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Eine Doline mit Geschichte: Der Otjikoto-See

Avatar of inke inke - 01. Dezember 2017 - Entdecken Sie Namibia, Tourismus


An der B1, rund 20 Kilometer nordwestlich von Tsumeb, liegt ein Karstsee, um den sich faszinierende Geschichten ranken. Er heißt Otjikoto-See und ist einer von nur zwei natürlichen Seen in Namibia.

Die einheimischen Völker wussten seit uralten Zeiten von der mit Wasser gefüllten Doline. Es ist überliefert, dass dort mit Kupfer vom Malachit-Hügel in Tsumeb gehandelt wurde. Einst kamen die weiter nördlich lebenden Ondonga zum Otjikoto-See, um Waren wie Äxte, Hämmer, Messer, Speere, Pfeilspitzen, Töpfe, Tabak, Salz und Glasperlen gegen Kupfererz zu tauschen.   

Der runde See im Dolomitgestein erhielt den Namen Otjikoto – tiefes Loch – von den Ovaherero, die sich später dort ansiedelten. Die San jedoch fürchteten sich vor dem unergründlichen Gewässer und nannten es Gaisis, was „sehr hässlich“ bedeutet. Es wird erzählt, dass die Forschungsreisenden Francis Galton und Charles Andersson, die 1851 von Walvis Bay aufbrachen, um den Ngami-See (in Botswana) zu finden, drei Monate später am Otjikoto-See eintrafen. Sie erfrischten sich im kühlenden Wasser und stiegen unversehrt wieder an Land – sehr zum Erstaunen der Ovaherero und Owambo in ihrer Reisegruppe, die damit gerechnet hatten, dass sie in den Tiefen der Doline verschwinden würden.    

Mitte 1915, kurz bevor der 1. Weltkrieg in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika endete, versenkte die Schutztruppe Munition, Maschinengewehre und Feldgeschütze im Otjikoto-See, damit sie bei der Kapitulation nicht in die Hände des südafrikanischen Gegners geraten würden. Erst zu Beginn der Achtzigerjahre gelang es Tauchern, die Waffen zu bergen. Sie wurden restauriert und sind seither im Khorab-Saal im Museum von Tsumeb zu sehen.   

Die geologische Geschichte der Doline reicht 700 Millionen Jahre zurück, als die Verkarstung des Dolomits begann: Regenwasser sickerte durch das Karbonat-Gestein und löste es langsam aber sicher auf. Der Otjikoto-See ist eine für Karstlandschaften typische Erscheinung. Ursprünglich war er eine Höhle, die nahe der Erdoberfläche entstand. Als die Decke zu schwer wurde, brach sie ein und wurde zur Sinkhöhle – ein trichterförmiger Krater, der als Doline bezeichnet wird. Liegt der Boden einer Doline unter dem Grundwasserspiegel, füllt sie sich mit Wasser und wird Karstsee genannt.  

Der Otjikoto-See hat einen Durchmesser von rund 100 Metern und eine Oberfläche von 7 075 m². Die Tiefe wechselt zwischen 62 Metern am Rand und 71 Metern in der Mitte, bis hin zu mehr als 100 Metern an bestimmten Stellen. Es wird vermutet, dass der Otjikoto-See unterirdisch mit dem 15 km entfernten Guinas-See verbunden ist.

Ron Swilling

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