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Welwitschia mirabilis - Ein botanisches Wunder

Avatar of inke inke - 29. September 2017 - Entdecken Sie Namibia

Wunder-volle Pflanze: Ein großes Exemplar der Welwitschia mirabilis im Süden Angolas. Foto: Jonathan Basson

Namibia ist für das Außergewöhnliche bekannt. Unter dieses Etikett fallen unzählige Lebewesen in der uralten Namibwüste, die im Laufe der Jahrmillionen mit großem Einfallsreichtum Eigenschaften und Verhaltensweisen entwickelt haben, mit denen sie ihr Überleben in einer wasserarmen Umgebung sichern.

Der kalte Benguelastrom, der von der Antarktis nach Norden fließt, trifft vor der namibischen Küste auf landeinwärts wehende Tropenwinde. Deshalb bilden sich regelmäßig Nebelbänke an der Küste, die den Lebewesen der Namib die nötige Feuchtigkeit spenden.

Auf den Wanderdünen und Schotterflächen wachsen einige der widerstandsfähigsten Pflanzen, wie etwa die ‚lebenden Steine‘ (Lithops), die auf kleinen Anhöhen gedeihende stachelige /Nara oder die langblättrige Welwitschia.

Der österreichische Naturkundler und Botaniker Friedrich Welwitsch war von Ehrfurcht ergriffen, als er am 3. September 1859 in Südangola auf eine Pflanze traf, die ganz anders war als alle, die er kannte. Wie berichtet wird, war er so überwältigt von seinem Fund, dass er auf die Knie sank und minutenlang auf die unglaubliche Pflanze starrte. Später notierte er: „Ich bin überzeugt, dass ich das schönste und großartigste botanische Wunder gesehen habe, das im tropischen südlichen Afrika zu finden ist.“ (Der Maler und Forscher Thomas Baines fand 1861 eine Welwitschia im trockenen Flusslauf des Swakop.)

In Kreisen der Wissenschaft stiftete die Welwitschia einige Verwirrung, denn es war unklar, wo sie eingeordnet werden sollte. Man nimmt an, dass sie einer prähistorischen Flora entstammt, von der wir nur durch Fossilien Kenntnis haben. Deshalb wird sie gerne als ein ‚lebendes Fossil‘ bezeichnet. Ihre Vorfahren werden im Jura (vor 199,6 - 45,5 Mio. Jahren) vermutet. In jener grauen Vorzeit gab es große Mengen an Gymnospermen (Nacktsamern), die sich anpassten und überlebten, als das Klima trockener wurde.

Die Wissenschaftler richteten für die ‚neue‘ Pflanze schließlich eine eigene Kategorie in der Ordnung der Gnetales ein - die Familie der Welwitschiaceae, mit nur einer Gattung und nur einer Art. Zu Ehren des österreichischen Bontanikers wurde die Art Welwitschia mirabilis getauft. Das lateinische Wort ‚mirabilis‘ bedeutet bewundernswert oder erstaunlich. Auf Nama heißt sie !kharos oder khurub, auf Afrikaans tweeblaarkanniedood, auf Herero onyanga und auf Damara nyanka.

Die Lebensspanne dieser Pflanze liegt zwischen 500 und 1.500 Jahren; einige Exemplare werden sogar auf fast 2.000 Jahre geschätzt. Dennoch bringt die Welwitschia in ihrem Leben nur zwei ledrige, breite Blätter hervor, die aus ihrem holzigen Stumpf wachsen und bis zu drei Meter lang werden. Wind und Wetter spalten und zerfransen die Blätter im Laufe der Zeit, so dass es oft nach vielen Blättern aussieht.

Leben und Fortpflanzung der Welwitschia sind ein Kampf gegen viele Widrigkeiten. Von tausend Samen reift nur einer zur Keimfähigkeit heran; damit er tatsächlich keimt, benötigt er 25 mm Regen. Und gerade auf Regen kann man sich in der Namib nicht verlassen: In Küstennähe liegt der Niederschlag im Schnitt nahe Null, nur weiter landeinwärts können zu Beginn des Jahres knapp 100 mm Regen erwartet werden. Welwitschias nehmen durch winzige Poren auf ihren Blättern und durch flache, nach seitwärts wachsende Wurzeln Nebelfeuchtigkeit auf, während die langen Pfahlwurzeln auf der Suche nach unterirdischem Wasser tief in den Boden hineinwachsen.

Die beiden Geschlechter der Pflanze lassen sich durch ihre orange-roten Zapfen unterscheiden: weibliche Zapfen sind größer und spindelförmig, männliche Zapfen sind kleiner und länglich. Zu den Bestäubern gehört ein gelb-schwarzes Insekt, Odontopus sexpunctatus, das häufig auf Welwitschias anzutreffen ist. Vermutlich spielen Fliegen, Wespen und Bienen ebenfalls eine Rolle. Die Welwitschia mirabilis steht unter Naturschutz. Sie gehört zur faszinierenden Kaokoveld-Flora und kommt nur in der Namib vor. Vereinzelte Welwitschia-Gemeinschaften sind im gesamten Küstenstreifen von Mossamedes/Namib in Südangola bis zum Kuiseb-Lauf in Namibia und bis zu 100 km landeinwärts zu finden.

Nach wie vor verblüfft die Welwitschia Botaniker und Betrachter. Sie nimmt einen stolzen Platz auf der Liste der wunderbaren Arten ein, die in Namibia zu Hause sind, und sie zählt zu den 200 endemischen (oder fast endemischen) Arten im Lande. Die Welwitschia ist eine Pflanze wie keine andere, sie ist im wahrsten Sinne des Wortes einzigartig.

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