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Ein Junge aus Opuwo greift nach den Sternen

Avatar of inke inke - 08. Mai 2018 - Entdecken Sie Namibia


Wussten Sie, dass ein in Namibia geborener Raumfahrtingenieur und Wissenschaftler eine Marsmission leitet? Dr. Japie van Zyl hat bei der NASA den Posten des Direktors für die Erfoschung des Sonnensystems inne. Am 5. Mai startete seine InSight Mission (Interior Exploration using Seismic Investigations, Geodesy and Heat Transport) zum Mars, bei der ein stationärer Landeroboter auf der Oberfläche abgesetzt wird, um die frühgeologische Entwicklung des Mars zu erforschen. Sie fragen sich, wie es ein Junge aus Opuwo zu den Sternen geschafft hat? Manni Goldbeck hat mit Dr. Japie van Zyl gesprochen, als er 2012 zu einem Besuch in Namibia weilte. 

An diesem vielversprechenden Tag, dem 20. Juli 1969, betrat Japies Mutter sein Zimmer in Opuwo im Nordwesten Namibias und weckte ihn. „Du wirst in deinem Leben noch mehr als genug Zeit haben zu schlafen“, sagte sie, als sie ins Wohnzimmer eilten und sich vor das Radio setzten, das knackte und kratzte. Schließlich ertönten Neil Armstrongs legendäre Worte: „Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit.“ Damit setzte Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond. 

Heute, viele Jahre später, gehört Dr. Jakob van Zyl dem NASA-Team des ‚Mars Science Laboratory‘ an, einer 2011 gegründeten Einrichtung zur Erforschung des roten Planeten. Er ist mit Buzz Aldrin befreundet, der an jenem denkwürdigen Tag gleich nach Neil Armstrong als zweiter Mensch den Mond betrat. Als Junge hatte Japie in seinem Zimmer in Opuwo ein signiertes Poster der Apollo 11 Besatzung an der Wand hängen und davon geträumt, diese Männer eines Tages kennenzulernen. Er erinnert sich an Ereignisse, die sein Leben und seine Karriere geprägt haben.

Japies Vater, Ben van Zyl, war von 1942 bis 1981 Kommissar des Kaokovelds. Der van Zyl‘s Pass trägt seinen Namen. Als Kind fuhr Japie oft mit seinem Vater durch’s Kaokoveld. Sie schliefen unter freiem Himmel, blickten auf die glitzernden Sterne und entdeckten manchmal einen ‚wandernden Stern‘. Ben van Zyl erklärte seinem Sohn damals, was ein Satellit ist und schürte damit Japies Interesse an den Sternen und dem Weltall.  

Japie van Zyl nennt vier Menschen, die auf seinem Weg zur NASA richtungsweisend waren. Der erste war der Vater seiner Freundin und zukünftige Schwiegervater, Binga Louw. Er bot Japie an, für dessen Studium zu bezahlen. Als Gegenleistung verlangte er nur, dass Japie seiner Tochter Kalfie nichts davon erzählte. „Ein Mann mit deinem Talent muss in die Welt hinausgehen. Ich werde dir dabei behilflich sein, wenn du dazu finanzielle Unterstützung brauchst“, war sein einfaches Angebot. 

Wegweisend war auch die Idee von Japies früherem Lehrer aus Outjo, Twakkies du Toit. Als Japie ihm erzählte, dass er Ingenieurwissenschaften studieren und dafür ein Stipendium bei Telecom beantragen wolle, schlug ihm Twakkies vor, es lieber beim Waffenhersteller Armscor zu versuchen. Japie bekam das Stipendium und studierte Elektrotechnik in Stellenbosch. Einen Studiengang, auf den ihn seine Mutter gebracht hatte, als er mit  kindlicher Naivität erwog, Arzt zu werden: „Ärzte bauen keine Satelliten, Japie. Dazu musst du Ingenieur werden.“

Der nächste, der ihn auf den richtigen Weg brachte, war sein guter Freund und Chef, Dave Harrison. Nachdem Japie seinen Wehrdienst bei der Marine absolviert hatte, diskutierten die beiden, wo Japie sein Studium fortsetzen könnte. Dave ermutigte ihn, die Top 20 Universitäten der Welt anzuschreiben, riet ihm jedoch davon ab, nach England zu gehen: „In England werden sie deinen Akzent nicht mögen. Geh lieber in die USA.“ Japie beschloss, seinen Master in Elektromechanik am ‚California Institute of Technology‘ (Caltech) zu machen und nicht in Boston, wo es zu kalt war. 

Nach einem mäßigen Studienauftakt stellte er fest, dass er sich mehr anstrengen musste, um seine hervorragenden akademischen Leistungen beizubehalten. Nachdem er seinen Master Abschluss im Campus Club gebührend gefeiert hatte, hielt ihn sein Professor auf dem Heimweg an und fragte ihn, ob er noch seinen Doktor (PhD) machen werde. Japie entgegnete, dass er dazu nicht die finanziellen Mittel habe. Daraufhin bot ihm Professor Elachii an, sein weiteres Studium zu finanzieren - und hielt ihm damit den Weg zu den Sternen offen. 

Der Junge aus Opuwo, der früher fasziniert den Sternenhimmel über dem Kaokoveld betrachtet hatte, begann im ‚Jet Propulsion Laboratory‘ der NASA zu arbeiten, dem führenden US-Zentrum für die Erforschung des Sonnensystems durch Roboter, und arbeitete sich stetig weiter nach oben. Bescheiden sagt er, er habe den „schönsten Job der Welt“. An der erfolgreichen Landung des Mars Rovers ‚Curiosity‘ auf dem roten Planeten am 6. August 2012 war er ebenfalls beteiligt. 

Immer wieder wird Japie gefragt, wie er es vor sich selbst verantworten könne, für Milliarden US Dollar Flüge ins All zu planen, wenn Menschen auf der Welt hungern. Darauf antwortet er, dass diese Frage berechtigt sei. Er sei jedoch der Meinung, dass die Erkenntnisse seiner Arbeit dazu beitragen, die Herausforderungen an die Menschheit zu bewältigen. Er werde auch oft gefragt, ob er an eine höhere Macht glaube. In seinem Beruf, in dem man „die Eleganz der Schöpfung“ sehe, bleibe ihm gar nichts anderes übrig. 

Japie schätzt sich glücklich, zwei so unterschiedliche Lebenräume wie das Kaokoveld in Namibia und die USA kennengelernt zu haben, wo er mit seiner Jugendliebe Kalfie heute lebt. Der Junge aus Opuwo hat nach den Sternen gegriffen und ist trotzdem mit beiden Füßen auf dem Boden geblieben. Er rät jedem, der etwas erreichen will, sich seine Neugier ein Leben lang zu erhalten. Das habe ihn sein Vater gelehrt, der immer nach neuen Wegen suchte. Ferner sei es wichtig, sich mit exzellenten, verschiedenartigen Mitarbeitern zu umgeben, denn ‚Teamwork‘ sei heutzutage unerlässlich. Und man müsse mit der Zeit gehen, vorausdenken und sich damit unentbehrlich machen. Japie glaubt, das nichts unerreichbar ist: „The sky is not the limit.“

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