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Eine „Klassenfahrt“ der anderen Art

Avatar of inke inke - 22. Oktober 2018 - Entdecken Sie Namibia

Diese Gruppe junger Leute erlebte mit ihren Betreuern 1960 eine abenteuerliche Reise nach Angola. Transportmittel: ein LKW. (Foto: Sammlung Klaus von Ludwiger)

Hubertus von der Pforte

Eines Tages ergab es sich, dass unser Pfarrer, Reimar Zeller, die evangelische deutsche Jugend von Swakopmund um sich scharte und uns einen umwerfenden Vorschlag machte. Es gab damals in der ehemaligen portugiesischen Kolonie Angola im Hochland von Chicuma eine kleine deutsche Gemeinde mit Schule und Internat, deren pastorale Betreuung unserem Pfarrer Zeller aufgetragen war. Er schlug uns vor, ihn dorthin zu begleiten. 

Das bedeutete für ihn natürlich eine riesige Verantwortung, Angola war im Jahr 1960 zwar noch friedlich, aber es war ein riesiges, völlig unterentwickeltes Land, dessen Sprache wir nicht verstanden. Dort wollte unser guter Pfarrer nun 30 Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren und fünf Erwachsene drei Wochen lang auf einem großen LKW über 4000 km durch die Wildnis lotsen. Viele Leute im kleinen Städtchen Swakopmund schlugen die Hände über dem Kopf zusammen und meinten: „Der spinnt.“ Für uns Jugendliche war es allerdings die tollste Idee, die ihm einfallen konnte. Zwar hatten wir im Rahmen der Kantorei und der Theatergruppe auch vorher schon ähnliche Fahrten unternommen, allerdings im eigenen Land, wo auch die Straßen- und Infrastrukturverhältnisse wesentlich besser waren.

Es meldeten sich schließlich 30 Jungs und Mädels, ein Lehrer, eine Krankenschwester, eine junge Dame für die Organisation des Haushaltes, ein Fahrer und eben der Pfarrer. Die Vorbereitungen begannen. Wir gingen schließlich nicht einfach mit leeren Händen auf Ballermann-Urlaub, sondern wollten in Angola etwas bieten. Also wurde „Jedermann“ (die Geschichte vom Leben und Sterben des reichen Mannes) einstudiert, bei der ich ausgerechnet ‚den Tod‘ spielte. Es wurde kräftig Chorgesang geprobt und der Bläserchor übte mächtig die „dicke-Backen-Musik“. Die Gemeinde war nach viel Überredungskunst bereit, die Reise etwas zu subventionieren, denn es gab ja auch Teilnehmer, die nicht aus wohlhabendem Hause kamen. 

Die aufregenden Reiseerinnerungen von Hubertus von der Pforte finden Sie bei Namibia Focus

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