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Okavango Wilderness Projekt: Mit dem Mokoro über 4500 km durch drei Länder

Avatar of inke inke - 11. Januar 2018 - Umwelt

Götz Neef, der einzige Namibier in der Gruppe zusammen mit der einzigen Angolanerin, bildeten eines der sechs Teams während der Expedition vom Ursprung des Cuito bis zum Ende des Okavango-Deltas.

Dirk Heinrich

Der studierte Botaniker und Entomologe Götz Neef gehört seit 2015 der Forschergruppe des Okavango Wilderness Projekts an. Der damals 27-jährige Namibier stieß auf Betreiben seines Professors zu dem Projekt. Die erste Expedition führte die Forschergruppe auf dem Wasserweg 2414 km weit vom Ursprung des Cuito im Hochland Zentral-Angolas durch Namibia bis zum Ende der Wasserläufe südlich des weltberühmten Okavango-Deltas in Botswana. 

„Ich sollte als Entomologe mitkommen und regelmäßig Wasserproben des Cuito und später des Okavango nehmen. Gleich am Anfang fragte mich Expeditionsleiter Dr. Steve Boyes, ob ich Sport treibe und wie gut meine Balance sei. Kurz darauf musste ich eines der sieben Glasfiber-Mokoros steuern“, sagte Götz Neef Anfang August 2015 am namibischen Ufer des Okavango. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Gruppe bereits über 1000 Kilometer auf dem Cuito quer durch Angola zurückgelegt.

Der Beginn der Expedition war beschwerlich. Die Mitglieder mussten die sechs Meter langen Einbäume (Mokoros) aus Glasfiber wegen der engen Windungen des dort noch schmalen Cuito über Land ziehen. Einige Tage wurde Neef eine weitere Aufgabe zugeteilt. Jeden Abend musste er Reusen auslegen, am nächsten Morgen den Fang auswerten und für wissenschaftliche Zwecke präservieren.

Im ersten Jahr arbeitete Neef, ohne einen Cent zu verdienen. „Für mich war und ist dieses Projekt eine einmalige Gelegenheit und Erfahrung. Mit meiner Teilnahme möchte ich aber auch junge Leute vor allem in Namibia darauf aufmerksam machen, dass Wissenschaft und Forschung gebraucht werden“, betonte Götz Neef vor zwei Jahren. Heute ist der junge Namibier einer der wenigen festangestellten Experten des Projektes, welches offiziell Ende 2018 auslaufen soll. Neef ist Manager für Forschung, Proben und die wissenschaftliche Sammlung.  Gesponsert wird die Okavango-Expedition von der National Geographic Society. Ein Film über die Expedition wird wahrscheinlich demnächst erscheinen. Ein bebilderter Bericht ist in der November-Ausgabe der Zeitschrift National Geographic veröffentlicht worden.

Der ersten großen Expedition folgte eine weitere, um die Seitenarme des Cuito in Angola zu erforschen. 2017 befuhr die Gruppe den Cubango von seinem Ursprung in Angola bis an die Stelle, wo der Cuito an der gemeinsamen Grenze Angolas und Namibias in den Okavango mündet. 55 Prozent des Wassers, welches das Okavango-Delta erreicht, stammt vom Cubango. 

Von dort, wo der Cuito an der angolanisch-namibischen Grenze in den Okavango mündet, bis zur Grenze Botswanas sind es 147 Kilometer auf namibischem Gebiet. Auf dieser Teilstrecke zählten Neef und seine Kollegen 2015 zwei Krokodile, 344 Flusspferde und 79 Elefanten – mehr Tiere als auf den 1000 km in Angola! 2017 wurden während der Cubango/Okavango-Erforschung 336 km vom Grenzposten Katitwi bis zur Cuitomündung im namibischen Grenzgebiet zurückgelegt, da der Fluss hier die Grenze zwischen Namibia und Angola bildet. Dabei kam die Gruppe an der Hakusembe River Lodge westlich von Rundu vorbei.  „Auf dieser Strecke sahen wir fünf Krokodile, 344 Flusspferde und zwei Elefanten neben zahlreichen Vögeln und Insekten“, sagte Neef.

Nachdem am Anfang sehr wenige Säugetiere in Angola gesehen wurden, haben zurückgelassene Kamerafallen erstaunliche Ergebnisse geliefert. Nicht nur Leoparden, die verschiedensten Ducker, Buschschweine und Pferdeantilopen sind an den Ufern der Flüsse zu sehen gewesen, sondern auch Wilde Hunde, ein Mähnenlöwe und ein Gepard. Immer wieder wurden neue Kamerafallen aufgestellt und neue Erkenntnisse über die vielfältige Tierwelt gewonnen. Insgesamt 90 Kamerafallen sind im Einsatz.

„Wir hatten 20 Kamerafallen an einem Weg aufgestellt, den die Bevölkerung vor allem mit Motorrädern benutzt. Wir wollten feststellen, wieviel Wildfleisch gehandelt wird. Als wir nach zwei Monaten zurückkamen, waren aus 13 Kamerafallen die SD-Karten und die Batterien entfernt worden“, sagte Neef. Kleine Widrigkeiten wie diese werden von den Erfolgen aufgewogen. In den vergangenen drei Jahren wurden bei acht Expeditionen 14 neue Pflanzenarten entdeckt, zehn neue Fischarten, sechs neue Amphibien- und Reptilienarten. Vier Vogelarten, die nie zuvor in Angola gesehen worden waren, gehörten ebenfalls zu den Neuentdeckungen. 25 große Säuger sind gesichtet worden, 43 kleine Säugetiere wie Mäuse und Fledermäuse und 66 Vogelarten. Viele der Vogelarten waren zuvor zwar in Angola, aber nicht in diesem südöstlichen Teil des Landes gesichtet worden.

Das Okavango Wilderness Projekt nahm im Jahr 2010 seinen Anfang, als das weltbekannte Okavango-Delta nach ungewöhnlich heftigen Regenfällen in Angola und Namibia wenige Monate zuvor seine größte je bekannte Flut erlebte. „Wir begannen damals mit der Okavango-Feuchtgebiet-Vogelzählung, einem Projekt, das über neuen Jahre läuft. Schon bald wurde uns klar, dass es nicht sinnvoll ist, das Delta allein zu erforschen. So entstand die Idee für das Okavango Wilderness Projekt, mit dem wir das gesamte Flusssystem von der Quelle bis zum Ende kennenlernen wollen, um das Delta zu erhalten”, sagte Dr. Steve Boyes, Gründer des Projekts und Expeditionsleiter. In Angola müsse sehr viel getan werden, da es dort an Naturschutz fehle. Durch die Expedition seien die Behörden und der Gouverneur der Provinz auf das gewaltige Potenzial aufmerksam geworden und „die Hilfsbereitschaft war enorm“. In Namibia werde der Okavango bereits teilweise nachhaltig genutzt und geschützt. Es gebe jedoch noch viel zu tun, wie die derzeitigen Überlegungen zur Wasserversorgung Windhoeks zeigen, für die das Wasser des Okavango genutzt werden soll. Hinzu komme, dass nur in Namibia ein großer Teil des Flusswassers für die Landwirtschaft genutzt wird. Dies sei weder in Angola noch in Botswana der Fall.

„Grenzüberschreitender Natur- und Umweltschutz zwischen Angola, Namibia und Botswana funktioniert nicht. Dies ist aber wichtig, um das Okavango-System zu erhalten und nachhaltig zu nutzen. Das Okavango Wilderness Projekt ist der Anfang, denn unsere gesamten Daten stehen jedem zur Verfügung. Letztendlich kann der Okavango vom Ursprung bis zum Ende des Deltas, dort wo das Wasser in der Kalahari versiegt, zum größten Natur- und Umweltschutzgebiet Afrikas werden, mit unerwarteten touristischen und wissenschaftlichen Möglichkeiten”, betonte Dr. Boyes. Die Bevölkerung und die Regierungen der drei betroffenen Länder müssten die Möglichkeiten erkennen, auch wenn diese in allen drei Ländern grundverschieden sind. „Wir haben bestimmte Gebiete identifiziert, die besondere Aufmerksamkeit verlangen und auf die man sich konzentrieren sollte”, sagte der Projektleiter.

„Das Projekt hat sehr viele Experten auf den Plan gerufen und begeistert. Durch meine Arbeit kann ich von vielen Forschern sehr viel lernen, kann mich mit technischen Geräten vertraut machen und Erfahrungen austauschen“, sagte Neef. Erstaunt war der inzwischen 29-Jährige, dass ihn die Menschen auf der Straße in Swakopmund, wo seine Eltern leben, erkennen.  „Als ich in Amerika National Geographic besuchte, grüßte mich auch jeder, da sie mich auf Fotos und dem Videomaterial gesehen hatten. Das ist schon ein komisches Gefühl“, meinte der junge Forscher.

Neef rät allen Universitätsabgängern, jede Gelegenheit zu nutzen, um Erfahrungen zu sammeln und ihr Wissen zu erweitern. Dies bedeute, auch mal ohne Gehalt zu arbeiten, Entbehrungen in Kauf zu nehmen und hart anzupacken. 

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