Unterwegs auf der Canyon-Diamanten Route - Neuigkeiten - Gondwana Collection

Neuigkeiten

Aktuelle Meldungen

Unterwegs auf der Canyon-Diamanten Route

Avatar of inke inke - 15. Juni 2018 - Tourismus, Gondwana Collection

Unterwegs im Südwesten Namibias.

Ron Swilling

Fernblick bis zum weiten Horizont, wilde Pferde, glitzernde Steine und verlassene kleine Orte aus der Diamantenzeit verkörpern den abgelegenen Südwesten von Namibia...  

Dieser Teil des Landes ist geheimnisumwittert und von Geschichten umrankt. Einst gab es Plätze, wo Diamanten im Mondlicht funkelten. Man brauchte sie nur aufzulesen. Und Champagner kostete damals weniger als Wasser. Doch das war einmal und nichts läuft Ihnen davon, wenn sie zuerst dem Fischfluss-Canyon den gebührenden Respekt erweisen.

Wenn man im namibischen Südwesten unterwegs ist, kann man sich den Ehrfurcht gebietenden Anblick der zerfurchten Canyon-Landschaft nicht entgehen lassen. Fast nirgends wird Erdgeschichte so greifbar wie an den schroffen Felswänden der tiefen Schluchten im Fischfluss. Sie offenbaren die geologischen Prozesse, die im Laufe von Jahrmillionen stattgefunden haben: Ablagerung von Sedimenten auf Vulkangestein, deren Verdichtung, neuerliche Ablagerungen, Magma-Intrusion, hohe Temperaturen, gewaltiger Druck, immer weitere Ablagerungen – und das Werk von Wasser und Wind im ewigen Kreislauf der Erosion.    

Fischfluss Canyon

Da stehe ich also am Aussichtspunkt und schaue hinunter in das Flussbett, das sich nach Süden schlängelt. Der Eindruck, den diese gewaltige Schluchtenlandschaft macht, trifft mich unversehens. Das schiere Ausmaß ist überwältigend. Angesichts solcher Großartigkeit bestehen die üblichen Grenzen unserer Existenz plötzlich nicht mehr. Ich fühle mich demütig und winzig klein, ein menschliches Stäubchen auf unserem Planeten. Aber ein sehr glückliches Stäubchen, das jetzt noch ein Stück am Canyon entlangfährt, um das Erlebnis weiter auszukosten. 

Mein Tagesziel ist die Canyon Lodge. Dort steige ich früh am nächsten Morgen auf eine Anhöhe und genieße den Sonnenaufgang über dem Gondwana Canyon Park. Dann wird in aller Ruhe gefrühstückt und nun kann der Tag in dieser von Charme und Charakter strotzenden Umgebung seinen Lauf nehmen. Ich wandere durch die felsigen Hügel oberhalb des Canyon Village und kehre mittags im Canyon Roadhouse ein. Die Dekoration aus Oldtimern und alten Karosserien, die mit so viel Liebe, Humor und Vergnügen zusammengestellt ist, macht einfach gute Laune. Ich kehre beschwingt zur Canyon Lodge zurück und beobachte abends im Pool mit Ausblick, wie die Sonne hinter dem fernen Horizont versinkt.

Canyon Lodge

Irgendwann bin ich dann wieder unterwegs gen Süden, zum Oranje, der die Grenze zwischen Namibia und Südafrika bildet. Gondwanas Canyon-Diamanten Route führt westwärts am Oranje entlang, bevor sie nach Norden schwenkt, Richtung Aus und Lüderitz. Und es gibt viel zu entdecken auf dieser Strecke. Mitten im Nichts rostet ein Kleinlaster aus den Sechzigerjahren langsam vor sich hin. Er liegt da, als ob er in diesem seltsamen Grenzgebiet genau dorthin gehört. Ich halte auf der staubigen Straße an, gehe um das alte Vehikel herum, schaue hinein. Wie ist es wohl ausgerechnet dort gestrandet? Es antwortet mit einer knarrenden Drehung seines Ventilators. Ein gespenstisches Geräusch in einer ansonsten leeren, schweigenden Landschaft, das mir zu meinem Auto folgt.   

Und weiter geht’s. Der Versuchung, nach Ai-Ais abzubiegen, kann ich nicht widerstehen. Ein Bad in dem großen Schwimmbecken muss einfach sein. Das Wasser ist immer wohlig warm, denn es wird aus den heißen Quellen in das Becken geleitet. Nach einem Mittagspicknick unter einem Baum setze ich meine Reise fort – durch unendlich weite sandige Landschaft, bis mich plötzlich das üppige Grün am Oranje aus meiner Wüsten-Träumerei reißt. Als nächstes führt mein Weg an diesem grünen Streifen entlang. Hier und da kommt der Fluss zwischen Schilf und Felsen zum Vorschein, streckenweise ist er gar nicht zu sehen. Nach einhundert Kilometern habe ich wieder Teer unter den Reifen und fahre durch Rosh Pinah und Aus nach Klein-Aus Vista, wo ich mich immer wie zu Hause fühle. Zwar preisen sich zahlreiche Unterkünfte gerne als ein „zweites Zuhause“ an, aber unter den Kameldornbäumen hier auf dem kleinen Campingplatz schlage ich mit besonderer Vorliebe mein Zelt auf. Zwitschernde Webervögel schwirren geschäftig umher, und ich spüre die Nähe der wilden Pferde und ihre Ausstrahlung von ungezähmter Freiheit, die diese Lodge so wundervoll umgibt.

Klein-Aus Vista

Beim ersten Tageslicht fahre ich zum Unterstand an der Pferdetränke von Garub. Es ist eine kurze Strecke durch spektakuläre Landschaft, wo Pro-Namib und Wüste in erdigen Farbtönen verschmelzen. Am Unterstand ist kein Pferd in Sicht. Es herrscht Stille, der junge Morgen ist noch kühl. Ich hole meinen kleinen Gaskocher aus dem Auto und koche Wasser für eine Tasse Kaffee. Während ich mit Genuss trinke und die wärmende Flüssigkeit in meinen Gliedern spüre, nehme ich in der Ferne etwas wahr. In diesem Moment geht wie bestellt die Sonne auf und badet die Mähnen der Pferde in ihrem goldenen Licht. Sie kommen auf die Wasserstelle zu, schneller und schneller, Staub wirbelt unter ihren Hufen auf. Schließlich galoppieren sie mit spürbarer Ungeduld und Erregung. Nie kam mir ein Morgen so heilig vor. Hier, bei Garub, habe ich zum ersten Mal wilde Pferde gesehen. Seit hundert Jahren haben die Pferde der Namib die Dürreperioden überdauert, die dieses Wüstenland regelmäßig heimsuchen. Die harten Lebensbedingungen und die Gesetze der Natur regulieren ihre Zahl. Im Laufe der Jahrzehnte haben sie feste Familiengruppen gebildet, die alle Eigenschaften und die Dynamik von Tieren in der Wildnis aufweisen. Ihre wilde Schönheit und ihre grenzenlose Freiheit lassen mein Herz vor Freude Purzelbäume schlagen. 

Wilde Pferde der Namib

Ich beobachte die Punkte, die am Horizont auftauchen und stetig größer werden. Eine Pferdegruppe nach der anderen kommt zum Trinken an die Wasserstelle. Unterdessen steigt die Sonne höher und es wird bereits unangenehm warm. Mein knurrender Magen sagt mir, dass Frühstück auf Klein-Aus Vista angesagt ist. Danach beschließe ich, die verschiedenen Wanderwege ringsum die Lodge für den nächsten Tag zu lassen und stattdessen an die Küste zu fahren, nach Lüderitz. Die kleine Ortschaft zwischen Ozean und Wüste wurde 1908 sozusagen aus dem Schlaf gerüttelt, als ein Bahnarbeiter einen Diamanten fand. Der Fund löste einen wahren Diamantenrausch aus. Wind, Sand und Hitze konnten nicht abschrecken – auch nicht der Mangel an Wasser, das per Schiff aus Kapstadt gebracht werden musste. Kleine Diamantensiedlungen schossen an der Küste wie Pilze aus dem Boden.

Kolmanskuppe

Die größte und prächtigste dieser Siedlungen war Kolmanskuppe in der Nähe von Lüderitzbucht. Ich spaziere durch den längst verlassenen Ort und versuche mir den hohen Lebensstandard vorzustellen, der hier einst herrschte. Es gab ein Krankenhaus, eine Metzgerei, eine Bäckerei, einen Laden, eine Sporthalle mit Kegelbahn. Jedem Haushalt wurde täglich Eis zur Kühlung der Lebensmittel geliefert. Inzwischen hat die Wüste alles zurückerobert. Die stattlichen Häuser sind baufällig, innen macht sich Dünensand breit, Tapeten blättern von den Wänden. Kolmanskuppe ist ein Traum für jeden Fotografen. Der Zerfall im Spiel von Licht und Schatten hat eine ganz eigene Anmut.

In Lüderitz setze ich meine Erkundungstour fort, zunächst mit einer Fahrt an die Diaz-Spitze, wo der unerschrockene portugiesische Entdecker 1488 ein Steinkreuz hinterließ. Im Städtchen selbst koste ich Austern im Diaz Coffee Shop, besuche die berühmte alte Felsenkirche, mache eine Bootsfahrt und staune über das Leben im knorrigen, felsigen Schoß der Wüste. 

Klein-Aus Vista ist eine geeignete Basis für einen weiteren Tag, bis die Straße nach Keetmanshoop ruft. Für jede zünftige Reise gilt, dass man nicht schnurstracks das Ziel ansteuert, sondern auch mal anhält und sich an der Umgebung erfreut. Die Alte Kalköfen Lodge, mit einem unübersehbaren alten Kalkofen am Eingang, bietet sich zum Mittagessen und einem Spaziergang durch das Lithoparium an. Niemand sonst ist in Namibia berechtigt, Lithops zu züchten – die robusten „lebenden Steine“ mit den delikaten Blüten. 

In Seeheim steige ich am Hotel aus. Dort sorgt eine Sammlung ausgestopfter Tiere für eine Dosis namibischen Flairs. Ich fühle mich wieder in alte Zeiten zurückversetzt und male mir aus, wie es hier wohl vor mehr als hundert Jahren zuging, als Seeheim eine belebte Ortschaft an der Bahnlinie war und sogar ein Bordell hatte. Jetzt gehört auch das der Geschichte an, wie ein köstlicher Hauch vergangener Intrigen. Und alles ist Teil der stets faszinierenden Routen durch Namibia: spektakuläre Landschaften, die wie aus einer anderen Welt erscheinen, bescheren Ihnen im Verein mit spannender Geschichte eine einzigartige Erlebnisreise. 

Lüderitzbucht

Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.

0 Kommentare

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit 'Gondwana Tracks' Abonnieren