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Neue Ära: Erstes Elektro-Auto auf Namibias Straßen unterwegs

Avatar of inke inke - 19. Januar 2018 - Umwelt

Conrad Roedern mit dem ersten Elektro-Auto Namibias. (Foto: Brigitte Weidlich)

Brigitte Weidlich

Knapp ein Jahrhundert nachdem das erste benzingetriebene Fahrzeug 1904 in Namibia eingeführt wurde, wird ein neues Kapitel in der Transportgeschichte geschrieben: Das erste Elektro-Auto rollte im Januar 2018 über die Grenze.

Auf dem ersten Blick sieht der schnittige Kleinwagen in schwarz-weiß mit Heckklappe und Haifischflossen-Antenne auf dem Dach wie jeder andere Neuwagen aus. Beim Öffnen der Kühlerhaube jedoch staunt man – der Motor fehlt. Stattdessen ist ein Kabel mit Stecker zu sehen. Der Wagen braucht weder Kühler noch ein Gehäuse für die Gangschaltung. Viele Fahrzeugteile sind aus starkem Karbonfasermaterial. Conrad Roedern hat das Elektro-Fahrzeug in Südafrika gekauft und es eigenhändig nach Namibia gebracht. Die Grenze überquerte er am 3. Januar östlich von Gobabis. 

„Es war eine epische Reise, da wir zwischendurch immer wieder irgendwo eine konventionelle Steckdose finden mussten, um die Lithium-Batterien zu laden“, sagt Roedern. „Die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, die wir unterwegs von so vielen Menschen in Südafrika und Botswana erfahren haben, war enorm. Bereitwillig wurde uns das ‚Tanken‘ an allen möglichen Steckdosen erlaubt“, erinnert sich Roedern in einem Interview mit Gondwana News Online. „Das Interesse an dem BMW i3 REx war groß, ebenso das Erstaunen über das Auto ohne Motorengeräusch, das ‚nur‘ Strom aus der Steckdose braucht.“

Pionier für erneuerbare Energien

Roedern ist von Beruf Ingenieur, nach seiner Einwanderung aus Deutschland gründete er 1989 in Namibia seine eigene Firma für Solartechnik. Als Pionier für erneuerbare Energien rüstete er einen Mini zum Elektro-Auto um. Mit diesem weißlackierten Fahrzeug demonstrierte er den Windhoeker Bürgern, dass es auch ohne fossile Treibstoffe gehen kann. Später rüstete Roedern einen Fiat Uno ebenfalls um, den der 2-Meter-Mann bis vor wenigen Monaten täglich fuhr. Der Uno hat eine Sonnenblume (aus Plastik) am Auspuff.

Der Ingenieur befindet sich seit kurzem teilweise im Ruhestand. 2017 besuchte er Verwandte und Freunde in Deutschland und probierte einige E-Fahrzeuge aus, darunter das seines Bruders. 

„Ich wollte auch ein Elektro-Fahrzeug besitzen, nicht nur für mein eigenes Fahrvergnügen, sondern um ein Exempel zu statuieren, dass man auch in Namibia umweltfreundlich fahren kann. Eine Energiewende kann nur durch ähnliches Umdenken im Verkehr erreicht werden“, sagt Roedern. „Man muss bei sich selbst anfangen. Ich beschloss, zu dieser Wende beizutragen.“

Hindernisse auf dem Weg

Es nicht so leicht Elektro-Autos im südlichen Afrika zu kaufen. Obwohl BMW seine selbst entwickelten Elektro-Modelle i3 und i8 im März 2015 in Südafrika auf den Markt brachte, werden sie weder in Namibia noch in Botswana verkauft. Der Grund: BMW muss erst seine Verkaufsfilialen dort auf die dazugehörige neue Dienstleistung und Wartung vorbereiten und schulen. Es gibt noch keine öffentlichen Schnell-Ladestationen für E-Autos in Namibia. 

Ein Kunde kann also nicht eben mal schnell bei einem Autoverkäufer in Windhoek ein Elektro-Auto bestellen und importieren lassen. 

Roedern suchte im Internet und fand einen Vorführwagen, den eine BMW-Vertretung in Durban, Südafrika zu einem „guten Preis“ anbot. Der hatte nur knapp über 3.000 Kilometer auf dem Tacho. Roedern wurde sich mit Durban schnell einig und flog kurz vor Weihnachten 2017 hin, begleitet von Lebensgefährtin und Navigatorin Wiebke Volkmann. 

Beim Einchecken am Hosea-Kutako-Flughafen bei Windhoek schauten die Beamten argwöhnisch auf die beiden One-Way Flugtickets. Roedern musste feierlich geloben, nicht lange in Südafrika zu bleiben, sondern nur sein Auto abzuholen und rasch nach Hause zu fahren. 

In Durban stand der i3 auf dem roten Teppich bereit, von einem Tuch verdeckt, das unter Beifall und Glückwünschen der Belegschaft für den neuen Eigentümer weggezogen wurde.  

„Ich erhielt eine kurze Einweisung und dann fuhren wir drei los - das Auto, Wiebke und ich, das war schon ein besonderer Moment“, erinnert sich Roedern. 

Sie blieben ein paar Tage in Durban, um sich an das neue Fahrgefühl zu gewöhnen. Roedern studierte das i-3 Handbuch und wies auch seine Navigatorin in das E-Auto ein. 

Die Heimreise beginnt

Die Frage ,,Haben Sie mal ‘ne Steckdose für mein Auto?“ fand gleichermaßen offene Ohren bei Freunden und fremden Menschen. Der Heimweg wurde angetreten. Einen Tag vor Silvester wurde die Grenze zu Botswana erreicht. Da gab es bei den Zollbeamten einige zeitraubende Hürden zu überwinden und viel Papierkrieg hüben und drüben zu erledigen. „Trotz alledem war die Hilfsbereitschaft der Beamten und sogenannten ,,clearing agents“, die Einfuhr- und Ausfuhrpapiere bewältigen helfen, enorm, wir durften sogar die Steckdose der Zollbeamten zum Laden benutzen“, schwelgt Roedern in Erinnerung an die Grenzabwicklung. Das Staunen über das E-Auto war groß, auch an der Grenze. 

Konventionelles ‚back-up‘

Es war schon recht abenteuerlich quer durch Botswana zu fahren, ohne zu wissen wo es die nächste Steckdose gibt. Doch der BMW i3 REx hat auch zusätzlich eine Hybrid-Lösung, genannt ‚range extender (REx)‘. Ein Mini-Tank für Benzin und eine kleiner Zwei-Zylindermotor treiben den eingebauten elektrischen Generator an, der Strom liefert. Dadurch kann der Wagen noch 120 bis 150 km weiter fahren als die bis zu 160 km mit Batterien, je nach Fahrweise.

Ein weiterer besonderer Augenblick war als das Auto auf der 2,600 km langen Reise am 3. Januar namibischen Boden berührte. „Mit einem Gefühl der Referenz und großer Freude rief Conrad: ‚Wir bringen das erste Elektro-Auto nach Namibia!“ erinnert sich Volkmann.

Namibias Verkehrsentwicklung ist seit 1904 mächtig vorangekommen. Wie es scheint ist die hiesige BMW-Niederlassung inzwischen interessiert, die i3-Modelle nach Namibia zu bringen, sagt Roedern.

Das erste Benzinauto landete 1904

Das erste benzingetriebene Fahrzeug kam in Namibia am 15. Mai 1904 mit dem Schiff an. Der Motor hatte 30 Pferdestärken. Namibia hieß damals Südwestafrika und stand unter kaiserlicher Kolonialherrschaft. Die Initiative für den modernen Transport ging von Oberstleutnant Edmund Troost aus. Troost diente in der kaiserlichen Schutztruppe. Das Fahrzeug war für den Materialtransport für die Truppen vorgesehen, schreibt Wolfgang Reith in seinem Buch ,,Autos und Flugzeuge in den deutschen Kolonien“. Ein zweites Vehikel vom selben Typ wie der Erstling traf am 24. Mai 1904 ein.

Das erste Allradfahrzeug weltweit

Das aller erste Fahrzeug mit Allradantrieb weltweit wurde 1907 von der Firma Daimler in Deutschland gebaut. Es war ein Unikat und für den Staatssekretär des Reichskolonialamtes Bernhard Dernburg bestimmt. Dieser wollte 1908 eine Dienstreise in die Kolonie Südwestafrika unternehmen. Der sogenannte „Dernburg-Wagen“ wog 3.6 Tonnen, hatte einen Vier-Zylinder-Motor mit 35 PS und war auf dem Chassis eines Lastwagens montiert. Die Fahrpremiere war allerdings enttäuschend, das riesige Vehikel hatte einfach zu viele technische Probleme. Der Chauffeur dieses Ungeheuers war der Polizist Paul Ritter.

Das Fahrzeug verschwand 1914 in den Wirren des Ersten Weltkrieges und tauchte nicht wieder auf. Ritter jedoch wurde 1919 von der südafrikanischen Besatzungsmacht deportiert. Anfang der zwanziger Jahre durfte er ins Land zurückkehren. Er gründete die später überall bekannte Autowerkstatt Ritters Garage. Später wurden auch zusätzlich Neuwagen verkauft. Ritters Garage blieb bis 2012 im Familienbesitz, dann wurde sie von dem namibischen Geschäftsmann Aupa Frans Indongo übernommen. 

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