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“Ich will sie alle spielen lernen.”

Avatar of koney koney - 06. Dezember 2019 - Entdecken Sie Namibia

Das Schlagzeug hat es Elijah 'Kati' Hwande besonders angetan. Am liebsten will er alle Instrumente spielen lernen. Ob diese Begeisterung anhält, wird sich im kommenden Jahr zeigen. (Foto: Kirsten Kraft)

Kirsten Kraft

Bongo, Marimba, Schlagzeug oder vielleicht Klavier? Wer die Wahl hat, hat die Qual. Nicht Kati. Der Siebenjährige, der mit richtigem Namen Elijah Hwande heißt, will sie alle spielen lernen, sagt er.

Noch vor genau einem Jahr konnte Kati nicht zwischen Farben unterscheiden, nicht zählen, sprach kaum ein Wort, weil er keine Sprache richtig beherrschte. Doch platzierte man vor ihm eine Bongo-Trommel, spielte er sofort begeistert und rhythmisch drauf los.

Entdeckt hat ihn der kuwaitische Graffiti-Superstar, Mo Starr, der unter dem Gondwana-Motto „the celebration of colour“ (die Feier der Farben) u.a. den Swakopmunder Stadtteil Mondesa bereiste. Gondwana Collection Namibia stellte, zusammen mit dem Nachrichtenblatt Informanté, ein kurzes Video über den talentierten Jungen ins Netz und schenkte ihm eine Bongo-Trommel.

Stimmen auf dem sozialen Netzwerk wurden laut, ob man nicht mehr für Kati tun könne, dessen Spielplatz bis dahin die Straße war. Der Gondwana Care Trust, der inzwischen mehrere soziale Verantwortungen pflegt, Projekte für Bedürftige unterstützt und sich für den Umweltschutz einsetzt, entschied sich Katis pädagogischen Weg zu ebnen. Der Junge aus Mondesa erhielt in Swakopmund einen Kindergartenplatz in Hilda Meyers „Learing Right Kiddies Centre“ und der Care Trust kam für die Kosten auf.

Nun ist das Vorschuljahr zu Ende. Neugierde packt mich. Was ist eigentlich aus diesem Jungen geworden? Wie hat er sich entwickelt und wie soll es nun mit ihm weitergehen?

Der schüchterne, wortkarge Junge von einst ist zu einem aufgeweckten, kleinen Kerl gereift. „Er spielt schon lange nicht mehr nur die Bongo-Trommel“, berichtet Hilda Meyer mir. Kati gehe inzwischen auch sehr geschickt mit den Aufschlagstäben auf dem Marimbaphon um.

Den Grundstein für Katis zukünftigen Lebensweg hat Hilda Meyer (M.) vom Learning Right Kiddies Centre in Swakopmund gelegt. Aus einem unsicheren Jungen ist ein aufgeweckter Kerl geworden. Foto: Kirsten Kraft

Bei einer Aufführung kürzlich im Haus der Jugend (des Gemeindekirchenrats) habe der Junge während der Szenenwechsel das Publikum mit einer musikalischen Darbietung unterhalten. „Die Zuschauer waren begeistert“, schwärmt Hilda.

Doch Musik allein bringt ihn ja nicht durch die Schule…

„Auch seine Vorschularbeiten sind sehr gewissenhaft erledigt worden“, versichert die Kindergartenleiterin. Kati habe die Vorschule regelmäßig besucht und sei gerne gekommen. „Er hat uns viel Freude bereitet, weil er wirklich gerne lernt.“

Dennoch rät die Schulpsychologin Nadezna Swanepoel in dem von ihr durchgeführten Schulreife-Test von einer Einschulung ab. „Kati ist den Anforderungen einer normalen Schule noch nicht gewachsen“, sagt sie. Er habe die kognitive Reife (bestimmte Denkoperationen durchführen, Merkfähigkeit, Sprachkompetenz, Grundfunktionen der Wahrnehmung, numerische Fähigkeiten) leider noch nicht erreicht. Einschulen wäre demnach keine gute Entscheidung.

In einer Staatsschule würde der Junge untergehen, zudem gibt es dort ohnehin keinen Platz mehr, aber auch zwei Privatschulen - die „Riverside Privatschule“ sowie die „Swakopmund Christian Academy“ – raten, aufgrund des Berichts, von einem ersten Schuljahr ab. „Er würde sich nicht wohlfühlen, wenn er dem Unterricht nicht richtig folgen kann“, bestätigen beide Ausbildungsstätten.

Kati soll also im Kindergarten eine Ehrenrunde drehen? Der Junge ist inzwischen sieben Jahre alt, alle seine Klassenkameraden treten den Ernst des Lebens an und freuen sich auf die Schule. Wie enttäuscht wird der Junge auf den Vermerk einer Rückstellung reagieren?

Mit dem Einverständnis der Mutter hat sich der Gondwana CareTrust entschieden, Kati einen Wechsel zu gönnen. Im kommenden Jahr soll er die Vorschule „Montessori Sunshine Corner“ von Toni Bosch besuchen.

Stolz zeigt Kati sein Arbeitsheft. Gewissenhaft und mit viel Freude habe er dem Unterricht beigewohnt, sagt Hilda Meyer. Foto: Kirsten Kraft

Die Montessori-Pädagogik ist ein von Maria Montessori ab 1907 entwickeltes und angewandtes pädagogisches Bildungskonzept. Hier gelten die gleichen Richtlinien und Lehrpläne wie auch in jeder anderen Schule, jedoch dürfen die Kinder individuell entscheiden, womit und wie lange sie sich mit einem Thema beschäftigen möchten. In dieser Zeit können die Lehrer individuell auf jeden einzelnen Schüler eingehen. Im „Montessori Sunshine Corner“ wird Kati die Chance geboten, sich diesen Gegebenheiten anzupassen und sollte er nach ein paar Monaten die gewisse Reife erreicht haben, darf er in die „Swakopmund Montessori Academy“ von Nikki Gantz wechseln. Ein tolles Angebot. Eine super Chance!

Doch was wird aus seiner Liebe zur Musik?

Auch da springt der Gondwana CareTrust ein. Die erste Schnupperstunde am Klavier durfte der Junge bereits bei der Piano- und Saxophonlehrerin Christiane Ast erleben. Noch reichen die Füße nicht bis an die Pedale und dass man auch mit „Fingerspitzengefühl“ einen Ton erzeugen kann, muss er noch lernen. Kati haute gleich mit so viel Elan und allen zehn Fingern in die Tasten, dass seine Lehrerin ihn einen „begnadeten Pianisten“ neckte. Fasziniert streckte er seinen Rücken und beobachtete erstaunt, wie beim Tastenanschlag die kleinen Hämmerchen im Flügelkasten ruckartig gegen die Saiten schlugen.

Doch sein Augenmerk galt dem Schlagzeug in der Ecke. Immer wieder äugte er dorthin, wo die verschiedenen Trommeln nur darauf warteten, von ihm gespielt zu werden.

Die erste Musikstunde verlief wie im Fluge. Der erste Eindruck im neuen Umfeld war durchaus positiv. Ob diese Begeisterung anhält, soll im kommenden Jahr langsam angegangen und erprobt werden. Auf dem Nachhauseweg und auf die Frage, welches Musikinstrument er denn eventuell lernen möchte, antwortete er enthusiastisch: „Ich will sie alle spielen lernen.“ Dann griff er nach meiner Hand und blickte mich bettelnd an: „Bitte, nimm mich morgen wieder dorthin.“

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