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Unterwegs ins Damaraland

Avatar of inke inke - 15. März 2019 - Gondwana Collection, Tourismus

Unterwegs auf Namibias Straßen. Foto: Gondwana Collection Namibia

Von der uralten Namib-Wüste und dem Delight in Swakopmund zu Felsgravuren und einer charmanten Oase zwischen Mopane-Bäumen…

von Ron Swilling

„Das war noch lange nicht alles“, sagt mir mein Verstand, als ich schweren Herzens die spektakuläre Landschaft der Namib Desert Lodge verlasse. Meine Stimmung hebt sich, als mir klar wird, dass mein fantastisches Abenteuer keinesfalls zu Ende ist – ganz im Gegenteil, es hat gerade erst begonnen. 

Solitaire. Foto: Gondwana Collection Namibia

Die rostigen alten Karossen und der Apfelkuchen von Solitaire sind auf dem Weg gen Norden verlockend, und ein Stückchen weiter halte ich an, um dem Wendekreis des Steinbocks meine Aufwartung zu machen. Ein Schild weist auf die unsichtbare Linie hin, die sich bei 23° südlicher Breite um die Erde zieht. Am Tag der Sonnenwende steht die Sonne über dieser Linie im Zenit. Die Wüste trägt nach den unerwarteten Regenfällen einen Hauch von grün, und die faszinierende Landschaft des Gaub- und des Kuiseb-Canyons zieht mich in ihren Bann. In dieser rauen Umgebung mache ich Halt, um in die Tiefe der trockenen Flussläufe zu spähen, in denen Akazien wachsen. Wieder einmal staune ich über Namibias Trockenflüsse, die nur dann Wasser führen, wenn in guten Regenjahren in ihrem Einzugsgebiet im Landesinneren genügend Regen niedergeht. Nach einer kurzen Pause, in der das Universum den Atem anzuhalten scheint, toben Wassermassen durch das Flussbett und tragen Baumstämme mit sich als seien es Streichhölzer. Ebenso plötzlich verschwinden die Fluten dann im Boden und füllen die Grundwasserleiter auf, das große Speichersystem unseres Planeten.

Am Kuiseb beginne ich zu hören, wie der Ozean wie durch einen Schleier ferner Zeiten nach mir zu rufen scheint. Es ist nur eine sachte Regung, ein leichtes Kräuseln auf dem Wasser meiner Seele, aber ich spüre doch, wie sie an meinen Wüstenträumereien rüttelt. Kräftig genug, um mich in meinen Duster springen zu lassen und weiterzufahren. An der Küste warten meine Lieblingsbeschäftigungen auf mich: beispielsweise in aller Ruhe die Flamingos in der Lagune von Walvis Bay zu beobachten, an der urigen kleinen Uferfront einen Imbiss zu genießen und dann auf der Straße zwischen dem glitzernden Meer und den verführerischen Dünen nach Swakopmund zu fahren.

The Delight Swakopmund. Foto: Gondwana Collection Namibia

„Wir freuen uns, Sie bei uns zu begrüßen“, tönt es von den Mitarbeitern des Delight Swakopmund wie im Chor. Und ich freue mich, in diesem erfrischenden, freundlichen Hotel von Gondwana einzukehren! Mit Vergnügen spaziere ich durch die breiten Straßen der geschichtsträchtigen, deutsch geprägten Stadt und auf einem Samstagsmarkt am Swakop-Trockenfluss kaufe ich Olivenöl. Dann folgt ein Ausflug zur Mondlandschaft und zur Welwitschia-Fläche, und zurück in Swakopmund eile ich flotten Schrittes auf die Seebrücke, um die Sonne im Meer versinken zu sehen, während unter mir gewaltige Brecher an den Strand rollen.

Die Landungsbrücke in Swakopmund. Foto: Gondwana Collection Namibia

Tags darauf ist es Zeit, der Zivilisation den Rücken zu kehren. Auf der Salzstraße fahre ich gemütlich an der Küste entlang nach Henties Bay und von dort landeinwärts zu der kleinen Ortschaft Uis. An Ständen am Straßenrand werden die bunten Halbedelsteine ausgestellt, mit denen diese Gegend gesegnet ist. Einer der Stände fällt sofort ins Auge, denn in den leeren Plastikflaschen, mit denen er einfallsreich dekoriert ist, funkelt das Sonnenlicht. Der Inhaber, Armando Gurirab, wünscht mir noch einen schönen Tag und gute Fahrt, als ich meine wachsende Mineralienkollektion erfolgreich erweitert habe und mich mit glücklichem Herzen wieder auf den Weg mache. Eine Mittagspause bei Cactus & Coffee (mit dem besten Kaffee im Land) wird schnell zur Tradition, wenn man nach Uis kommt. Von dort geht es weiter nach Norden, vorbei am Brandberg, der durch die Felsmalerei die Weiße Dame berühmt geworden ist. Doch mir geht es bei dieser Fahrt um die noch ältere Felskunst von Twyfelfontein und deshalb lasse ich Namibias höchsten Berg diesmal links liegen. 

Hererofrau. Foto: Gondwana Collection Namibia

Unterwegs begegne ich Herero-Frauen, die traditionelle Kleider tragen – farbenfroh, bodenlang und mit voluminösen Röcken im Stil der wilhelminischen Zeit. Sie sitzen an ihren Singer-Nähmaschinen und fertigen fleißig die kleinen Puppen an, die ihre Straßenstände füllen. Ich höre ihre Geschichten an, bekomme ein Lächeln geschenkt und fahre mit Herero-Puppen im Gepäck weiter. Mit der Überquerung des trockenen Ugab-Laufes gelange ich ins Herz des Damaralandes. Hier sind die sogenannten Wüstenelefanten zu Hause und ich halte aufmerksam Ausschau. Könnte ja sein, dass meine scheuen Freunde, die Dickhäuter, gerade in der Nähe sind. 

Auf der D2612 geht es nach Twyfelfontein. Der Name ist Afrikaans und bedeutet Zweifel-Quelle. Er stammt aus den späten vierziger Jahren, als ein Farmer namens David Levin in dieser kargen Gegend ein Auskommen für seine Familie suchte. Anfangs war es ein ständiger Kampf, genügend Wasser für Mensch und Tier aus der eigensinnigen Quelle zu gewinnen. Wenn Nachbarn zu Besuch kamen trafen sie ihn meist bei der Quelle werkelnd an, und stets äußerte er Zweifel, dass die Wasserversorgung bis zur nächsten Regenzeit gesichert sei. Bald hatte David den Spitznamen Twyfelfontein weg, und als Twyfelfontein registrierte er schließlich die Farm. 

Die Felsgravuren von Twyfelfontein. Foto: Gondwana Collection Namibia

Die Gravuren auf den Sandsteinfelsen von Twyfelfontein sind mehrere tausend Jahre alt. In dieser Gegend kamen prähistorische Jäger und Sammler in der Trockenzeit zusammen. Schamanen flehten die Götter an, den Menschen Heilung und Schutz zu gewähren, ihnen Regen zu bringen und Glück auf der Jagd. Während sie mit der geistigen Welt kommunizierten, hämmerten sie ihre Gebete in den Fels. Zwischen den Felsgravuren von Twyfelfontein ist mir zumute wie in einer Kathedrale. Giraffen recken ihre langen Hälse in den Himmel, Strauße huschen über die Felsplatten.

Die uralten Darstellungen beschäftigen mich noch, als ich wieder unterwegs bin und die Damara Mopane Lodge ansteuere. Die Straße führt durch Senken und über Kuppen – es ist die reinste Achterbahnfahrt. Allerdings komme ich mir vor, als wäre ich bei hohem Seegang auf einem Meer aus Schotter. Dann und wann halte ich kurz an, um mich an den Straßenständen umzuschauen, die es auch auf dieser Strecke gibt – markiert von kreativen Skulpturen.  

Kurz vor Khorixas habe ich dankenswerterweise wieder Teer unter den Reifen, und jetzt sind es nur noch zwanzig Kilometer zu der Gondwana-Lodge inmitten von Mopane-Bäumen. Eine Lodge wie diese gibt es nur einmal. Zu jedem Chalet gehört ein Gärtchen voller Gemüse, Kräuter und Blumen. 

Sundowner auf der Damara Mopane Lodge. Foto: Gondwana Collection Namibia

Die Sonne will bald untergehen. Gerade noch rechtzeitig finde ich mich auf der Terrasse über dem mit Mopane bestandenen Gelände ein und stoße mit einem Drink auf einen weiteren erlebnisreichen Tag unterwegs in Namibia an.

Ein köstliches Abendessen erwartet mich und eine Nacht in einem komfortablen Zimmer, umgeben von Sonnenblumen, Ringelblumen und Mopanebäumen. Morgen geht es nach Etosha weiter. Ich bin schon etwas aufgeregt, aber jetzt genieße ich das goldene Licht des Spätnachmittags und schwebe friedlich in der Vollkommenheit des Augenblicks.

Fortsetzung folgt am Dienstag, den 19. Februar.

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