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Vorsicht vor Elefanten in freier Wildbahn

Avatar of inke inke - 13. Oktober 2017 - Umwelt, Entdecken Sie Namibia, Tourismus

Der Kopf ist unterhalb der Schulterlinie, die Ohren fächern zur Kühlung und der Blick ist nach unten gerichtet. Diese beiden großen Elefantenbullen sind ruhig und stören sich nicht an dem Fahrzeug und den Menschen in ihrer Nähe.

Die sanften Riesen sind wilde Tiere! Sie denken nicht wie wir, aber sie vergessen Geschehnisse genau so wenig wie wir! Wir dringen in ihren Lebensraum ein, nicht sie in unseren. Elefanten erscheinen gutmütig, ruhig, bedachtsam und zahm. Sie sind aber gefährlich, stark, unbarmherzig und unberechenbar, wenn wir die unsichtbare Linie zwischen ihnen und uns überschreiten.

Das musste Gondwana kürzlich erfahren, als eine Elefantenkuh im Bwabata-Nationalpark ein Safari-Fahrzeug der Namushasha River Lodge angriff, obwohl der Guide sich verantwortungsvoll verhielt. Alle Insassen kamen mit dem Schrecken davon. Der Vorfall zeigte jedoch, dass bezüglich des Umgangs mit wilden Tieren, speziell mit den grauen Riesen, Aufklärungsbedarf besteht. Aus diesem Grund bietet Gondwana vom 18. bis 24. November 2017 eine einwöchige Fortbildung für Guides an, Kursleiter ist der renommierte Elefantenexperte Tommy Hall. Ferner wird demnächt eine Broschüre mit Richtlinien für den Umgang mit Elefanten herausgegeben. 

In Namibia kommen Elefanten in Nationalparks und außerhalb von Naturschutzgebieten in kommunalen Hegegebieten vor. Sie leben in der Namib-Wüste, in ariden Gegenden im Nordwesten des Landes in der Kunene-Region, in den weiten Savannen und Mopane-Wäldern sowie an Flüssen und in Waldgebieten im Nordosten. Sie kennen weder Park- noch internationale Grenzen, wissen aber wohl, in welchen Gebieten es zu Konflikten mit Menschen kommen kann.

Ihr größter Feind ist der Mensch, der sie nicht nur wegen ihrer Elfenbeinzähne tötet, sondern der auch ihren Lebensraum immer mehr bevölkert und einschränkt. Dabei kommt es zu Konflikten zwischen Mensch und Tier, wobei das Tier meist den Kürzeren zieht. Der ehemalige langjährige Naturschutzbeamte, Berufsjäger und Safariführer Tommy Hall betont, dass Elefanten von Natur aus Angst vor dem Menschen haben und ihn meiden. Vor über 150 Jahren lebten Mensch und Elefant nebeneinander, sie respektierten und mieden sich. Heute sind Elefanten dem Menschen gegenüber meist nervös. Die Gründe sind Hall zufolge die Wilderei, die nicht nur Elefanten betrifft, und die Jagd für den Eigengebrauch. Teilweise sind auch die Trophäenjagd und der Konflikt mit Ackerbauern schuld daran, dass die Elefanten dem Menschen nicht trauen. Überall riechen sie Blut im Busch, nicht nur das ihrer Artgenossen, und gleichzeitig den Menschen. Kommen sie den bestellten Feldern zu nah, werden sie mit Lärm und Schüssen verjagt, oft dabei auch noch verwundet. Elefanten vergessen solche Erlebnisse nicht, betont Hall, der seit Jahrzehnten mit Elefanten lebt und diese beobachtet.

Touristen spielen ebenfalls eine große Rolle dabei, dass es zu „Problemen“ und Vorfällen mit Elefanten kommt. Sie fahren zu nah die Dickhäuter heran, denn aus Film und Fernsehen kennt man sie als friedlich und sanft. Dann bekommt man plötzlich Angst, das Fahrzeug wird gestartet. Dabei werden die Elefanten erschreckt, manchmal sogar angefahren und eine weitere negative Begegnung mit dem Menschen prägt sich bei dem grauen Riesen ein. Hall zufolge gibt es Elefantenherden wie z.B. im Nordwesten des Landes, die fast täglich von Touristen belästigt werden, egal ob sie fressen, ruhen oder trinken.

Wie sollen sich Besucher, Touristenführer und Einheimische gegenüber Elefanten verhalten?


1. Es ist wichtig Abstand zu halten, mindestens 50 Meter zwischen Fahrzeug und Elefant.
2. Es darf nicht laut geredet werden, nicht geschrien oder Unterhaltungen mit schriller Stimme geführt werden.
3. Bei Familienverbänden, Gruppen mit Jungen, sollte besondere Vorsicht geboten sein, da Elefantenkühe ihre Jungen gegen jede Gefahr beschützen.
4. Touristen müssen darauf achten, dass sie nicht zwischen ein Elefantenkuh und ihr Kalb geraten.
5. Führer und Fahrer sollten immer ihre Rückspiegel im Auge behalten und sich vergewissern, ob sich Elefanten von hinten nähern.
6. Elefanten dürfen nie von einer Stelle verdrängt werden, da sie oft zurückkehren und es dann zur Konfrontationen kommen kann.
7. Die Elefanten im Etosha-Nationalpark sind nicht mit jenen im Mahango- und Bwabwata-Nationalpark zu vergleichen.
8. Elefanten dürfen nicht gefüttert werden, ebenso wie alle anderen wilden Tiere. 

Auf welche Warnzeichen – Körpersprache – der Elefanten sollte geachtet werden?

1. Hebt der Elefant seinen Kopf höher als seine Schultern, stellt seine Ohren nach vorne und sind die Augen deutlich zu erkennen, heißt dies, dass er verärgert ist und sich bedroht fühlt.
2. Knickt er den Schwanz L-förmig zur Seite, heißt dies dass der Elefant kurz vor einem Angriff steht.
3. Senkt der Elefant den Kopf mit nach vorn gestellten Ohren und rollt den Rüssel ein, ist es zu spät und ein Angriff erfolgt.
4. Wenn eine Elefantenherde nervös wirkt, Laute von sich gibt, viele Mitglieder die Ohren nach vorne stellen und umherlaufen, sollten Sie sich zurückziehen.
5. Steht oder frisst eine Herde, bewegt dabei ihre Ohren nach vorn und nach hinten und bleiben die Köpfe unter der Linie der Schultern, ist die Herde nicht nervös und fühlt sich nicht bedrängt.

Wie sollen sich Touristen gegenüber Elefanten verhalten?


1. Bei den ersten Warnzeichen sollte sich jeder Besucher sofort ruhig und langsam zurückziehen.
2. Dabei sollte jeder Insasse ruhig bleiben, nicht laut reden und den Motor nicht aufheulen lassen.
3. Es ist wichtig, das Fahrzeug frühzeitig zu starten. Auf keinen Fall darf der Motor ab- und angeschaltet werden. Lieber mit laufendem Motor stehen bleiben und die Situation abwägen, als dies mit abgeschalteten Motor zu tun. Scheint die Herde nervös zu sein, sollte lieber weitergefahren werden.
4. Steht man an einer Stelle und Elefanten tauchen plötzlich unbemerkt sehr nah am Fahrzeug auf, ist es wichtig ruhig zu bleiben und mit ruhiger Stimme zu sprechen, damit die Tiere, die Fahrzeug und Menschen schon lange gerochen haben, den Menschen auch hören.
5. Es sollte keine Musik gespielt und die Klimaanlage abgeschaltet werden.

Es gibt zahlreiche Geräusche die wir nicht hören können, Elefanten aber sehr gut. Diese Laute kann ein Motor, ein Radio, eine Klimaanlage, ein Getriebe, Bremsen oder das Differenzial eines Fahrzeuges verursachen. Elefanten fühlen sich durch diese Töne irritiert, gestört oder verärgert. Da Menschen die Laute nicht hören, sollten wir auf das Verhalten der Dickhäuter achten und dementsprechend handeln.

Sollte doch etwas passieren, z.B. dass das Fahrzeug angegriffen wird, ist es dem Elefantenexperten Tommy Hall zufolge wichtig, beim Fahrzeug zu bleiben. Mit offenen Fahrzeugen, wie jenen für Pirschfahrten, sollte man sich noch vorsichtiger verhalten.

Wie sollten sich Besucher auf Campingplätzen verhalten, wenn sie Besuch von Elefanten erhalten?


1. Wenn Elefanten auf einen Campingplatz kommen, sollten sich alle Personen ruhig verhalten. Kein Schreien und Hupen, nicht mit Taschenlampen leuchten und nicht umherrennen.
2. Wenn man im Zelt ist, sich dort ruhig verhalten und kein Licht anschalten.
3. Es sollten keine Früchte, Brot oder Gemüse offen liegengelassen werden. Vor dem Schlafengehen sollte alles sicher weggepackt werden.
4. Wenn möglich ist es gut, ein Feuer über Nacht schwelen zu lassen, da dies den Elefanten zeigt, dass dort Menschen sind.

Wo sollten Camper ihr Lager aufschlagen?

1. Es sollte niemals an Wasserstellen gecampt werden, denn Wasserstellen ziehen Tiere, darunter Elefanten, an. Tiere werden durch Camper dadurch davon abgehalten, ihren Durst zu löschen. 
2. Wenn möglich sollte das Nachtlager immer am Fuße eines Berges, an einer Uferböschung oder an Felsen aufgeschlagen werden. So kann man nicht von hinten überrascht werden und kann sich notfalls dort in Sicherheit bringen.
3. Kein Lager sollte auf oder in der Nähe von Elefantenpfaden errichtet werden.

Dirk Heinrich

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