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Zahnärzte ohne Grenzen helfen Namibiern in ländlichen Gebieten

Avatar of inke inke - 29. August 2017 - Entdecken Sie Namibia

Dr. Stefan Bader (links) und die Zahnmedizinischen Fachangestellten Deborah Fiolka (rechts) bei der Behandlung in Tsumkwe. Es musste viel improvisiert werden, aber die vielen Patienten, die dringend Hilfe brauchten, ließen oft das Umfeld vergessen.

Ankunft am 22. Juli und Abflug am 5. August dieses Jahres. Erstes Basislager in Grootfontein. Behandlung von Patienten in Otjituuo, etwa 60 km Schotterstraße von Grootfontein, in Otavi, einem 94 km entfernten kleinen Ort und Kombat, 51 km westlich von Grootfontein sowie an der Maria Bronn Schule 10 km nordwestlich von Grootfontein. Es folgt ein Wochenende im 200 km entfernten Etosha-Nationalpark. Danach besuchen die Zahnärzte das ehemalige Buschmannland in der Umgebung von Tsumkwe, das 279 km östlich von Grootfontein mitten im Kommunalgebiet liegt. Von dort aus geht es weiter zu Patienten in Gam (100 km Schotterstraße) und Mangetti sowie noch einmal nach Tsumkwe selbst. Auf dem Rückweg schauen die Zahnärzte bei Omatako und Kalahari New Hope vorbei. Am Freitag, den 4. August, geben sie alle Instrumente in Grootfontein ab und fahren mit dem Mietwagen zurück nach Windhoek. 

446 Patienten untersucht und/oder behandelt, 223 Zähne gezogen, 85 Füllungen, 67 mal Zahnstein entfernt und 12 sonstige Behandlungen in den wenigen Tagen. Dr. Stefan Bader (44) aus Bonn und seine Schwester Dr. Heike Berger (46) aus Forchheim bei Nürnberg haben ein straffes Programm zusammen mit den beiden Zahnmedizinischen Fachangestellten Jennifer Starklauf (30) und Deborah Fiolka (29), die ebenfalls aus Forchheim kommen. Über 3000 km legen sie im Mietwagen auf teilweise abenteuerlichen Pisten zurück.

Derweil der Ort Grootfontein und die Ortschaften Otavi und Kombat im kommerziellen Farmgebiet liegen, befindet sich Tsumkwe im kommunalen Hegegebiet Nyae Nyae, wo Löwen, Leoparden, Elefanten und zahlreiche Antilopen noch freilebend vorkommen. Hier gehen die Ju/Hoansi-Buschleute noch heute mit Pfeil und Bogen auf die Jagd und sammeln Feldfrüchte. In Grootfontein werden von der Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen (DWLF – Dentists Without Limits Foundation) zahlreiche Instrumente und zahnmedizinische mobile Geräte eingelagert, die von verschiedenen Gruppen genutzt werden.

Der größte Ort in der Otjozondjupa-Region ist Otjiwarongo, etwa 250 Kilometer nördlich der Hauptstadt Windhoek und 210 km südwestlich von Grootfontein. Der nordöstliche Teil der Otjozondjupa-Region erstreckt sich in die ländlichen Gebiete der Kalahari-Wüste. 1,5 Einwohner pro Quadratkilometer sind in der 105.328 km² großen Region zu finden. Dr. Bader und Dr. Berger sind nicht zum ersten Mal in Namibia. Während Stefan Bader bereits auf mehrere Besuche zurückblicken kann, liegt Heike Bergers erster Besuch 23 Jahre zurück. „Ich war vor einigen Jahren in den Philippinen und habe dort einige Wochen als Zahnärztin gearbeitet. Im vergangenen Jahr sprach ich mit meinem Bruder über einen freiwilligen Auslandeinsatz, und Namibia war das Land unserer Wünsche. Wir stießen im Internet auf die Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen und dann ging es los“, erzählt Berger.

Flüge, Unterkünfte, Mahlzeiten und Mietwagen bezahlen sie selbst. Zudem mussten die beiden Zahnärzte je 450 Euro an die Stiftung entrichten. Zahlreiche Instrumente sind vor Ort gelagert, da drei Mal im Jahr Zahnärzte nach Namibia kommen und im Norden (Grootfontein) und/oder im Süden (Keetmanshoop) zum Einsatz kommen. Zahlreiches Material wie Gummihandschuhe, Mundschutz, Anästhetika, Säuberungsmittel und vieles mehr bringt die Gruppe neben persönlichem Gepäck selbst mit nach Namibia – insgesamt hat das Fluggepäck der vier auf dem Hinweg 50 kg Übergewicht.

„Überall bis auf Gam waren die Menschen sehr freundlich und nett, haben uns teilweise geholfen, unsere Sachen in die Ambulanzen hinein- und später hinaus zutragen. Es war schade, dass viele der Ambulanzen nicht vorbereitet waren, obwohl sie wussten, dass wir kommen. Dadurch ging wertvolle Zeit verloren, die wir für Patienten hätten nutzen können“, resümieren die beiden Zahnärzte, die zusammen 38 Jahre Berufserfahrung aufweisen können, am Ende der zwei Wochen. Erstaunlich gut seien die Zähne der Buschleute in und um Tsumkwe gewesen, viel besser als in anderen Orten Namibias, in denen die beiden Zahnärzte waren. Aber es bestehe ein hoher Bedarf an zahnärztlicher Behandlung. Es sei sehr schade, dass die Zeit nicht ausreiche, die Patienten besser und länger behandeln zu können, meinten Berger und Bader. 

Täglich seien bis zu vier Stunden für Anfahrt, Aufbau, Abbau und Rückfahrt verloren gegangen. Es sei deutlich, dass in den betroffenen Ortschaften und Siedlungen keine regelmäßigen Zahnarztbesuche möglich sind, da es dort einfach keine Zahnärzte gibt. Teilweise wird der Besuch der Zahnärzte aus Deutschland mit ihren Fachassistentinnen über das lokale Radio angekündigt.

Anfang Juli dieses Jahres war zuletzt eine Gruppe in Namibia und bediente den Süden des Landes. Die nächste Gruppe wird im Oktober erwartet. Nach ihrem „Arbeitsurlaub“ sind sich Dr. Berger, Dr. Bader, Starklauf und Fiolka einig: Wir kommen wieder nach Namibia. Dies ist ein wunderschönes Land!

Dirk Heinrich

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