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Namibias Wirtschaft auf den Punkt – November 2017

Avatar of inke inke - 01. Dezember 2017 - Wirtschaft

Es war ein Monat mit einem ziemlichen Auf und Ab für die Wirtschaft, einerseits mit zwei besseren internationalen Einstufungen, andererseits durch die Herabstufung auf Ramsch-Niveau von der Rating-Agentur Fitch. Das Parlament verabschiedete einen Zusatzhaushalt von N$4,1 Milliarden, etwa (61,5 Millionen Euros). Die Inflation ist im Oktober auf 5,2 Prozent gesunken im Vergleich zu 5,6 Prozent im September. Im November wurden nur wenige Regenfälle gemeldet, nachdem es im Oktober gut geregnet hatte. Diesen Monat wurden insgesamt 1.100 Neuwagen verkauft, 63 weniger Fahrzeuge als im Vormonat. 

Weiterhin Aufschwung im Tourismus

Der Tourismussektor in Namibia trägt 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Dies teilte Manus Grobler, Leiter der Abteilung „Strategic Banking“ bei der Standard Bank mit. Grobler machte diese Feststellung anlässlich des dreißigjährigen Bestehens des Gastgewerbe-Verbandes Hospitality Association of Namibia (HAN). An der Jubiläumshauptversammlung und dem Touristikforum nahmen 130 Delegierte verschiedener Unternehmen und Gastbetriebe teil, eine Rekordanzahl. Am Gala-Abend wurden abschließend die jährlichen Ehrungen und Öko-Auszeichnungen verliehen. Anett Kötting vom Hotel zum Kaiser in Swakopmund wurde als HAN-Persönlichkeit des Jahres 2017 ausgezeichnet. Tristan Böhme von der Okonjima Lodge wurde zum Hotelier 2017 gekürt. Der Geschäftsführer von Namibia Breweries, Wessie van der Westhuizen, erhielt die Auszeichnung Tourismus-Persönlichkeit des Jahres 2017. Die Namib Desert Lodge der Firma Gondwana Collection erhielt die Öko-Auszeichnung „Fünf Blumen“ (Five Flowers), vergleichbar mit fünf Sternen.

Gondwana Collection expandiert 

Das Touristikunternehmen Gondwana Collection hat am 1. November seinen Angestellten, die seit 12 Monaten und länger dort arbeiten, Anteile übertragen. Dies gilt für festangestellte Mitarbeiter. Gondwana-Geschäftsführer Gys Joubert nannte diesen Schritt einen Meilenstein in der 22-jährigen Geschichte des Unternehmens. Gondwana verzeichnete für 2017 ein Wachstum von 15 Prozent und eine Zimmerbelegung von durchschnittlich 67 Prozent. Derzeit baut das Unternehmen eine neue Lodge im Süden Namibias, die den Namen „The Desert Grace“ tragen wird. Im November wurde Gondwanas neue Zambezi Mubala Lodge (ehemals Kalizo Lodge) 40 km östlich von Katima Mulilo eröffnet.

NAPHA gegen Gatterjagd

Namibias Verband der Berufsjäger hat sich klar gegen die Gatterjagd ausgesprochen. Dies betrifft das Züchten von Löwen auf Farmen in Gehegen, die Trophäenjäger dann als „wilde“ Löwen erschießen. Südafrikas Berufsjagdverband hat diesen Monat die Gatterjagd gutgeheißen. Die Namibia Professional Hunting Association (NAPHA) verurteilte diesen Beschluss als unethisch. Auch Umwelt- und Tourismusminister Pohamba Shifeta sagte öffentlich, er werde Gatterjagd nicht unterstützen. Auf der Jahreshauptversammlung der NAPHA am 28. November kündigte Shifeta ein neues Gesetz für die Verwaltung und Handhabung von Wildtieren an. Gemeinsam mit NAPHA werde ein Verhaltenskodex für die Trophäenjagd und für Jäger erarbeitet. Trophäenjagd auf kommerziellen Farmen erwirtschaftet jährlich N$450 Millionen (etwa 30 Millionen Euros) und N$50 Millionen (etwa 3,4 Millionen Euros) in kommunalen Hegegebieten. 

Diesen Monat weihte Minister Shifeta ein neues Camp für die Anti-Wilderer-Einheit im Etosha Nationalpark ein. Die Kosten betrugen eine Million Namibia Dollar. Der Global Environment Fund (GEF) und die japanische Regierung zahlten die Unkosten. Bedauerlicherweise wurden diesen Monat drei weitere Nashörner gewildert, diesmal auf Farmen. 2017 wurden insgesamt bisher 30 Nashörner gewildert.

Namibia erhält N$155,9 Millionen (etwa 10 Millionen Euros) vom UN-Klimafonds, um im Nordosten des Landes der ländlichen Bevölkerung die Anpassung an den Klimawandel zu erleichtern. Die Gelder werden bis 2022 in den Regionen Kavango Ost und West und Sambesi angewendet.

Russischer Oligarch will mehr Farmen

Der russische Milliardär Raschid Sardaroff besitzt in Namibia die Marula Game Ranch auf 48.000 Hektar Farmland bei Dordabis. Sardaroff möchte weitere 18.000 ha dazukaufen. Durch seinen Notar ließ er eine ganzseitige Anzeige in verschiedenen lokalen Tageszeitungen abdrucken. Darin versprach Sardaroff N$24 Millionen an verschiedene Regierungsbehörden zu spenden, falls Namibias Regierung dem Landzukauf zustimmt. Ausländer dürfen in Namibia keine Farmen besitzen und nur bis zu 50 Prozent Anteile mit namibischen Geschäftspartnern. 

Weitere Investitionen

Eine Tochterfirma des Diamantkonzerns De Beers hat ein neues Schiff in Auftrag gegeben. Debmarine Namibia investiert US$ 142 Millionen (etwa N$2 Milliarden) in das neue Schiff, das 176 m lang sein wird. Anfang 2021 soll es in Betrieb genommen werden, um Diamanten vor Namibias Küste zu suchen.

Die Windhoeker Stadtverwaltung will in eine neue Wasseraufbereitungsanlage investieren. Sie soll rund N$1,1 Milliarden (etwa 73 Millionen Euros) kosten und neben der existierenden Anlage bei Gammams gebaut werden. Wasserknappheit und eine wachsende Bevölkerung machen diese Investition notwendig. 

In der Hafenstadt Walvis Bay hat der Fischereibetrieb Ehika Fishing N$27 Millionen (etwa 1,8 Millionen Euros) in neue Kühlanlagen und eine Fischverarbeitungsanlage investiert. Dort sollen Makrelen zu Fischbrot und Fischwürsten verarbeitet werden. 

Im November besuchte je eine Wirtschaftsdelegation aus Russland und China Namibia, um sich nach Investitionen umzusehen. Die nationale Planungskommission unterzeichnete ein Abkommen mit einer chinesischen Firma für den Ausbau einer doppelspurigen Autobahn von Windhoek zum Hosea-Kutako-Flughafen. 

Eine hiesige Handelsbank bietet nun an Geldautomaten die Sprachen Deutsch, Otjiherero und Oshiwambo an. Bisher erschienen die Sprachen auf den Bildschirmen der Geldautomaten nur in English und in Afrikaans.

Zwei Meilensteine 

Namibias Karakul-Industrie wurde 110 Jahre alt. Die ersten Karakulschafe wurden 1907 eingeführt. Trotz mancher Höhen und Tiefen bleibt die Karakul-Industrie ein fester und wichtiger Bestandteil der Landwirtschaft.

Die Firma „Salt Company“ in Swakopmund feierte ihr achtzigstes Bestehensjahr. Die Firma gewinnt Salz aus Meerwasser und wurde im November 1936 von Rudolf Klein gegründet. Die Familie Klein leitet den Betrieb bis heute, inzwischen ist die vierte Generation hinzugekommen. Der Betrieb produziert jährlich 120.000 Tonnen Salz, meist für den Export. 

Mehr Entwicklung und Beschäftigte

Planungsminister Tom Alweendo hat dem Parlament einen Abschlussbericht über den vierten nationalen Entwicklungsplan vorgelegt. Der National Development Plan 4 (NDP4) wurde von April 2012 bis März 2017 umgesetzt. Etwa 75.444 Arbeitsplätz wurden geschaffen, das Ziel waren 90.000 Jobs. Das Pro-Kopf-Einkommen erhöhte sich von jährlich N$42.000 auf N$47.000 (etwa 3.334 Euros). Absolute Armut wurde von 28 Prozent auf 18 Prozent der Gesamtbevölkerung verringert. Namibia hat den neuesten Statistiken zufolge 2,3 Millionen Einwohner. Nur noch 52 Prozent der Einwohner leben auf dem Lande, 48 Prozent wohnen in städtischen Gebieten. Etwa vierzig Prozent des Wohnraums in städtischen Ballungszentren besteht aus Blechhütten. 

Änderung der Wirtschaftstrategie

Die lokale Tageszeitung The Namibian berichtete am 9. November, dass die regierende SWAPO-Partei auf ihrer monatlichen Politbüro-Sitzung beschlossen habe, die Wirtschaftsideologie zu ändern. Eine Abkehr vom Kapitalismus und eine Hinwendung zum Sozialismus sei beschlossen worden. Die zukünftige sozialistische Ausrichtung der Wirtschaft soll den „namibischen Charakter“ widerspiegeln. Dieser Beschluss wurde dem SWAPO-Parteitag vorgelegt, der vom 23. bis 26. November stattfand. Keine weiteren Einzelheiten wurden bekannt. Die Delegierten wählten eine neue Führungsriege (siehe unseren Artikel Namibias Politik auf den Punkt - November 2017). Die Landfrage wurde ebenfalls erörtert. Der scheidende SWAPO-Generalsekretär Nangolo Mbumba sagte, das Thema Grund und Boden werde auf einem außerordentlichen Parteitag diskutiert, der „hoffentlich 2018 stattfindet“.

Änderungen an der Küste 

Der Anblick von Swakopmund könnte sich bald drastisch ändern, wenn die Pläne für ein Hochhaus von 40 m Höhe in der Nähe des historischen Leuchtturms genehmigt werden. Das Ministerium für städtische und ländliche Planung hat dem Gesuch der Swakopmunder Stadtverwaltung für Hochhäuser bis zu 40 m stattgegeben. Viele Swakopmunder sind dagegen und haben mit einer Unterschriftensammlung begonnen. Im nahegelegenen ruhigen Wohngebiet Langstrand zwischen Walvis Bay und Swakopmund gibt es ebenfalls Veränderungen. Die städtischen Behörden planen eine Asphaltstraße am Strand entlang vor den Häusern der erbosten Anwohner. 

Brigitte Weidlich

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