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Oranjemund öffnet sich der Welt

Avatar of inke inke - 20. Oktober 2017 - Entdecken Sie Namibia, Tourismus, Wirtschaft


Am Samstag, den 21.Oktober 2017, wird die Diamantenstadt Oranjemund  zum ersten Mal ihre Tore für Besucher und Touristen öffnen. Bisher war der kleine Ort in der Namib-Wüste nahe der Mündung des Oranjeflusses nur mit Sondergenehmigung zugänglich. 

Nach der Öffnung wird der bisher von der Außenwelt abgeschottete Ort im ehemaligen Diamant-Sperrgebiet wie jede andere Stadt in Namibia für jedermann zugänglich sein. Alle Besucher können dann über die beeindruckende Sir-Ernest-Oppenheimer-Brücke die kurze Strecke nach Alexander Bay in Südafrika fahren. Die Öffnung von Oranjemund bietet vielseitige wirtschaftliche Möglichkeiten, auch in der Umgebung, besonders für den Tourismus. 

Uralte Zeiten 

In vorgeschichtlichen Zeiten zogen Antilopen, Nashörner und sogar Elefanten bis hin zur Flussmündung. Jäger und Sammler durchstreiften das Gebiet und trotzten dem unwirtlichen Klima, den hohen Wellen des Atlantiks und den starken Windböen. 

Der Oranjefluss ist der längste Fluss Südafrikas und bildet die gesamte Südgrenze zwischen Namibia und Südafrika. Der Fluss ist 2.090 Kilometer lang und entspringt in den Drakensbergen.

Vor der Kolonialzeit war der Oranje unter dem Namen „Gariep“ bekannt. Der Name stammt von den Ureinwohnern, den Khoi-San. Als die Holländer begannen, das Kap zu bevölkern, hieß der Fluss „Groote Rivier“ (der Große Fluss). Der britische Oberst Robert Gordon unternahm 1779 von Kapstadt aus eine Entdeckungsreise in den Norden. Als er den breiten Fluss erblickte, benannte er den Fluss nach dem niederländischen König Wilhelm V. von Oranien. 

Diamantenfunde 

1926 wurden die ersten Diamanten südlich der Mündung des Oranje auf der südafrikanischen Seite entdeckt. Südafrikas Regierung verbot den privaten Abbau der Diamanten im Februar 1927. Erfahrene Schürfer wie Solomon Rabinowitz und deutsche Geologen wie Hans Merensky und Ernst Reuning waren überzeugt, dass Diamanten auch am Nordufer zu finden seien. Sie hatten Recht, denn im Mai 1928 fanden Werner Beetz und Gustav Knetsch reiche Diamantvorkommen. Beide Geologen arbeiteten für die Firma Consolidated Diamond Mines (CDM) Ltd., eine Tochterfirma des bekannten Diamantkonzerns De Beers. Beetz und Knetsch mussten ihre Expedition an die Flussmündung von Lüderitzbucht aus starten. Sie bewältigten die 300 km lange Strecke mit einem großen Lastwagen, vollgepackt mit Treibstoff, Motorenöl, Wasser und Lebensmitteln. „Die epische Reise dauerte sieben schwierige Tage“, schreibt Alison Corbett in ihrem Buch „ Diamond Beaches – a History of Oranjemund 1928-1989“. Aus dem Lagerplatz mit Zelten der beiden Geologen wurde später Oranjemund.

Anfangszeiten

1928 wird allgemein als Gründungsjahr von Oranjemund betrachtet. Immer mehr Zelte wurden aufgeschlagen und schwarze Vertragsarbeiter kamen hinzu, um die Suche nach Diamanten zu beschleunigen. 

Nur ein Jahr später, 1929, begann nach dem Börsenkrach in New York die große Depression. Die Weltwirtschaft geriet in eine Krise. Ab 1935 hatte sich die Weltwirtschaft wieder erholt, es konnten wieder Diamanten bei Oranjemund abgebaut werden. Die für Besucher nicht zugängliche Umgebung wurde unter dem Namen „Sperrgebiet“ bekannt, so wie das Gebiet bei Lüderitzbucht. 1936 wurden die ersten 50 Hütten errichtet und zwar aus Holz. Sie wurden spöttisch „Pondoks“ genannt, ein einheimisches Wort für traditionelle Behausungen der Naturvölker. Ein Schuppen diente als Kantine. Es wurde dann ein kleines Haus mit zwei Zimmern aus Lehmziegeln gebaut, dort zog der Oberaufseher ein. In einer Hütte aus Wellblech mit dem Wort „Store“ (Laden) auf einem außen angebrachtem Schild konnten die Arbeiter kleinere Notwendigkeiten wie Seife, Tabak und Schuhe kaufen. Es gab sogar ein kleines Postamt - ein Raum in dem Briefe und Pakete für die Arbeiter gelagert, sortiert und dann verteilt wurden. Zwölf Jahre später wurden einzelne Postfächer eingerichtet.  

Die Polizei patrouillierte damals das riesige Sperrgebiet auf Kamelen, um Diebe zu erwischen, die Diamanten aus dem Abbaugebiet schmuggeln wollten. Polizisten schoben auch Wache an einer seichten Stelle am Oranjefluss, wo mit einer Barke Fracht aus Südafrika ans Nordufer transportiert wurden.

Einige Fertighäuser wurden aus Deutschland importiert. Sie wurden aufgebaut und dienten als Wohnungen für verheiratete Ehepaare. Ab 1938 diente ein „Pondok“ als Klassenzimmer für zwölf Schulkinder. Erst 1944 wurde in Oranjemund das erste Backsteinhaus gebaut. Darin wohnte der Geschäftsführer. Ein kleines E-Werk, das Strom lieferte, und ein kleines Hospital wurden errichtet. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Oranjemund ein Sportverein für den Cricket-Sport gegründet; später kamen andere Sportarten wie Rugby, Fußball, Boxen und Tennis hinzu. Es wurden auch verschiedene Clubs für die Geselligkeit eröffnet. 1950 wurde mit dem Bau einer Betonbrücke über den Oranje begonnen, die 1951 eingeweiht wurde. Sie erhielt den Namen Sir-Ernest-Oppenheimer-Brücke. Oppenheimer war Begründer des Bergbaukonzerns Anglo-American, er hatte 1920 die deutschen Diamantschürfgebiete in Namibias aufgekauft.

1951 wurde erhielt der Ort, der zwischendurch „Orange Mouth“ hieß, seinen Namen Oranjemund zurück. 1953 wurde ein sportlicher Meilenstein gefeiert: der erste Golfplatz in Namibia wurde in Oranjemund angelegt. 

Vorsichtige Öffnung 

In den Fünfzigerjahren lebten in Oranjemund inzwischen 363 Festangestellte und 2.840 Saisonarbeiter. Unterkunft, Strom und Wasser gab es (noch bis vor kurzem) umsonst, da der Ort der Diamantfirma CDM gehört. Die Einwohner konnten die Minenstadt jedoch nur Ostern und Weihnachten verlassen, um in den Urlaub zu fahren. Der Ort war eingezäunt, das Tor streng bewacht. Ab 1975 gab es etwas mehr Bewegungsfreiheit, als die Sicherheitsvorkehrungen an Abbaugebieten verstärkt wurden. Die Einwohner konnten nach gründlicher Durchsuchung am Tor nun mit dem eigenen Fahrzeug über die Oppenheimer-Brücke Urlaubsreisen antreten. Bis zur endgültigen Öffnung des Ortes Ende 2017 brauchen Besucher ein polizeiliches Führungszeugnis und die Genehmigung von Namdeb (bis 1994 CDM genannt), bei Ankunft und Abfahrt gelten strenge Sicherheitskontrollen. Die majestätischen Oryx-Antilopen - angelockt von den Grünablagen und Gärten und dem offeneren Zugang seit 1975 -, brauchen sich diesen Kontrollen übrigens nicht zu unterziehen. Sie gehören mittlerweile zum Stadtbild.

Zukunft nach den Diamanten

In der Umgebung von Oranjemund werden immer weniger Diamanten gefunden, die Produktion verlagert sich. Vor Namibias Küste im rauen Atlantik werden mehr Diamanten abgebaut als an Land. Oranjemund bereitet sich auf eine Zukunft ohne Diamanten vor. 1994 wurden etwa 20 Dienstleistungen der Firma CDM-Namdeb wie Sportvereine in Privathände gelegt. Namdeb beherzigt noch immer die gesundheitliche Versorgung, Wohnungen und die Grundschule. 1977 wurde ein Verwaltungsrat für Oranjemund gegründet, um die inzwischen 9.000 Einwohner auf die neue Zukunft  vorzubereiten. 2011 wurde der Ort offiziell zur Stadt erklärt und untersteht nun dem Stadtverwaltungsgesetz. Ein Jahr später fanden die ersten Stadtratswahlen statt, sieben Stadträte dienen im Stadtrat unter Bürgermeister Henry Coetzee.

Eine Allianz

Inzwischen wurde die Allianz Oranjemund 2030 (OMD2030) gegründet. Der Zweck: den bisher abgeschotteten von einem Firma verwalteten Ort fit für die eigene Verwaltung zu machen. Den Vorsitz hat Namdeb, unterstützt von Regierungsvertretern, Investoren und den Einwohnern. Man geht davon aus, dass der Übergang 10 bis 15 Jahre dauert. „Wir müssen unseren Ort normalisieren. 27 Jahre nach Namibias Unabhängigkeit ist Oranjemund der einzige Ort im Land, zu dem es keinen freien Zugang gibt“, sagt Bürgermeister Coetzee.

Die OMD2030-Allianz hat Zukunftspläne entwickelt. Sobald die amtliche Öffnung – noch vor Ende 2017 – vollzogen ist, kann eine Wirtschaftszone von 300 km Umkreis genutzt werden. Dazu gehören Keetmanshoop und Rosh Pinah sowie Alexander Bay, Springbok und Port Nolloth auf der südafrikanischen Seite. Handel und Tourismus stehen ganz oben auf der Planungsliste. Auch Landwirtschaft, Austernzucht und die Nutzung erneuerbarer Energien werden in Betracht gezogen. 

Tourismus

Das ehemalige Diamant-Sperrgebiet wurde vor einigen Jahren zu einem Naturschutzpark erklärt. Der Sperrgebiet-Nationalpark heißt inzwischen Tsau//Khaeb-Nationalpark. Der Bau einer Asphaltstraße zwischen Oranjemund und Rosh Pinah entlang des Oranje-Ufers soll bis Ende 2017 abgeschlossen sein. Sobald Oranjemund für jedermann zugänglich ist, sollen Touristikunternehmen nach erhaltenem Zuschlag Ausflüge in den Tsau//Khaeb-Nationalpark anbieten dürfen. Auch die Schotterstraße (Chamis-Straße) zwischen Oranjemund und Lüderitzbucht durch die Namib-Wüste dürfen Touristikfirmen nach erfolgreicher Bewerbung benutzen.

Es wird auch darüber nachgedacht, den Ai-Ais-Richtersveld Transfrontierpark, der teilweise das Grenzgebiet am Oranje zwischen Namibia und Südafrika einschließt, bis zum Tsau//Khaeb-Nationalpark auszudehnen. 

2008 entdeckten Arbeiter von Namdeb im Abbaugebiet bei Oranjemund in Strandnähe etwas Aufregendes: ein fast 500 Jahre altes Schiffswrack. Es wird vermutet, dass es das portugiesische Segelschiff „Bom Jesu“ ist, das 1533 nahe der Mündung des Oranje gesunken war. Archäologen fanden am Wrack hunderte Goldmünzen sowie Kanonen und Navigationsgeräte. In Oranjemund soll ein Museum gebaut werden, wo Touristen diese einmaligen Funde betrachten können.

Der ungehinderte Zugang zu Oranjemund nach der offiziellen Übergabe Ende 2017 ist ein neues Kapitel in der Ortsgeschichte. 

Brigitte Weidlich

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