Namibias Wirtschaft auf den Punkt - August 2017 - Neuigkeiten - Gondwana Collection

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Namibias Wirtschaft auf den Punkt - August 2017

Avatar of inke inke - 04. September 2017 - Wirtschaft

Die internationale Rating-Agentur Moodys hat Namibias Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau herabgestuft. Die Treibstoffpreise blieben diesen Monat unverändert. Die Zentralbank senkte ihre Leitzinsrate um 25 Basispunkte auf 6,75 Prozent. Das Arbeitsministerium hat eine Studie zur Einführung eines nationalen Mindestlohnes in Auftrag gegeben.

Kalt erwischt

Noch im Juni hatte die Fitch Rating-Agentur Namibias Bonität bei ‚BBB-‘ beibehalten, da hat Moodys` plötzliche Herabstufung am 11. August von ‚Baa3‘ auf ‚Ba1‘ die Regierung überrascht. „Unsere Regierung hat Moodys Entscheidung mit Besorgnis zur Kenntnis genommen. Wir stimmen nicht mit dieser Einschätzung überein“, reagierte Finanzminister Calle Schlettwein einen Tag später, „Namibias Wirtschaftsaussichten sind jetzt besser als vor einem Jahr.“ Allerdings haben knapp N$4 Milliarden (etwa 258 Millionen Euros) unbezahlte Rechnungen der Regierung an den Privatsektor für erbrachte Dienstleistungen, Bauten und Straßenprojekte, begrenzte Kapazität (finanzielle) Schocks zu handhaben und das Risiko für erneuten Druck auf die Liquidität zu Moodys Entscheidung beigetragen.

Namibias Gesamtverschuldung belief sich Ende Juni auf N$158,2 Milliarden (etwa 10 Milliarden Euros), 8,5 Prozent mehr als im Juni 2016. Die Zahlen stammen von der Zentralbank (Bank of Namibia). Knapp die Hälfte, N$70,4 Milliarden (etwa 450 Millionen Euros) sind Schulden der Regierung. Privathaushalte sind mit N$51,4 Milliarden (etwa 340 Millionen Euros) verschuldet, zumeist Hypotheken für Häuser und Wohnungen. Firmen des Privatsektors haben insgesamt N$36,2 Milliarden (etwa 235 Millionen Euros) Schulden. 

Eine positive Meldung: Namibias Inflationsrate sank im Juli auf 5,4 Prozent. Im Juni waren es noch 6,1 Prozent. 

Viele Investitionen

Der staatliche Fischereibetrieb Fishcor investiert in Walvis Bay in eine neue Makrelen-Fabrik. Die Bauarbeiten haben schon begonnen. 

Fischereiminister Bernhard Esau hat in Lüderitzbucht eine neue Fabrik für die Verarbeitung von geschlagenen Robben eröffnet. Das BEE-Unternehmen Uukumwe Youth Empowerment Consortium hat N$17 Millionen (etwa 1,1 Millionen Euros) investiert. Dort soll Unterhautfett, Tran und weitere Robbenprodukte hergestellt werden, auch Tierfutter. Robbenpelze sollen ebenfalls weiterverarbeitet werden (BEE = Black Economic Empowerment). 

Die Firma PolyCare Research Technology aus Gehlberg in Thüringen hat diesen Monat eine namibische Niederlassung mit drei lokalen Firmen gegründet. Die Firmen KL Construction und Namib Beton sind mit je 16,5 Prozent beteiligt, und die BEE-Firma Guinas Investments mit 33%. PolyCare hat ebenfalls 33% Anteile. Die Fabrik für die von PolyCare entwickelten Blocksteine  im Brakwater-Industriegebiet bei Windhoek steht schon. Im Januar 2018 beginnt die Produktion. 

Bei Rosh Pinah am Oranjefluss ist ein fünf Megawatt Solarkraftwerk fertiggestellt worden. Die Kosten lagen bei N$124 Millionen (etwa acht Millionen Euros). Der kanadische Bergbaukonzern B2Gold, der bei Otavi Gold abbaut, investiert in ein 7-MW Solarkraftwerk. Die Bauarbeiten haben schon begonnen.

Die beiden staatlichen Schlachthöfe im Norden Namibias werden wieder in Betrieb genommen, es haben sich neue Pächter gefunden. Die Schlachthöfe in Oshakati und in Katima Mulilo sollen im Oktober den Betrieb wieder aufnehmen. Zwei BEE-Firmen haben mit dem Agrarministerium die Pachtverträge unterzeichnet. Der frühere langjährige Pächter Meatco hat den Vertrag vor etwa zwei Jahren nicht verlängert. Die beiden Schlachthöfe warfen keine Profite ab. Meatco hat in eine mobile Schlachtanlage (auf einem Lastwagen) für den Norden des Landes investiert.

Singapur unterstützt Namibia bei dem Aufbau eines Produktivitätszentrums. Binnen 18 Monaten soll es seine Arbeit aufnehmen. Das Arbeitsministerium hat den Vertrag mit der Singapore Cooperation Enterprise (SCE) unterzeichnet. 

Deutsche Unterstützung

Die Bundesregierung unterstützt die Errichtung eines handwerklichen und technischen Berufsausbildungszentrums für das Militär. Das Zentrum für die Namibia Defence Force (NDF) entsteht auf dem Gelände der Osona-Militärschule bei Okahandja. Die Kosten belaufen sich auf rund N$60 Millionen (etwa 3,8 Millionen Euros).

Bessere Statistiken 

Namibias Statistikbehörde hat im August ihr Geo-Portal vorgestellt. Detaillierte räumliche Daten werden nach Anmeldung auf der Webseite umsonst zur Verfügung gestellt. Nicht nur die Anzahl Einwohner und Schulen sowie Schulkinder in jedem Ort sind nun abrufbar, auch ländliche Gebiet können mit wenigen Klicks sogar vermessen werden.

Die hiesige Firma Ohorongo Cement hat für N$4 Millionen (etwa 260.000 Euros) ein Depot in Ondangwa errichtet. Die große Lagerhalle für den produzierten Zement steht direkt am Bahnhof von Ondangwa, Waggons können durch das Nebengleis bequem die Halle erreichen. Ohorongo gehört zur Schwenk-Gruppe in Deutschland. Geschäftsführer Hans-Wilhelm Schütter, der übrigens aus Namibia stammt, erklärte, dass 44 Prozent des gesamten produzierten Zements im Norden Namibias verkauft wird. Das Zementwerk kann 750.000 Tonnen Zement pro Jahr herstellen.

Ende August begann die 18. Handelsmesse in Ongwediva in Namibias Norden. Mit etwa 456 Ausstellern und zehntausenden Besuchern ist es die größte Handelsmesse im Land. Sie endet am 2. September.

Namibia und China unterzeichneten am 28. August ein Straßenbau-Abkommen. Chinas stellvertretender Ministerpräsident Zhang Gaoli besuchte Namibia drei Tage lang. China wird den vierspurigen Ausbau der Straße von Windhoek zum Hosea-Kutako-Flughafen finanziell unterstützen.

Klimawandel

Das Umwelt- und Tourismusministerium hat über den ihm unterstehenden Environmental Investment Fund (EIF) N$300 Millionen (etwa 19,3 Millionen Euros) vom Grünen Klimafonds für zwei Projekte erhalten. Rund N$150 Millionen werden verwendet um 21.000 Kleinbauern in den Regionen Kavango Ost, Kavango West und Sambesi für den Klimawandel zu rüsten. Bessere Bewirtschaftung ihrer Erntefelder und präventive Maßnahmen gegen Dürre und Überschwemmungen sind einige der Ziele. Das zweite Projekt soll die ansässige Bevölkerung in kommunalen Hegegebieten dieser drei Regionen ebenfalls fit für den Klimawandel machen.

Lokale Fachkräfte unterstützen

Namibische Architekten und Landmesser sind unzufrieden, weil die Regierung 29 Fachkollegen aus Simbabwe mittelfristige Zeitverträge gab und sie außerdem von verpflichtenden Prüfungen zur Qualifizierung befreite. Alle Architekten und Landmesser, die in Namibia arbeiten wollen (auch Staatsbürger), müssen diese Prüfungen ablegen. So schreibt es die Innung vor. Die hiesigen Architekten und Landmesser fühlen sich übergangen. Auf einem Treffen mit  Vertretern des Ministeriums für Transport und öffentliche Arbeiten teilten sie mit, sie könnten diese Arbeiten verrichten. Das Treffen verlief ergebnislos. Das Ministerium  forderte die Gruppe danach in einer Presseerklärung auf, nicht fremdenfeindlich zu sein.

Neues vom Tourismus

Das Touristikunternehmen Gondwana Collection wurde von der international bekannten Online-Plattform HolidayCheck für seine Unterkünfte ausgezeichnet. Touristen bewerten online die Unterkünfte, Gondwana erhielt sehr gute Bewertungen. 

Fischereiminister Bernhard Esau hat zur Erleichterung der Tourismusunternehmen an der Küste die drastisch erhöhten Gebühren für Angelscheine revidiert. Angelscheine kosten nun wieder wie bisher N$14 pro Monat (1 Euro) statt N$1.500 (etwa 97 Euros). Hobby-Angeln und Boottouren sind ein wichtiger Tourismuszweig an der Küste. Typisch namibisch bedankten sich Angelvereine und Tourismusforen per Zeitungsanzeigen bei Minister Esau!

Air Namibia nach Akkra

Die staatliche Fluggesellschaft Air Namibia will ab Ende März 2018 wieder die Route Windhoek-Akkra in Ghana bedienen, Lagos in Nigeria kommt noch hinzu. Es soll vier Flüge pro Woche geben. Die Akkra-Route musste vor einigen Jahren aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben werden. Die Lufthansa plant wohl, ab 2018 Flüge von Frankfurt nach Windhoek anzubieten. Das teilte Namibias Minister für staatliche Betriebe, Leon Jooste, während einer öffentlichen Vorlesung mit.

Die Hospitality Association of Namibia (HAN) hat im August zum ersten Mal zu einer Arbeitstagung in Ondangwa eingeladen. Das Ziel ist, neue Routen für Touristen im zentralen Norden zu erschließen.

Umwelt- und Tourismusminister Pohamba Shifeta hat den Chef der neu eingerichteten Anti-Wilderer-Einheit ernannt. Ndahangwapo Kashihakumwa ist ein erfahrener Polizeioffizier, der vor zwei Jahren in Frührente ging. Die Einheit untersteht dem Umwelt- und Tourismusministerium. Dieses Jahr wurden bisher 26 Nashörner und 18 Elefanten in Namibia gewildert. 

Minister Shifeta reagierte auch auf die zunehmenden Vorfälle gegenüber Touristen, die beraubt werden. „Wir erstellen eine Strategie, wie Touristen am besten beschützt werden“, kündigte Shifeta an, „alle Interessensgruppen können Empfehlungen machen.“

Das Ministerium hat im Vorfeld des Welttourismustages (am 27. September) eine kleine Ausstellung auf dem Hosea-Kutako-Flughafen vorgestellt. Das war am 24. August. Traditionelle Tanzgruppen hießen die ankommenden Besucher willkommen. „Die Idee dahinter war, dass auf diese Weise der Frust abgebaut werden sollte, der durch lange Warteschlangen auf dem Flughafen entsteht“, erklärte Tourismusdirektor Sem Shikongo.

Brigitte Weidlich

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