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Namibias Wirtschaft auf den Punkt – Jahresrückblick 2017

Avatar of inke inke - 30. Dezember 2017 - Wirtschaft


Brigitte Weidlich 

2017 war für Namibia ein zweites Jahr der wirtschaftlichen Engpässe mit Einsparungen seitens der Regierung. 

Wirtschaft schrumpft

Niedrige Rohstoffpreise drosselten den Bergbausektor. Stark schwankende Wechselkurse – der Namibia Dollar ist an den südafrikanischen Rand gekoppelt – verursachten steigende Importpreise und ließen die Wirtschaft schrumpfen. Namibia befand sich von Januar bis September in der Rezession. Wirtschaftsdaten für das vierte Quartal sind erst Anfang 2018 erhältlich. 

Die Regierung musste ihre Ausgaben bremsen, die Staatsschulden stiegen auf fast 43 Prozent des Brutto-Inlandproduktes (BIP) an. Steuereinnahmen sanken, auch durch geringeres Einkommen aus der südafrikanischen Zollunion (Southern African Customs Union – SACU). 

Der Staatshaushalt für 2017–18 blieb mit N$62,5 Milliarden (etwa 41,6 Millionen Euros) fast auf dem gleichen Stand wie 2016–17. Infrastrukturprojekte wurden storniert. Das hat den Bausektor hart getroffen, über 1000 Bauarbeiter verloren durch Entlassungen ihre Arbeit. 

2017 wurden bessere Regenfälle verzeichnet, das brachte nach der Dürre etwas Aufschwung für die Landwirtschaft. Die Lebendviehpreise stiegen an. 

Namibias Zentralbank sieht für 2017 ein Wirtschaftswachstum von nur 0,6 Prozent voraus. Dies teilte die Bank im Dezember in einer Presserklärung mit. Im Juli hatte die Zentralbank noch 1,2 Prozent vorausgesagt. 2016 verzeichnete Namibia ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagte im Dezember ein Wirtschaftswachstum bis zu 4 Prozent für 2018 voraus.

Die Inflation lag 2017 durchschnittlich bei etwa 5,3 Prozent.

Die Regierung hat die Winterzeit abgeschafft, ab 2018 gilt wieder 2 Stunden nach GMT (Greenwich Median Time) für das ganze Jahr.

Im Dezember hat die Europäische Union Namibia auf eine Liste von 17 Staaten gesetzt, die betreffs Steuerreformen nicht mit der EU kooperieren.

Die namibische Regierung hat den Vereinten Nationen erneut bestätigt, dass die UN-Sanktionen gegen Nordkorea eingehalten werden. Angeblich haben alle nordkoreanischen Arbeiter Namibia bis April 2017 verlassen.

Auf Ramsch-Niveau herabgestuft

Zwei internationale Rating-Agenturen haben Namibias internationale Kreditwürdigkeit auf Ramsch-Niveau herabgestuft. Im August stufte Moody‘s Namibia von „Baa3“ auf „Ba1“ (Ramsch) ab. Die Rating-Agentur Fitch folgte im November mit „BB-“, ebenfalls Ramsch.

44 MW Windkraftwerk für Lüderitzbucht

Die namibische Black Economic Empowerment (BEE) Firma United-Africa-Group wird ein 44 Megawatt Windkraftwerk bei Lüderitzbucht bauen. Die Investition beträgt N$1,5 Milliarden (etwa 100 Millionen Euro). Partner ist die britischen Firma Quantum Power. Der Strom wird an das staatliche Stromversorgungsunternehmen NamPower verkauft. Dieser Vertrag wurde im Dezember unterzeichnet. Es ist das erste Windkraftwerk in Namibia.

NEEEF Empowerment-Strategie

Namibia hatte Anfang 2016 eine gerechtere Verteilung in der Wirtschaft angekündigt. Alle Firmen im Privatsektor sollen bald 25 Prozent ihrer Anteile an vorher benachteiligte Namibier verkaufen. Im Dezember 2017 kündigte die Regierung an, dass der erste Gesetzentwurf für das New Equitable Economic Empowerment Framework (NEEEF) überarbeitet wurde. Er soll Anfang 2018 dem Kabinett vorgelegt werden soll. Nachdem das Kabinett diesen Entwurf gutgeheißen hat, wird zu einer öffentlichen Tagung eingeladen.

Aufschwung für Tourismus dauert an

Viele Touristikunternehmen erlebten 2017 einen weiteren Anstieg ihrer Betten- und Zimmerbelegungen. Offizielle Statistiken stehen erst 2018 zur Verfügung. Die Besucherzahlen für das Jahr 2016 wurden erst zum Jahresende 2017 bekannt. 2016 besuchten 1,46 Millionen Touristen Namibia, 5,9% mehr als 2015. Die meisten Touristen kamen aus Angola (398 939) und Südafrika (342 044). Etwa 294 889 Touristen reisten aus Europa an, 26,2% mehr als im Vorjahr. Aus Deutschland kamen 122 142 Touristen, ein Anstieg von 34,6 Prozent.

Das namibische Touristikunternehmen Gondwana Collection erzielte 2017 rund 15 Prozent mehr Wachstum und durchschnittlich 67 Prozent Zimmerbelegung. Das Unternehmen baut zurzeit eine neue Lodge, „The Desert Grace" im Süden Namibias. Im November wurde die Zambezi Mubala Lodge (vormalig Kalizo Lodge) eröffnet. Sie liegt etwa 40 km östlich von Katima Mulilo.

US-Präsident Trump wirbt für „Nambia“

US-Präsident Donald Trump hat mit seinem Versprecher „Nambia“ in New York für Namibia im September weltweit Werbung gemacht. Trump habe durch seinen verbalen Ausrutscher enorm die Werbetrommel für Namibia gerührt, teilte Geingob Journalisten später mit. 

Das Touristikunternehmen Gondwana Collection widmete Trumps „Nambia“-Patzer eine Video-Satire auf YouTube. Im Oktober hatte Südafrikas respektierte Fernsehsendung „Maggs on Media“ darüber berichtet und das Video abgespielt. Moderator Jeremy Maggs bezeichnete Gondwanas Video „als eine der besten [von ihm] gesehenen unbeabsichtigten Werbungen für ein Land“.

Schon kurz nach Trumps „America first“ Antrittsrede im Januar 2017 konterte Gondwana Collection augenzwinkernd mit „Namibia first“ auf YouTube, dieses Video erreichte schätzungsweise fünf Millionen Menschen weltweit. 

Gondwana Collection ernannte Trump im Dezember auf einem Scherzfoto kurzerhand zum „Nambia-Botschafter des Jahres 2017“ samt „Urkunde“.

Oranjemund offen für Besucher 

Oranjemund im Sperrgebiet war wegen des Diamantenabbaus bisher eine „verbotene Stadt“. Seit dem 21. Oktober hat sich das geändert. Sondergenehmigungen und polizeiliche Führungszeugnisse sind nicht mehr notwendig. Der Diamantabbau an Land in der Umgebung von Oranjemund wird 2022 eingestellt. Oranjemund macht sich fit für eine Zukunft ohne Diamanten. Der Tourismus wird dann eine wichtige Rolle spielen. Die neue Asphaltstrasse am Oranjefluss entlang zwischen Rosh Pinah und Oranjemund ist inzwischen fertiggestellt und für den Verkehr geöffnet. 

Schlachthöfe für Eselfleisch

Zwei chinesische Firmen planen je einen Schlachthof für Eselfleisch in Outjo und in Okahandja. Der Windhoeker Tierschutzverein hat gemeinsam mit der britischen Organisation „Donkey Welfare“ vor den Gefahren solcher Schlachthöfe gewarnt.  Mehrere Afrika-Staaten haben inzwischen die Ausfuhr von Eselfleisch und Häuten der geschlachteten Esel nach China verboten. Preise für Esel sind drastisch gestiegen, oft werden die Tiere den Armen auf dem Lande gestohlen und an diese Schlachthöfe verkauft. Die Bevölkerung in ländlichen Gegenden benutzt Esel als Lasttiere und als Transportmittel.

Gondwana Collection hat mit dem namibischen Musiker Ees und der Firma ProStudios ein Video über Namibias Esel produziert. Das Video ist über YouTube mit der Petition „Save our Donkeys“ (Rettet unsere Esel) vernetzt. Tausende Menschen haben die Online-Petition bereits unterschrieben.

Konkurs für SME-Bank 

Namibias Obergericht hat durch ein Urteil Ende des Jahres den endgültigen Konkurs der staatlichen SME-Bank bekräftigt. Von Juli bis September war die Bank übergangsweise unter Konkursverwaltung. Zwei vom Gericht ernannte Konkursverwalter sollen die Bank nun abwickeln. Die Bank war gegründet worden, um kleinen Betrieben Kredite zu ermöglichen. Die Geschäftsführung hatte jedoch N$200 Millionen außerhalb Namibias dubios investiert.

Diamantsektor investiert

Gründungspräsident Sam Shafishuna Nujoma hat im Juli in Walvis Bay das weltweit größte und modernste Diamantsuchschiff getauft. Debmarine Namibia, eine Tochterfirma von Namdeb – letztere gehört zu gleichen Teilen dem Diamantriesen De Beers und Namibias Regierung – investierte N$2.3 Milliarden (etwa 154 Millionen Euros) in das Schiff. Ein Teil der Summe wurde durch einen Bankenkredit gesichert. Das 113 m lange Suchschiff wurde von der Kleven-Schiffswerft in Ulstenvik in Norwegen gebaut. Zum Jahresende gab Debmarine Namibia bekannt, dass bei Kleven nun ein weiteres Schiff in Auftrag gegeben wurde. Bis Anfang 2021 soll Kleven ein 176 m langes Schiff für den Diamantabbau im Ozean für N$2 Milliarden (etwa 133 Millionen Euros) fertigstellen.

Kredit von Entwicklungsbank

Finanzminister Calle Schlettwein teilte mit, dass die Afrikanische Entwicklungsbank der Regierung einen Kredit von N$10 Milliarden (etwa 660 Millionen Euros) gewährt hat. Der Kredit wird in zwei Tranchen über zwei Jahre ausgezahlt. N$6 Milliarden der Summe sind für die Deckung des Haushaltsdefizits von N$6,1 Milliarden vorgesehen, die Restsumme für staatliche Infrastrukturprojekte.

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