Oranjerivier – Namensgebung durch einen bedeutenden Entdecker - Neuigkeiten - Gondwana Collection

Neuigkeiten

Aktuelle Meldungen

Oranjerivier – Namensgebung durch einen bedeutenden Entdecker

Avatar of inke inke - 18. August 2017 - Entdecken Sie Namibia

Die Fähre bei Sendelingsdrift bringt Reisende trockenen Fußes über den Oranje. Foto: Nicolette Jacobie

Der Große Fluss, Gariep, Oranje... Die Umbenennungen dieses längsten Flusses im südlichen Afrika (2160 km) zeugen von einer wechselvollen Geschichte. Von seiner Quelle in den Drakensbergen in Lesotho zieht er sich als lebensspendende Ader zunächst durch Südafrika und dann als Grenzfluss zwischen Namibia und Südafrika bis hin zum Atlantik.

Der vermutlich erste Europäer, der den Oranje 1760 überquerte, Jakobus Coetsé Jansz, nannte ihn ehrfürchtig den Großen Fluss (Grootrivier). In der Namasprache hieß er Gariep. Ende des 18. Jahrhundert gab der niederländische Entdecker Robert Jacob Gordon ihm den Namen Oranje. Und das kam so... 

Gordon hatte zwar schottisches Blut in den Adern, war aber in den Niederlanden geboren und dem Königshaus von Oranien treu ergeben. Schon früh trat er als Kadett in den niederländischen Militärdienst ein und nahm 1759 im Alter von 17 Jahren an der Universität von Harderwijk ein Studium der Geisteswissenschaften auf. Schnell stellte sich heraus, dass Gordon vielseitig interessiert und höchst intelligent war. Er diente wie sein Vater in den schottischen Brigaden der Niederlande, doch das Garnisonsleben langweilte ihn. Er war ein Mann mit großer physischer und intellektueller Energie und unstillbarem Wissendurst. 

1773 reiste er während eines Urlaubs in die niederländische Kapkolonie. Von dort aus zog er nach Norden, um das Inland kennenzulernen. Unter anderem fing er dort Springböcke, die er Prinz Wilhelm V. von Oranien für dessen Menagerie schenkte. Angeblich soll er bei diesem Besuch die Sprache der Nama erlernt haben. Nach seiner Rückkehr in die Niederlande fand er keine Ruhe. Das Kap faszinierte ihn, er wollte Afrika erkunden. Gordon bewarb sich bei der Niederländischen Ostindien-Kompanie um den Hauptmannsposten in der Kapgarnison und traf im Juni 1777 im Alter von 34 Jahren dort ein.

Er war ein gebildeter Mann, ein studierter Geisteswissenschaftler, Naturalist, Kartograph, Meteorologe, Musiker und begabter Künstler. Neben Holländisch, Englisch und Französisch sprach er Gälisch und Nama. Später sollte Xhosa dazu kommen. Als Gefährte war er angenehm, gesellig und unterhaltsam.  

Gordon gab schon bald seinem Erkundungsdrang nach. Im Oktober 1777 machte er sich auf den Weg nach Norden. Eines seiner Ziele war unzweifelhaft, den Oberlauf des Großen Flusses (Gariep) zu erkunden, der im unteren Verlauf bereits erstmals von einem Europäer überquert worden war. Er hielt sich also weiter östlich und stieß am 23. Dezember 1777 südlich von Bethulie auf einen breiten Fluss. Seine Reisegruppe zog flussaufwärts am südlichen Ufer entlang, bis sie an einen Zufluss aus dem Norden, später Caledon Rivier, gelangte. Sie konnten den Fluss nicht überqueren, da er zu viel Wasser führte.  

Hier bewies Gordon seine Treue zum Haus von Oranien, die für seine Karriere von großer Bedeutung war. Am Ende sollte sie ihm seine Ehre und sein Leben kosten. Dem Hauptstrom nach dem Zusammenfluss der beiden Flüsse gab er den Namen Oranje, nach dem niederländischen Königshaus von Oranien. Den oberen Teil des Großen Flusses nannte er ‚Prins Willem de V Rivier‘ nach Prinz Wilhelm V. von Oranien, und den Zufluss (später Caledon) nach dessen Gemahlin, Prinzessin Wilhelmine. Diese Namensgebung behielt Gordon jedoch zunächst für sich. Er war sich nicht sicher, ob er wirklich den Oberlauf des Gariep, des Großen Flusses, gefunden hatte. Das wollte er mit seiner nächsten Expedition herausfinden. Neben dem Oberlauf des Großen Flusses hatte Gordons Reisegruppe eine weitere Entdeckung zu verzeichnen. Sie fanden am Sneeuberg die ersten San-Zeichnungen.

Zwischen seinen beiden Erkundungsreisen begleitete Gordon Kapgouverneur Joachim van Plettenberg in den Nordosten der Kolonie. Dort stellte der Kapgouverneur im Oktober 1778 am Zeekoe Fluss einen Grenzpfeiler auf, um die nördliche Grenze des Kaps festzulegen. Vermutlich wußte er nicht, dass er nur 45 Kilometer weiter nördlich auf den Gariep stoßen würde, der eine natürliche Grenze bildete. Doch Gordon wußte es, behielt dieses Wissen aber für sich. Er befürchtete offenbar, dass der Gouverneur den Gariep nach sich selbst benennen würde. Dann würde die Ehre nicht mehr dem Königshaus von Oranien zukommen. Gordon hatte mit seiner Vermutung wahrscheinlich recht, denn der Gouverneur gab dem Zeekoe Rivier den Namen Van Plettenberg Rivier, der jedoch nicht lange gebräuchlich war.   

Im Jahr 1779 brach Gordon auf, um die Mündung des Gariep in den Atlantik zu finden. In Kamiesberg im Nordkap traf er den Schweden Hendrik Jacob Wikar, der gerade von zwei Reisen am Gariep entlang ans Kap zurückkehrte. Wikar hatte den Gariep von Goodhouse aus flussaufwärts bis etwa 80 Kilometer vor das heutige Prieska bereist. Die beiden Männer tauschten wertvolle Informationen aus. Dann zog Gordon weiter nach Westen an die Atlantikküste und danach nordwärts. Am Strand in der Umgebung des heutigen Port Nolloth entdeckte er versteinerte Muschelschalen und machte damit die ersten Fossilienfunde Südafrikas. Eine andere – noch größere Entdeckung – entging ihm damals jedoch. Er übersah zwischen Sand und Steinen die Diamanten, die seinen verehrten Prinzen Wilhelm V. von Oranien zu ungeheurem Reichtum verholfen hätte. 

Gordons Abordnung erreichte am 17. August 1779 die Mündung des Gariep. Am Abend ließ seine Reisegruppe ein Boot zu Wasser, hisste die holländische Fahne und trank auf das Wohl der Niederlande, des Prinzen von Oranien und der Niederländischen Ostindien-Kompanie. Danach gab Gordon dem Fluss den Namen Oranje Rivier. Gordon war sich nach dem Treffen mit Wikar ziemlich sicher, dass es sich um denselben Fluss handelte, dessen Oberlauf er im Dezember 1777 erkundet hatte. Seine Hoffnung, dass der Oranje schiffbar sei, wurde jedoch enttäuscht. Nicht einmal ein kleines Boot konnte vom Meer aus in die Flussmündung einfahren. 

Gordons Reisegruppe kehrte nach Kamiesberg zurück, wo sie sich aufteilte. Ein Teil der Gruppe trat den Heimweg an. Gordon selbst zog auf den Spuren von Wikar den Oranje flussaufwärts. Er wollte sich noch einmal vergewissern, ob er wirklich die 'richtige' Flussmündung gefunden hatte. Auf dieser Forschungsreise fertigte Gordon eine bemerkenswert akkurate Landkarte von dem Gebiet an. 

Robert Jacob Gordon wurde 1780 zum Kommandeur der Kapgarnison befördert. Er unternahm weitere wertvolle Entdeckungsreisen nach Norden. 1795 starteten die Briten einen weiteren (dieses Mal erfolgreichen) Versuch, die Kapkolonie unter ihre Herrschaft zu bringen. Prinz Wilhelm V. von Oranien war inzwischen als niederländischer Statthalter abgesetzt worden und nach England geflüchtet. Der Admiral der angreifenden britischen Flotte überbrachte einen Brief des Prinzen. Dieser forderte die Kapverwaltung auf, das Fort und die Häfen der niederländischen Streitkräfte den englischen Truppen zu übergeben. Gordon fühlte sich in seiner Loyalität hin- und hergerissen; er konnte keinen effektiven Widerstand gegen die englischen Besatzer organisieren. Seine Männer beschuldigten ihn des Verrats. Gordon beging Selbstmord. So starb eine bemerkenswerte Persönlichkeit der südafrikanischen Geschichte.

Inke Stoldt

Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.

0 Kommentare

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit 'Gondwana Tracks' Abonnieren