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Enthornungen am Internationalen Nashorn-Tag

Avatar of inke inke - 22. September 2017 - Umwelt

Dem betäubten Nashorn wurden die Augen verbunden, um sie gegen direktes Sonnenlicht und Staub zu schützen. Danach wurde das Tier behandelt, die Hörner vermessen und immer wieder Körpertemperatur sowie Herzschlag gemessen bzw. überprüft.

Problemlos und schnell frisst sich die Kettensäge durch das harte Horn des Nashorns. In weniger als einer Minute ist das große vordere Nasenhorn abgesägt und eine halbe Minute später liegt auch das kürzere hintere Nasenhorn des Dickhäuters auf dem Boden. Als am 22. September weltweit der Internationale Nashorn-Tag gefeiert wurde, verloren weitere Nashörner in Namibia ihre Nasenhörner. Glücklicherweise diesmal nicht durch Wilderer, sondern durch die Eigentümer der Tiere. Vor kurzem wurden Nashörner durch skrupellose Wilderer auf der Farm Okosongoro getötet und ihre Hörner abgehackt. Die Kadaver wurden unter Zweigen versteckt und zum Verrotten liegengelassen. Um die restlichen Nashörner zu retten, wurden alle Nashörner Okosongoros enthornt.

Dazu war die Zustimmung des Ministeriums für Umwelt und Tourismus nötig, ein Hubschrauber musste zur Verfügung gestellt werden und ein erfahrener Tierarzt diese Aufgabe übernehmen. Während der gesamten Einsatzes mussten Naturschutzbeamte des Ministeriums für Umwelt und Tourismus zugegen sein sowie Polizisten der Sondereinheit zur Bekämpfung der illegalen Jagd geschützter Wildarten und des Schmuggels von Produkten geschützter Arten (PRU).

Am frühen Morgen, derweil es noch kühl war, begann mit Hilfe des Hubschraubers die Suche nach den Dickhäutern. Schon bald wurden die ersten Nashörner gesichtet und die Mannschaft am Boden per Funk informiert. Der Veterinär an Bord des Hubschraubers schoss den ersten Betäubungspfeil auf ein Rhinozeros ab, welches nach wenigen Minuten zu Boden ging. Schnell begaben sich die Fahrzeuge zu der Stelle und die Männer versammelten sich um das betäubte Tier. Der Betäubungspfeil wurde entfernt, Antibiotika und ein Beruhigungsmittel  injiziert, Wunden behandelt und die Augen des Tieres zugedeckt, um sie vor direktem Sonnenlicht und Staub zu schützen. DNA-Proben wurden entnommen, die letztendlich in einer zentralen Datenbank aufbewahrt werden. Für die DNA-Analyse wurde Blut entnommen, Späne der Hörner und Haut- und Haarproben gesammelt. Vor dem Enthornen wurden die Nasenhörner unter den wachsamen Augen der Beamten vermessen. Dann kam die Kettensäge zum Einsatz. Nachdem die Nasenhörner abgesägt waren, wurde die Schnittfläche abgerundet und geglättet, damit sich das Tier dort nicht verletzt. Zudem blieb somit nur eine sehr dünne Schicht des Horns zurück, die Knochen und Gewebe schützt.

Beim Entfernen des Nasenhorns muss der Tierarzt darauf achten, dass er nicht den Knochen des Nasenrückens verletzt, da dies zu einer Infektion führen kann. Wenn mitleidlose Wilderer die Nasenhörner abhacken, tun sie dies an der Basis des Horns. Dabei wird ein etwa acht Zentimeter hoher Knochenwulst, auf dem das Nasenhorn wächst, mit abgehackt und die Nasenhöhle freigelegt. Diese schützende Verdickung des Knochens ist nötig, denn ansonsten würden sich Nashörner bei jedem Kampf oder Verteidigung das Nasenbein durch die Wucht beim Einsatz des Horns brechen.

Zu guter Letzt wird noch ein öliges Desinfektionsmittel auf die abgerundete Schnittfläche gesprüht, um ein Austrocknen und eine mögliche Infektion zu verhindern. Der Hubschrauber wird gestartet, die Männer begeben sich zu den Fahrzeugen und der Tierarzt spritzt das Gegenmittel. Schnell bringt er sich im Hubschrauber in Sicherheit und begibt sich auf die Suche nach dem nächsten Nashorn, derweil das Tier am Boden nach knapp zwei Minuten aufwacht und im Busch verschwindet – ohne Hörner. Kurz danach ist das nächste Nashorn betäubt und die Arbeit beginnt erneut.

Das Enthornen ist eine kostspielige Angelegenheit. Der Farmer und Eigentümer der Tiere muss für jedes enthornte Nashorn etwa 15000 Namibia-Dollar (1000 Euro) auf den Tisch legen. Die gleichen Kosten hat der Staat, wenn er seine Tiere in den Nationalparks und  Konzessionsgebieten enthornt. Denn letztlich gilt die Devise: Lieber Nashörner lebend ohne Horn, als von skrupellosen Wilderern wegen der Nasenhörner getötet. 

Sobald der Farmer und die Mannschaft wieder zurück beim Farmhaus ist, müssen die Hörner und die aufgesammelten Späne der Nasenhörner im Beisein der Naturschutzbeamten und Polizisten gewogen, markiert, nummeriert und versiegelt werden. Letztendlich werden die Nasenhörner und die Sägespäne an einem sicheren Ort aufbewahrt.

In diesem Jahr wurden in Namibia seit dem 1. Januar bis zum 31. August insgesamt 27 Nashörner gewildert und deren Nasenhörner abgehackt. Zudem fielen in derselben Zeitspanne 19 Elefanten den Wilderern zum Opfer. Im vergangenen Jahr (2016) wurden in Namibia 61 Nashörner und 101 Elefanten gewildert.

Dirk Heinrich

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