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Mit dem Duster durch die Wüste

Avatar of inke inke - 03. Januar 2018 - Gondwana Collection, Tourismus


Brigitte Weidlich

Da steht er, silbrig schimmernd im Sonnenlicht, recht schick, etwas kantig und breitbeinig mit dem hübschen Namibia2Go-Logo auf den Wagentüren. Eigentlich ein bequemes Fahrzeug für die Stadt, mit viel Platz für Kinder, Einkaufstüten und die Hunde. Der soll Allrad-Antrieb haben? So steht es im Angebot.

Immerhin hat der Wagen vorn und hinten Unterbodenschutz und Bodenfreiheit von knapp zwanzig Zentimetern, liegt also höher als bei Personenwagen üblich ist. Die 16-Zoll Felgen tragen gute Reifen. Tatsächlich, der Dacia Duster (in Afrika wird er unter dem Markenzeichen Renault verkauft) hat „4WD“ und hat es auch sonst in sich. Ich öffne die Fahrertür, Anja von der Abteilung Namibia2Go des Touristikunternehmens Gondwana Collection setzt sich auf den Beifahrersitz und weist mich ein. 

Ich soll den Duster in der Kalahari testen. Mit einem Blick ist klar, dieser Wagen hat modernen Personenwagenkomfort mit voller Offroad-Geländegängigkeit, viel Platz zum Sitzen und einen 475-Liter Gepäckraum. 

Die Firma Gondwana Collection bietet Selbstfahrern ein Gesamtpaket mit firmeneigenen Duster-Fahrzeugen auf vier verschiedenen Routen quer durch Namibia an mit Übernachtungen auf den 18 eigenen Lodges. Ein „Tablet“ sowie die in Namibia übliche „Coolbox“ (Kühltasche) und eine Thermoskanne werden mitgeliefert. Mit dem Tablet können auch Anrufe innerhalb Namibias gemacht werden. 

Einweisung  ist notwendig

Anja ist auf einer namibischen Farm aufgewachsen und hat diese herzliche, pragmatisch-praktische Art, wie viele namibische Frauen. „Der Wagen braucht Diesel als Sprit, das steht auch auf dem Tankdeckel“, sagt sie. „Der Duster hat  sechs Gänge, der Rückwärtsgang ist etwas ungewohnt: Ganghebel hochheben und dann nach vorne links, versuch es mal“, fordert sie mich auf. Ganghebel nach vorne, obwohl man rückwärts fährt? Ich bestehe diese Trockenprobe. Beim Rückwärtsfahren piept der Wagen kurz, kommt man zu nah an einen Pfahl oder einen anderen Wagen, piept er wieder.  

Jetzt zeigt sie mir unten bei der Gangschaltung den Schalter mit Allrad-Antrieb, der mich sofort an tiefroten Kalahari-Sand und schwierige Kurven auf Schotterstraßen denken lässt, die der Duster und ich meistern werden. Was bin ich doch für ein Glückspilz! 

„Normal oder 2WD (Two-wheel-drive) sollte man auf Asphaltstraßen einstellen und wenn die Schotterstraßen nicht so gut sind oder Sand zu vermuten ist, dann ist es besser auf ‚Auto‘, also automatisch, einzustellen“, holt mich Anjas Stimme wieder zurück. Nur bei ganz schwierigem Terrain soll auf „4WD“ umgestellt werden, beispielsweise wenn nach Regengüssen Wasserpfützen auf Schotterstraßen und Sandpisten sind.  

Navigationsgerät

Jetzt ist das als Serienausstattung eingebaute Navigationsgerät mit Sieben-Zoll-Touchscreen dran, übrigens nur bei den Duster-Modellen Blackshadow und Prestige. Bei anderen Modellen können sie zu einem Aufpreis eingebaut werden, (falls man nach einer Namibia-2-Go Reise selbst einen Duster besitzen möchte – diese „Gefahr“ besteht durchaus!) 

Abgesehen von namibischen Radiosendern, die gehört werden können – für eigene Musik ist ein USB-Anschluss vorhanden – gibt es Bluetooth fürs Handy. Die Namibiakarte zeigt an, wo man sich gerade befindet, die Koordinaten für alle Gondwana-Unterkünfte unterwegs sind eingegeben. Falls man grad nicht weiß, wo man sich befindet, kann man „Wo befinde ich mich?“ antippen und das Navi gibt Auskunft – sehr beruhigend. 

Manche Einstellungen kann man vom Steuerrad aus bedienen. Blinker, Scheinwerfer, Klimaanlage, Scheibenwischer, manuelle Spiegelverstellung unterhalb des Ganghebels, elektronische Bremskraftverteilung… Mir schwirrt langsam der Kopf. 

Dann das Finale: „Wir haben alles so eingestellt, dass die Selbstfahrer auf Teerstraßen maximal 120 Stundenkilometer fahren können, sonst piepst es“, erklärt Anja. „Auf Sand- und Schotterpisten sind bis zu 80 Kilometer möglich, ebenso wenn nachts gefahren werden muss.“ Es piepst nicht nur im Duster, wenn man das Tempolimit überschreitet, Anja erhält jedes Mal eine SMS/E-Mail auf ihrem Handy. Gondwana Collection kann von Windhoek aus verfolgen, wo die einzelnen Duster der Gesamtflotte gerade unterwegs sind. Falls doch mal eine Autopanne passiert, sind die Kunden schnell geortet. Übrigens ist es in Namibia Vorschrift, auf allen Fernstraßen die Scheinwerfer einzuschalten.

Der Duster bewährt sich

Wir fahren los, Richtung Süden. Der Wagen liegt sehr gut auf der Straße, der Dieselmotor ist kaum zu hören, dank guter Dämmung. Hinter Rehoboth geht es auf der Asphaltpiste noch bis Kalkrand, dann lockt die Weite der Kalahari. Man biegt in Kalkrand ab, Richtung Osten, man landet auf dem Schotter und nach nur wenigen Kilometern im roten Sandmeer. Die Kalahari-Dünen ziehen sich von Nordwesten nach Südosten über viele Kilometer hin und sind weiter auseinander gelegen als auf der Strecke Stampriet-Aranos. 

Der Duster „006“ ist inzwischen auf „Auto“ eingestellt worden. Sanft geht es über die gewellten Dünen, tiefrot ist der Kalahari-Sand, in dem bis vor knapp 70 Jahren noch die Ureinwohner, die Buschleute oder San, lebten. Die ersten Kameldornbäume mit den riesigen Webervogelnestern werden sichtbar. Zwischendurch ist die weiß aufgeschüttete Piste rot, das brummt so schön, wenn man mit dem Wagen darüber fährt. 

Jetzt kommt dicker Sand auf einer Anhöhe. „Dusty, das wird Deine erste Probe“, sage ich in Gedanken zu dem Auto. Runter schalten vom sechsten auf den vierten Gang, Tempo runter auf Sechzig, das Steuer gut festhalten. Dusty und ich kriegen das hin, das Heck rutscht nicht weg, der Wagen zieht prima  durch den Sand. Der Trick ist: möglichst nicht bremsen! 

So geht es noch ein paar Mal, dazwischen eine Stelle mit richtig tiefen Furchen in einer Kurve auf einer Düne oben. Diese drei Befindlichkeiten auf einem Schlag kommen etwas überraschend! Den Fuß vom Gas nehmen, in den vierten Gang schalten, Steuer fest umfassen und durch! Lässig lässt Dusty sein Heck ein ganz klein wenig nach links gleiten, der Vorderantrieb aber greift, alles bestens. 

Bei Hoachanas auf dem Weg zum (Gondwana) Kalahari Farmhouse regnet es, ein paar Pfützen werden mühelos bewältigt. Die weiße Piste entlang des Auob-Flusses ist nass und es ist besser, auf Tempo 60 zu verlangsamen. Nach einem schönen Sonnenuntergang mit Regenwolken kurz vor Stampriet parke ich den Duster vor dem Kalahari Farmhouse. Ein üppiger Garten fällt ins Auge, Stampriet hat viel Wasser. Hinter dem Gebäude ist eine Quelle – mitten in der Kalahari! 

Das Abendessen in dem gemütlichen Hauptgebäude ist hervorragend, die Bedienung aufmerksam und freundlich. Die Zimmer im Farmhausstil sind urig, Schaukelstühle auf jeder Veranda, alles lädt zum längeren Verweilen ein.

Vor der Abfahrt am nächsten Morgen zeigt mir das Manager-Ehepaar Breshnef und Farieda die beeindruckenden Gewächshäuser. „Die Gondwana-Lodges sind zu 70 Prozent selbstversorgend, wir bauen hier Gemüse an und in der Schlachterei verarbeiten wir (zumeist) Wildfleisch zu verschiedenen Wurstsorten. Wir machen Rauchfleisch auf die althergebrachte Art, Steaks gibt es auch“, erklärt Diergaardt. Firmeneigene Kühlwagen liefern alles in den Gondwana-Lodges ab, bis zur Sambesi-Region. Sehr beeindruckend.

Dusty und ich verabschieden uns, wir wollen am Auob entlang nach Gochas und nach Aranos. Die Kalahari ruft. Knorrige Kameldornbäume bieten den Schafen auf den Farmen Schatten. Farmhäuser liegen manchmal abseits versteckt hinter Dünen, mal dicht an der Piste. Mittags rasten wir auf einer Düne. Diese Weite und Stille, der weiche, fast blutrote Sand – hier kann der Stadtmensch innerlich ein paar Gänge runterschalten. 

Die Straße von Aranos nach Mariental über Stampriet ist asphaltiert. Es macht Spaß, den Duster wieder mit höherem Tempo zu fahren. Kurz vor Mariental liegt das nächste Ziel, die Kalahari Anib Lodge. Sie ist weitläufig angelegt mit 51 Zimmern, an der Wasserstelle stehen einige Eland-Antilopen. Um 16.30 Uhr beginnt die Wildrundfahrt, standesgemäß im offenen Landcruiser – mit Allrad natürlich. Wir sehen viel Wild, sogar Steppenzebras und Giraffen. Giraffen auf roten Dünen – ein einmaliger Anblick. 

Zum „Sundowner“ bereiten die Fahrer/Tourguides kühle Drinks aus der mitgebrachten „Coolbox“. Die Sonne verabschiedet sich vom Tag in goldroten Farben. Auf der Rückfahrt durch den Busch wirken die vielen tollen Eindrücke nach. Ein riesiger Vollmond zeigt sich am Himmel, steigt schnell höher. 

Beim Abendessen im großen Restaurant mit warmen Holztönen und angrenzender Terrasse bildet das Personal plötzlich eine Gruppe und erfreut  die Gäste mit traditionellen Liedern und Tanzeinlagen.

Vor der Abfahrt am nächsten Morgen steht noch eine Fahrt mit dem Elektro-Fahrrad auf dem Programm. Die sogenannten E-Bikes oder Fat-Bikes (wegen der dicken Reifen) summen die Fahrspur entlang, mühelos und leise im Busch an Kudus und Springböcken vorbei, ein besonderes Erlebnis.

Auf der Rückfahrt über Uhlenhorst und Dordabis nach Windhoek wechselt die Landschaft: Die Kalahari weicht der Savanne, später fährt man durch dichten Busch mit hohen Kameldornbäumen. Der Duster ist nicht nur bequem, er meistert mühelos jedes Terrain.

Weitere Informationen finden Sie unter Namibia2Go, oder wenden Sie sich an Anja.

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