gondwana Collection bleibt bei einem weiteren Projekt seinen ökologischen Prinzipien treu. Mit umweltfreundlichen Materialien wird im Gondwana Namib Park nahe der Namib Desert Lodge eine neue 56-Betten-Lodge gebaut. Der Strom kommt von der Sonne.  

Der Cheetah Conservation Fund (CCF) hat eine neue Lodge mit fünf Zimmern in seinem Wildschutzgebiet bei Otjiwarongo eröffnet. Die Lodge ermöglicht noch bessere Beobachtungsmöglichkeiten der Geparden.

Das Umwelt- und Tourismusministerium erstellt eine nationale Strategie zur Müllentsorgung und für Müllrecycling. Die Umsetzung soll im Januar 2018 beginnen. Ferner erhielt das Ministerium diesen Monat eine Spende von N$23 Millionen (etwa 1,5 Mio. Euro) von der US-Regierung. Damit soll Namibias Nashorn- und Elefantenschutz verstärkt werden. 

Naturschutz

Der französische Bildhauer Gé Pellini hat diesen Monat damit begonnen, aus namibischem Marmor ein Nashorn zu meißeln. Wer Lust und Zeit hat, kann die Fortschritte täglich im Hof des franko-namibischen Kulturzentrums mit verfolgen. Die fast lebensgroße Skulptur soll im August während eines Galadinners meistbietend versteigert werden. Der Erlös wird den Behörden für ihren Kampf gegen Wilderei gespendet. 

Das nationale Stromversorgungsunternehmen NamPower hat seine Stromleitungen an der Küste bei Walvis Bay für Seevögel gesichert. Die Leitungen wurden mit horizontalen und runden Plastikobjekten in dunkler Farbe versehen. Seevögel wie Flamingos und  Pelikane können die Stromleitungen jetzt schon aus größerer Entfernung erkennen und fliegen nicht mehr in die Leitungen. 

Treffen zu Landfrage

Im Juli führte das Ministerium für Landreform in allen 14 Regionen Versammlungen als Vorbereitung für die nationale Landkonferenz durch, die für September geplant ist. Die Mafwe-Gemeinschaft in der Sambesi-Region fordert, dass Personen  in den Regionen angesiedelt werden, wo sie sesshaft sind, nicht in anderen Regionen. Die Einwohner in den Regionen Hardap und Karas stellen ähnliche Forderungen.

Brigitte Weidlich

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